Big Sky International Mirage 1P im Test – ultraleichtes Tarptent mit reichhaltiger Ausstattung und custom Optionen

 

Big Sky International Mirage Tarptent im Sonnenuntergang

Zelte für eine Personen mit großer Liegelänge, angenehmer Sitzhöhe, außen liegendem Gestänge und Gewicht im dreistelligen Grammbereich sind rar gesätUnter diesen Maßgaben kommen Tarptents mit ihrer Single-Wall Konstruktion ins Spiel. Tarptents sind, wie die Bezeichnung schon erahnen läßt, eine Mischung aus Tarp und Tent. Quasi ein Hybridzelt, welches an das Außenzelt angenähte Meshwände besitzt und somit Mücken dicht ist. Nebenher ist der eigentliche Ursprungsgedanke solcher Tarptents das Weglassen eines Teiles des Mesh-Innenzeltes (auch Innert genannt), wodurch das Gewicht um einiges reduziert werden kann. Im dreistelligen Grammbereich wird hier gerne von ultraleicht gesprochen. Entsprungen der ultraleicht Trekking Bewegung werden solche Tarptents auf Grund ihrer einlagigen Konstruktion ohne durchgehendes Innenzelt auch gerne Single-Wall-Shelter genannt. Wie so oft hat das Ganze in US-Übersee seinen Ursprung, worauf sich anfangs kleinere Cottages spezialisierten, aber im laufe der Jahre auch größere Hersteller den Bedarf erkannt haben und auf den Zug aufgesprungen sind. Leider sind bestimmte Modelle solcher Tarptents auch nur dort über direktem Weg zu beziehen.

Big Sky International ist eine dieser amerikanischen Zeltschmieden und war mir schon aus meiner Ultraleicht-Trekking Zeit bekannt. Mein Interesse für Big Sky wurde bei meinem Besuch auf der OutDoor Messe im letzten Jahr wieder geweckt, als sich heraus stellte, daß Bob Molen (einer der beiden Owner von Big Sky) zufällig mein unmittelbarer Nachbar auf der Zeltwiese des FC Friedrichshafen war. So konnte ich quasi aus erster Hand einiges über Big Sky erfahren und in der Auswahl seiner dort aufgestellen Tarptents Probe liegen. Direkter geht es wohl kaum. Grund genug für mich, mir zu Hause sämtliche Zelte und Tarptents mit ihren Spezifikationen noch mal genauer anzuschauen. Mit dem Mirage hatte ich tatsächlich ein Tarptent für Bikepacking-Touren nach meinen Vorstellungen gefunden. Maßgeblich dafür war mein bewährtes Tarptent Rainbow mit ähnlichen Parametern, welches nach 6 Jahren Nutzung nun doch etwas in die besagten Jahre gekommen ist und ein adäquater Ersatz folgen sollDaher werde ich immer wieder mal auf das Rainbow Bezug nehmen. Ich habe das Mirage von Frühjahr bis Herbst diesen Jahres auf diversen Bikepacking-Touren eingesetzt und wie es sich in meiner Praxis geschlagen hat, erfährst du nun in meinem Testbericht.

 

Big Sky International Mirage 1P custom

Big Sky International Mirage Tarptent unter bewölktem Himmel

 

Bestellung

Das Mirage hatte ich Ende Januar 2017 bestellt, was wie bei vielen anderen Onlinebestellung auch völlig problemlos ablief. Über PayPal bezahlt, eine Bestätigungsmail erhalten und von nun ab hieß es Geduld bewahren. Viel Geduld. Sehr viel Geduld! Dazu gehe ich am Ende noch mal genauer ein, aber nun erst mal zurück zur Bestellung.

Ansich kaum der Erwähnung wert, denn ein Zelt bzw. Tarptent kauft man direkt beim Fachhändler vor Ort oder bestellt es einfach über einen Online-Shop. Ganz anders beim Mirage. Solche speziellen Produkte sind hierzulande keine Volumenartikel, für örtliche Fachhändler weniger interessant und selbst die wenigen Onlinehändler haben nur einige Modelle im Angebot. Insbesondere das 1-P Mirage gehörte zum Zeitpunkt meiner Entscheidung für dieses Tarptent leider nicht dazu. Daher blieb mir nur die Bestellung direkt beim Hersteller in den USA. Um den europäischen Markt schneller und mit geringeren Versandkosten beliefern zu können, unterhält Big Sky seit Ende 2016 eine Vertretung in UK. Bedeutet Bestellung in den USA, Produktion in Südkorea und Auslieferung in die BRD von Großbritannien aus. Daher habe ich von vorn herein mit etwas längeren Lieferzeiten gerechnet, wie ich diese auch von andren Bestellungen aus den USA kannte. Gleichzeitig bot mir die Direktbestellung die Möglichkeit das Mirage etwas zu konfigurieren um so mein angepeiltes Gesamtgewicht im dreistelligen Grammbereich zu erzielen. 

Die Bestellung verlief wie bei vielen meiner zu vorigen Onlinebestellung in den USA völlig problemlos. Per PayPal bezahlt, eine Bestätigungsmail von Big Sky erhalten und das wars auch schon. Naja nicht ganz, denn von nun ab hieß es Geduld zu bewahren. Viel Geduld. Sehr viel Geduld! Dazu gehe ich am Ende noch mal genauer ein.

 

Lieferung & Lieferumfang

Big Sky International Mirage Zelt alle Komponenten ausgepackt

Der Lieferumfang des Mirage beinhaltet in meiner Konfiguration nur drei Komponenten. Das Tarptent, zwei Carbongestänge und den Packsack. Die beiliegende Reparaturhülse zähle ich jetzt mal zum Gestänge. Die Heringe mit dem Beutelchen hatte ich nicht mit geordert und mir selbst zusammengestellt. Eine Aufbauanleitung lag auch dabei, ist aber ehr dafür um sich zu Hause mit dem ersten Aufbau vertraut zu machen.

 

Material & Kosten

Big Sky International Mirage Zelt Kondens am Morgen

Unter den zur Auswahl stehenden Materialkombinationen und Gestängematerialien wird und wurde mein Mirage zur custom Variante. Hier kann man unter zwei verschieden SilNylon Stoffen (Big Sky’s SuprSilTM oder SuprSilTM-UL) für Außenzelt und Boden wählen. Diese sind allerdings nicht frei konfigurierbar, sondern nur in der von Big Sky angebotenen Kombination. Momentan nicht erhältlich, aber zum Zeitpunkt meiner Bestellung bestanden zusätzlich noch die Optionen das Mirage aus SuprSilTM-SUL (glaube ich noch so in so in Erinnerung zu haben) oder Cuben Fibre/Big Sky’s Let-it-PorTM und so die leichteste, aber auch teuerste Variante des Tarptents zu ordern. Das Mesh für das Innenzelt bleibt bei allen Varianten gleich. Detaillierte Materialinfos gibt es hierBeim Gestänge kann man zwischen zwei Aluvarianten und der leichten Carbonversion wählen. Zeltunterlage, Packsack, Heringe und zusätzliche Abspannungen sind optional. Ursprünglich gab es das Mirage auch mit nur einer Tür zur Auswahl, was dem Rainbow in Form und Abmaßen sehr ähnlich war. Diese Ausführung wird nicht mehr angeboten und zwei Türen mit Apsiden sind jetzt Standard. Genauso wie die Farbe des Mirage in Granite Gray, Inner-Mesh in Schwarz und Boden in einem braun-grün Ton.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Brand

Mein Mirage sollte natürlich so leicht wie möglich werden, aber trotzdem nicht zu zart beseidet sein und mein Budget nicht überschreiten. In diesem Kontext ist es die Version aus SuprSilTM-UL (1500mm Wassersäule) für das Außenzelt und SuprSilTM (3000mm Wassersäule) als Bodenmaterial geworden. Mit optionalen Carbongestänge konnte ich das Gewicht nochmals im Vergleich zum Alugestänge deutlich reduzieren. Ein Packsack mit Kompressionsgurten ist bei Big Sky Standard, gehört aber nicht zum Lieferumfang bei der Custom-Variante. Ich fand den Packsack ziemlich interessant und allein schon aus Neugier über die Funktion der Abspannungen und deren Notwendigkeit habe ich mir das Teil mit bestellt.

Der Gesamtpreis betrug in dieser Konfiguration $454.89 was zur Zeit meiner Bestellung 440€ entsprach und sich wie folgt zusammen setzt: 

  • Tarptent               $329.95
  • Carbongestänge    $100.00
  • Packsack                  $9.95
  • Versandkosten        $14.99
  • Gesamtpreis          $454.89 

Auf den ersten Blick ist das erst mal ne Menge Geld für wenige Gramm 1-Personen Tarptent, aber im Vergleich mit anderen Single-Wall-Sheltern wie meinem Tarptent Rainbow ist der Preis gar nicht mal überteuert.

 

Gewichte & Abmessungen

Big Sky International Mirage Zelt Gewicht komplett

Big Sky International Mirage Zelt Gewicht    Big Sky International Mirage Zelt Gewicht Carbon Gestänge    Big Sky International Mirage Zelt Gewicht Packsack    Big Sky International Mirage Zelt Gewicht Heringe

Tour fertig inclusive aller Komponenten beträgt das Gesamtgewicht des Mirage 980g mit folgender Gewichtung:

  • Tarptent                 686g
  • 2 Carbongestänge   213g
  • Packsack                  27g
  • Heringskombi            52g

Meine Heringskombi besteht aus 6 Titanheringen mit jeweils 5-6g und zwei Meru Expert Stab-Profil Heringe für steinigen Boden mit 10g pro Stück. Alle Heringe haben eine Länge von 16cm. Das luftige 2g Beutelchen ist vom Tarptent Rainbow und nochmalige 9g wiegt die Reparaturhülse für das Carbongestänge. Panzertape zum fixieren der Hülse bei einem Gestängebruch ist um meine separate Reparaturdose gewickelt. Das Gramm der Gummis um Tarptent und Gestänge zusammen könnte ich noch abziehen. So pingelig bin ich nun auch wieder nicht.

Insgesamt bleibe ich so mit dem Gesamtgewicht im dreistelligem Bereich – CHECK! Ein Abgleich mit den Herstellerangaben ist aber hierbei nicht möglich, worauf ich nochmal kurz eingehen möchte. Für die Variante mit zwei Türen, SuprSilTM Stoffen, Standard-Mesh für das Innenzelt und den 43cm Alugestängen werden insgesamt 976g angegeben. Wenn ich mein Mirage mit SuprSilTM-UL Stoffen (-47g) und den Carbongestängen (-81g) addiere, lande ich bei 899g in meiner 2-Türenvariante. Als Beispiel für das Mirage in der SuprSilTM-UL Carbongestänge Variante werden von Big Sky selbst 788g, wohlgemerkt in der älteren 1-Türenvariante, aufgerufen. Daraus ergibt sich eine Differenz von 111g zu meiner Variante, welche sich für mich nur mit dem Wegfall des Tür -und Apsidenßverschlußes auf einer Seite begründen läßt. Ob meine Version des Mirage in dem von Big Sky angedachten Gewichtsbereich liegt oder nicht, kann ich daher ohne vorgegebenen Richtwert des Herstellers nicht sagen. Für mich geht das Gewicht aber in Ordnung.

Das Packmaß bleibt mit 46cm Länge, welches aus den Abmaßen der Carbongestänge resultiert und dem Durchmesser von 10cm angenehm gering. Dabei sind die Kompressionsgurte des Packsacks nur leicht angezogen und mit etwas mehr Zug bekommt man das Mirage noch etwas schlanker verpackt. Einzeln verstaut, also die Gestänge separiert, kann das Tarptent selbst auf mindestens 35cm Länge minimiert und nun durch die Flexibilität in irgend eine Ecke von Packsack, Rucksack oder was-auch-immer Pack gestopft werden. Ich transportiere es so aufgeteilt immer im oberen Teil des Framebag im Bike, wobei die Gestänge separat von unten eingeschoben auf dem Unterrohr liegen. Das funktioniert bei meinem Wildcat Gear Full Custom Frame Bag über die Gate Opening Ausstattung sehr gut.

 

Big Sky International Mirage 1 P Tent Abmessungen

Einer der ausschlaggebenden Gründe waren für mich die üppigen Dimensionen des Mirage mit großer Liegelänge und Sitzhöhe. Herstellermaße sind ja immer so eine Sache und Zahlen werden gerne mal etwas zu optimistisch angegeben. Ich habe lieber noch mal selbst nach gemessen:

  • Länge                227cm
  • Breite Kopfteil      93cm
  • Breite Fußteil       60cm
  • Höhe                   93cm
  • Apsiden               63cm

Die Liegelänge entspricht nicht ganz der Angabe, ist aber noch im grünen Bereich. Apsiden, Kopf -und Fußteilbreite paßen. Die Sitzhöhe fällt allerdings 6cm geringer aus wie angegeben. Für mich mit einer Körpergröße von 181cm ist das nicht relevant und selbst auf der TaR NeoAir XLite sitzend bin ich zu keiner Zeit oben angestoßen. Platz ist für mich also noch genug über dem Kopf. Für größere Menschen können die fehlenden Zentimeter wiederum Kauf entscheidend sein.

 

Konstruktion & Ausstattung

Big Sky International Mirage Zelt Eingang

Big Sky International Mirage Tarptent    Big Sky International Mirage Tarptent    Big Sky International Mirage Tarptent    Big Sky International Mirage Tarptent Gestänge Abspannung Kopfteil

Das Mirage ist ein Single-Wall-Shelter und besteht somit „nur“ aus dem Außenzelt mit partiell eingenähtem Mesh-Innenzelt und abschließenden Boden. Wie eingangs schon beschrieben, ist das die geläufigste Konstruktionsweise eines Tarptent. So können das Gewicht und Packmaß, im Vergleich zu Zelten mit separatem Außen-und Innenzelt, deutlich reduziert werden und bieten trotzdem einen komplett geschlossenen Innenraum. Um mehr Kopffreiheit im liegen zu generieren ist die Stirnseite ca. 26cm senkrecht im Kopfbereich nach oben gezogen, was über zwei äußere Abspannungen gewährleistet wird.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Aufbau Carbon Gestänge kreuzen

Die Carbongestänge verlaufen außen über kreuz, an welchen das Dach des Tarptent mittels zentraler Schlaufe mit Mini-Steckschließe und über beide Seiten verlaufende Zelthaken ein gehangen wird. An allen vier Eckpunkten eingesteckt, ergibt sich quasi ein semi selbst stehender Shelter, was auch Big Sky so bewirbt. Naja…

Wenn so gar kein Hering in den Boden gehen will könnte man in einem Notfall sicher so übernachten. Nicht nur der herunter hängenden Apsiden wegen sollte es dabei besser nicht winden. Mit einem richtigem für solche Bedingungen konstruierten „Selbststeher“ hat das Mirage nur wenig gemein. Um einiges besser steht das Mirage mit abgespannten Apsiden, wofür ich die stabileren Meru Expert Stab-Profil Heringe nutze. Das wäre quasi der quick & dirty Aufbau, aber am sichersten steht das Tarptent letztendlich, wenn auch die vier Eckpunkte und somit alle 6 Abspannungen mit Heringen gesichert werden.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Carbon Gestänge    Big Sky International Mirage Tarptent Carbon Gestänge zusammen stecken

In meiner Konfiguration habe ich mich für Carbongestänge entschieden. Ganz klar sind diese deutlich teurer wie vergleichbare Aluvarianten. Auf der Habenseite steht wiederum das geringere Gewicht und Packmaß. Das macht sich zum einen mit gerade mal 3,5cm im Umfang der zusammengelegten Gestänge, aber wesentlich deutlicher in der Länge mit nur 45cm bemerkbar.

Die Zusammensetzung der Segmente pro Carbongestänge mal im Einzelnen:

  • Segmentanzahl                        9
  • Segmentlänge                     44,8cm
  • Länge ineinander gesteckt    39,7cm
  • Gesamtlänge Gestänge       362,2cm

Von den 9 Segmenten sind die jeweils äußeren so eingekürzt, daß diese mit eingesetzten Lock Tip die gleiche Länge der anderen Segmente ergeben. Eine Gummikordel hält die Segmente klassisch auf Spannung und beim auseinanderklappen flutschen diese meißtens schon von alleine ineinander. Dazu tragen auch die angephasten Enden der Verbindungsstücke bei. Insgesamt gut gelöst, sauber umgesetzt und funktionell!

 

Big Sky International Mirage Zelt Eingang und Innenraum

Was sofort ins Auge fällt sind die beidseitigen Eingänge. Gerade bei ultraleicht 1-P Sheltern sind zwei Türen mit Apside ein wahrer Luxus und eher unüblich, da ein Eingang für eine Person ausreicht und das Weglassen von Reißverschlüßen an Tür und Apside deutlich Gewicht spart. Bei ca.118cm Breite und 76cm Einstiegshöhe sind die Türen mit den YKK 5C Reißverschlüßen recht großzügig bemessen. Die Bodenwanne ist zum Schutz gegen Feuchtigkeit an den Seiten ca.15cm hoch gezogen.

 

Big Sky International Mirage Tarptent geöffneter Lüfter    Big Sky International Mirage Tarptent geschloßener Lüfter

Unter dem Dach befindet sich auf jeder Seite eine 46cm breiter Lüfter, von denen ich mir eine größere Wirkung erhofft hatte. Die insgesamt 94cm breiten Lüfterabdeckungen können über einen Aufsteller per Klett geöffnet und gesichert werden. Das kann man sogar von innen durch die Apsiden tun. Wenn es all zu windig wird sind diese schnell umgelegt und die Lüfter per Klett geschlossen. Davon würde ich aber absehen, da trotz beider Lüfter die entstehende Feuchtigkeit über Nacht nur unausreichend abgeführt wird und teilweise sehr viel Kondens an den Innenwänden entstehen kann. 

 

Big Sky International Mirage Zelt Himmel

Big Sky International Mirage Zelt Knebel und Schlinge    Big Sky International Mirage Zelt geöffnete Tür mit Knebel und Schlinge gesichert    Big Sky International Mirage Innenraum Kopfbereich mit Seitentaschen    Big Sky International Mirage Innenraum Fußbereich mit Seitentaschen

An den äußeren Stirnseiten befinden sich jeweils zwei Schlaufen um das Mirage zusätzlich bei turbulenter Wetterlage abspannen zu können. Davon mußte ich bisher noch keinen Gebrauch machen, aber als zusätzliche Verankerung für den Fall der Fälle ein durchaus sinnvolles Detail. Die Türen werden zusammengerollt über T-Stopper mit einer Gummibandschlaufe fixiert. Klassisch und leicht wird diese Verschlußart nicht nur bei UL-Shelter gerne verbaut, aber für meinen Geschmack ist das Ganze etwas fummelig. Innen sind rundum wie auch am Himmel einige Schlaufen vorhanden. Dort habe ich meistens meine UL-Zeltlaterne ein gehangen. Ein schmales Band unter dem Himmel überträgt zum einen die Kräfte bei der Abspannung der Apsiden, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit diverse Ausrüstung aufzuhängen. Hier kann man prima Textilien zum ablüften oder trocknen aufhängen. Ich habe dort immer mein Handtuch über Nacht aufgehangen um es gleich morgens zum Abwischen des Kondens griffbereit zu haben. Was sich als sehr praktisch erwiesen hat, sind die großen Seitentaschen am Innert. Zwei im Kopfteil mit 53x16cm und die beiden im Fußteil mit 42x30cm welche ich nur selten genutzt habe. Oben hingegen sorgen die Taschen für Ordnung und ich habe die wichtigsten Dinge selbst im dunkeln sofort zur Hand. Gefällt mir sehr gut! Trotzdem sollte man die Taschen nicht all zusehr beladen, da das Gewicht am Mesh und letztendlich am Carbongestänge über den Himmel zieht. Eine Tasche mit Kompaktkamera und Smartphone beladen war eigentlich schon zuviel und die Seite hatte einen kleinen Hänger. Kleinkram auf die Taschen verteilt ist aber kein Problem.

 

Aufbau

Big Sky International Mirage Zelt Aufbau Carbon Gestänge in Eckpunkte stecken

Big Sky International Mirage Zelt Aufbau Carbon Gestänge in Eckpunkte stecken    Big Sky International Mirage Zelt Aufbau Carbon Gestänge in alle Eckpunkte einstechen und aufrichten

Der schnelle Aufbau ist eine weitere Stärke des Mirage. Das Tarptent wird dazu einfach flach auf dem Boden ausgebreitet, die Gestänge zusammen gesteckt und über Kreuz auf einer Seite in die Ösen der farblich markierten Laschen gepinnt. Diese sind zweifarbig ausgelegt um Fuß (rot) -und Kopfteil (schwarz) besser voneinander unterscheiden zu können, was bei der Platzwahl  in manchen Situationen sehr hilfreich sein kann. Jetzt wird das Gestänge mit Gefühl auf Spannung gebogen und kreuzend in die gegenüberliegenden Laschen der Eckpunkte gesteckt. 

 

Big Sky International Mirage Tarptent Mini Steckschließe an der Gestängeführung    Big Sky International Mirage Tarptent Mini Steckschließe für Gestängeführung geöffnet

Um das Carbongestänge gleichmäßig zu belasten, empfiehlt Big Sky als erstes die Lasche mit der Mini-Steckschließe im Dachbereich um den Kreuzpunkt der Gestänge zu legen und zu verschließen. Auf Grund der deutlich zu kleinen und wirklich fummeligen Steckschließe ist das teilweise ein Geduldsspiel, mit kalten Fingern und bei windigen Bedingungen fast schon eine Herausforderung. Hier wurde zu Lasten der Bedienbarkeit etwas zu sehr an der UL-Schraube gedreht. Ein paar Gramm mehr für eine etwas größere Steckschließe würde hier – zumindest dem vorgesehenen Aufbauablauf des Herstellers folgend – die Handhabung deutlich verbessern.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Aufbau Carbon Gestänge einschieben

Es geht aber auch ohne großes Fingerverrenken. Um mir das Gefummel zu ersparen habe ich die Steckschließe immer geschlossen gelassen und die Carbongestänge einfach durchgeschoben, danach gekreuzt und in die Laschen der Traptent-Ecken gepinnt. Geht wesentlich schneller und das Carbongestänge hat darunter auch nicht gelitten. Danach werden einfach die Zelthaken von oben nach unten auf beiden Seiten ein gehangen, die Apsiden an den Seiten abgespannt und fertig. Das Abspannen der Apsiden ist beim Mirage ist aber so eine Sache, wozu ich im Abschnitt Funktion genauer eingehe.

 

Verarbeitung

Big Sky International Mirage Tarptent saubere Verarbeitung

Kurz und knapp: Die Verarbeitung bewegt sich durchweg auf sehr hohem Niveau. Keine losen Fäden, saubere Nahtführungen und faltenfreie Verbindungen sämtlicher Stoffflächen sprechen für sich. Punkt.

 

Funktion & Raumgefühl

Big Sky International Mirage Tarptent mit Simplon Lexx Fully im Sonnenuntergang

Schon nach der ersten Nacht im Mirage hatte die Aufbaureihenfolge einen festen Platz in meinem Kopf und einige Übernachtungen später stand das Tarptent innerhalb von 2 Minuten. Unter windigen Bedingungen dauert es naturgemäß länger. Die Reißverschlüße der Türen laufen geschmeidig, lassen sich auch im Dunkeln an den Schlaufen mit Knoten sicher greifen und verhaken nur selten. Die Türen selbst sollten bei kompletter Öffnung der Reißverschlüße zusammengerollt und befestigt werden, damit sie beim Einstieg nicht störend im Weg und teilweise auf den Boden im Vorzelt hängen. Für mich ist so der freie Zugang ins Tarptent und im sitzen heraus bei den Mahlzeiten angenehmer. In Gegenden mit vielen Mücken sieht das natürlich ganz anders aus. Hier will man ja möglichst wenig von den Biestern rein lassen. Dafür werden die Reißverschlüsse zum Ein -oder Ausstieg nur einen Teil geöffnet und dann hängt auch nicht runter. Irgendwie auch selbst klärend. 

 

Big Sky International Mirage Tarptent Leinenspannen Apside

Die einzigen beiden Abspannungen des Mirage befinden sich an den Apsiden. Leider rutschen die mit 2mm zu dünn gewählten Kordeln beim stramm ziehen immer wieder durch. Soll heißen; wenn ich eine Seite abgespannt habe und es auf der andren Seite auch mache, löst sich die Kordel auf der gegenüber liegenden Seite wieder und rutscht im Leinenspanner bis zum Knoten durch. Beide Seiten individuell abzuspanen war deshalb kaum möglich. Hier blieb nur das Versetzen der Heringe mit voller Kordellänge. Geht auch, ist aber nicht im Sinne des Erfinders und ein etwaiges Nachspannen bei Regen von innen z.B. ist so nicht möglich. Auch hier wurde wieder am falschen Ende gespart, denn eine  unwesentlich schwerere 3mm Kordel funktioniert wie gewünscht in den Leinenspannern.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Reißverschluß Apside

Die Reißverschlüße laufen auch an den Apsiden sehr sauber, haben sich aber immer mal wieder in der Abdeckung eingeklemmt. Durch langsames öffnen konnte ich das meistens vermeiden. Am Reißverschlußende befindet sich leider keine Zugentlastung in Form einer Steckschließe oder Schlaufe mit Haken. Möglichkeiten gibt es hierfür ja einige. Dadurch öffnet sich der Reißverschluß bei Bewegung im Tarptent oder Wind immer wieder ein Stück, wenn auch nur bis zum Klett. Darunter leidet ein wenig die straffe Abspannung der Apsidenflächen, welche schon über die durch rutschenden Kordeln in den Leinenspannern begünstigt wird. Grundsätzliche ist eine Zugentlastung zur Minimierung der Spannungen an den Reißverschlußenden und einer längeren Lebensdauer gedacht. Bisher funktionieren die Reißverschlüsse aber noch ohne Einschränkungen.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Gestänge im Eckpunkt mit Abspannung    Big Sky International Mirage Tarptent Eckpunkt mit Abspannung Bodenansicht

An allen vier Ecklaschen sind jeweils eine reflektierende Gummischlaufe mit O-Ring und Dyneemaschlaufe eingezogen. Direkt in die Lasche ist noch zusätzlich eine kleine Schlaufe aus SilNylon mit O-Ring eingenäht. Wozu all diese Schlaufen und vor allem die O-Ringe gedacht sind, ist mir ein Rätsel. Vermutlich dienen diese zum Teil der Fixierung der optional erhältlichen Unterlage. Zum Verankern des Mirage habe ich ausschließlich die Gummikordelschlaufen genutzt und beim einstecken der Heringe gleich noch etwas Zug auf alle vier Ecken gebracht.

 

Big Sky International Mirage Tarptent am Morgen

Big Sky International Mirage Tarptent am Morgen    Big Sky International Mirage Tarptent am Morgen

Am Morgen steht das Mirage auch ohne eine regnerische Nacht oft etwas schlapp da, was einerseits den Materialeigenschaften und der Dehnung des SilNylon bei Feuchtigkeit geschuldet ist und zum andren an der Konstruktion des Tarptent mit Abspannung über die Gestängebögen liegt. Bis auf die oben schon erwähnten Patzer beim Abspannen der Apsiden, hat mich das Durchhängen nicht weiter gestört, ist ehr optischer Natur und wenn ich drin liege ist mir das schnuppe.

 

Big Sky International Mirage Tarptent mit Kondens am Morgen

Auch wenn das Tarptent von außen durch Regen oder Nebel nicht feucht wurde, entstand bei den meisten meiner Übernachtungen Kondens an den Innenseiten der Wände, was genauso zur Dehnung des SilNylon über Nacht bei trägt. Das ist natürlich immer etwas von der Bodenbeschaffenheit abhängig. Angefangen auf Laub bedecktem Waldboden mit nahezu trockenen Wänden, über bemoste und begraste Flächen mit „normalem“ Kondens für ein Tarptent, bis hin zu starker und teilweise tropfender Feuchtigkeit von den Wänden. Einige Male wurde ich als Rückenschläfer davon aufgeweckt. Trotz der großen Lüfter bin ich in puncto Kondenswasserbildung ziemlich enttäuscht. Hierbei erhält mein Tarptent Rainbow auch keine Bestnoten, aber ein wenig besser schlägt es sich beim Thema Kondens schon.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Camping FC Friedrichshafen EUROBIKE 2017

Big Sky International Mirage Tarptent im Regen mit Pfütze auf dem Dach    Big Sky International Mirage Tarptent Nähte im Dauerregen

Auf meinen Bikepacking-Touren bin ich bisher immer nur eine Nacht am gleichen Ort geblieben und eine regnerische Nacht verlief immer problemlos. Einzig, als ich dieses Jahr auf der EuroBike in Sachen Bikepacking unterwegs war, stand das Mirage auf schon eingangs erwähnten Campingwiese des FC Friedrichshafen für vier Tage UL-Clamping an einer Stelle. Leider hatte es fast die gesamte Zeit in Strömen geregnet, aber gleichzeitig konnte ich hierbei die Performance im Dauerregen testen. Unter den Bedingungen war das Mirage von innen genauso nass, wie von außen. Über Kondens zu reden wäre hier vergeudete Zeit. Das kann wahrscheinlich jedes andere Zelt unter solchen Bedingungen auch nicht besser. Aber zurück zum Mirage. Big Sky läßt die außen verlaufenden Nähte mit Baumwolle ummanteltem Garn vernähen, welches bei Feuchtigkeit aufquellt und die Nahtlöcher abdichten soll. Selbst nach nahezu vier Tagen im Dauerregen mit kleiner Pfütze im dreieckigen Dachbereich sind hier nur ein paar Tropfen durch gekommen. Das hätte ich nicht erwartet, aber die Doppelkappnähte mit dem Quellgarn funktionieren!

 

Big Sky International Mirage Tarptent undichter Boden im Dauerregen    Big Sky International Mirage Tarptent Boden mit Irritierungen im Material

Der Boden hingegen hat indes kapituliert. Das lag aber an meiner vorherigen Verwendung. Mein Tarptent Rainbow habe ich immer ohne Unterlage aufgestellt und lediglich einen 2mm Evazotte-Teppich zum Schutz der NeoAir eingelegt. Wohlwissend, daß es sich beim Mirage um wesentlich filigraneres Bodenmaterial handelt, habe ich es genauso auf meinen Touren gehandhabt. Ich wollte es eben wissen mit dem Resultat, daß sich doch einige punktuelle Irritierungen im Bodenmaterial ergeben haben. Zuvor hatte ich diese gar nicht wahr genommen, aber sie waren auch der Grund für den Wassereinbruch nach Tagen auf der völlig durchtränkten Wiese.

 

Big Sky International Mirage Tarptent Innenraum mit Therm a Rest XLight Large

Anfangs hatte ich das Gefühl im Mirage weniger Platz als im Rainbow zu haben. Rein von der Grundfläche des Innerts stimmt das auch, da das Rainbow nur eine Tür besitzt und die gegenüberliegende Seite weiter nach außen gezogen ist. Das Mirage hat hier eine zweite Tür mit dahinter liegender Apsidenfläche woraus sich eine geringere Breite des Innerts ergibt. Meine Befürchtung zuvor im Abgleich der Maße auf dem Papier hat sich in der Praxis als unerheblich herausgestellt und die Breite des Innenraumes als völlig ausreichend erwiesen. Durch die Transparenz des Mesh-Innerts fühlt man sich in der Breite nicht eingeengt, bekommt quasi eine Rundumansicht im Tarptent und dadurch ein angenehmes Raumgefühl.

 

Big Sky International Mirage Tarptent mit Therm a Rest XLite und 0,75L Trinkflasche der Seitenfreiheit zum Größenvergleich    Big Sky International Mirage Tarptent mit Therm a Rest XLight Large und 0,75L Trinkflasche im Fußraum zum Größenvergleich    Big Sky International Mirage Tarptent Kopfbereich mit Pajak Radical 1Z Ultraleicht Schlafsack    Big Sky International Mirage Tarptent Fußbereich mit Pajak Radical 1Z Ultraleicht Schlafsack

Mit seitlich angelegter TaR NeoAir XLite in Größe Large (193x63cm) bleibt noch ausreichend Platz, was anhand der 0,75L Trinkflasche gut zu erkennen sein sollte. So stoße ich mit meinen breiteren Schulten auch im sitzen nirgends an. Besonders die Liegenlänge birgt Reserven. Mit am Kopfteil angelegter XLite bleibt hier noch ausreichend Platz, was die 27cm hohe Trinkflasche verdeutlicht. In der Praxis läßt mir die mittig positionierte Isomatte sowohl mit Sommer -wie auch voluminöseren Winterschlafsack ausreichend Platz. Dieses Raumgefühl kann nur über längs verlaufende Gestänge in Bogenform erreicht werden, wie es auch bei meinem Rainbow der Fall ist. Die Konstruktion des Mirage generiert über zwei längs gekreuzte Gestängebögen recht viel Platz im Inneren. Kopf -und Beinfreiheit sind durch die Bogenform deshalb sehr üppig für ein 1P-Shelter mit dieser Ausstattung. Dadurch wird auch der Wandkontakt beim Aufrichten und generell beim Hantieren im Mirage, wie es z.B. bei Tarptents mit flach abfallenden Wänden oft der Fall ist, minimiert. Das kann besonders in einem Single-Wall-Shelter sehr von Vorteil sein, da man so den Kontakt zur Innenwand größtenteils vermeiden kann und nicht sofort den Kondens mit dem Schlafsack, Haaren oder Füßen aufsaugt. Für mich einer der entscheidendsten Argumente für diese Konstruktionsweise eines Tarptents, welche ich auch bei meinem Rainbow sehr schnell zu schätzen gelernt habe. Tja und an die zweite Tür im Mirage mit externem Stauraum in der Apside habe ich mich genauso schnell gewöhnt. Auf die eine Seite kommen meine nassen und dreckigen Bags. Zeug halt was ich für die Übernachtung nicht mehr brauche und auf meine Ausstiegsseite all das Geraffel, welches mir die Übernachtung angenehm und komfortabel gestaltet. Praktischer als ich dachte!

 

Big Sky International Mirage Tarptent in der Dämmerung

 



Nun möchte ich nochmal genauer zum anfangs erwähnten Geduldsspiel nach der Bestellung eingehen und warum ich mich wie ein Rufer in der Wüste fühlte.

Hier liegt der Hase im Pfeffer begraben, weswegen ich ein wenig ausholen muß. Die Bestellung habe ich Ende Januar diesen Jahres aufgegeben und mich erst mal zurück gelehnt, da mich Big Sky innerhalb von fünf Tagen über den Status meiner Bestellung informieren wollte. Leider habe ich in dieser Zeit und nach weiteren drei Tagen keine Statusmeldung über meine Bestellung erhalten. Darauf hin habe ich eine Mail mit einer Bitte über meinen Bestellstatus an den Customer Service von Big Sky geschickt und parallel über das Message Center Popup auf deren Website mehrmals eine Nachfrage gestartet. Über keinen der Kanäle erfolgte irgend eine Reaktion und ich habe mich weitere drei Wochen in Geduld geübt. Zwischenzeitlich immer mal wieder das Message Center kontaktiert, aber ohne jede Rückmeldung. Nach insgesamt vier Wochen ohne irgend eine Reaktion von Big Sky ging meine Geduld langsam zu Ende, denn das Zelt hatte ich natürlich auch noch nicht. Auf Grund meiner Sonderanfertigung und den vielen Kilometern um den Globus hatte ich mich generell auf eine längere Lieferzeit von bis zu zwei Monaten eingestellt. Aber ohne irgend eine Reaktion des Herstellers über den Status meiner Bestellung und den Verbleib des Zeltes, war ich nun nicht mehr bereit im luftleeren Raum zu warten. Die Zahlung über PayPal ermöglichte mir aus genannten Gründen einen Rücktritt vom Kauf und binnen eines Tages erhielt ich eine komplette Erstattung des Kaufpreises. Das hatte mich nach der Kommunikationsstille schon etwas gewundert. Seltsam. Trotzdem erfolgte keine weitere Reaktion, aber ich war es ja auch nicht anders gewohnt. Schade!

Aber warum besitze ich das Tarptent nun doch und schreibe auch noch einen Testbericht darüber? Berechtigte Frage. Mit der Rückzahlung war das Kapitel Big Sky für mich abgeschloßen und meine Suche nach einem adäquatem Tarptent begann von vorn. Ende März, gut zwei Monate nach meiner Bestellung bei Big Sky, erhielt ich eine Mail das mein Mirage nun bereit zum verschicken sei. Anbei eine Entschuldigung für die Verspätung und Bedankung für meine Geduld.

Wie bitte? Hier lief wohl nicht nur auf kommunikativer Basis, sondern auch aus logistischer Sicht einiges schief. Letztendlich habe ich mich dann doch dazu entschieden das Mirage anzunehmen und nach einigen Tagen klingelt auch schon der Postmann bei mir. Auf Grund der vorhergegangenen Ungereimtheiten bin ich mir mit Bob Molen über einen Preisnachlaß mit folgendem Testbericht einig geworden. Der Testbericht war von Anfang an geplant, aber daß er nun unter solchen Umständen zustande kam, hat irgendwie einen faden Beigeschmack. Dieses Kapitel des Testberichtes hätte ich mir gerne erspart, aber schon aus Transparenzgründen gehört es mit hier rein.



 

Big Sky International Mirage Tarptent Brand

 



Transparenzhinweis: 

Dieses Tarptent wurde mir vom Hersteller mit einem Preisnachlaß zur Verfügung gestellt. Meine eigene unabhängige Meinung bleibt davon unangetastet!



 

 

Unterm Strich

Das Big Sky International Mirage ist ein ultraleiches und geräumiges 1P-Tarptent mit üppiger Ausstattung. Über die große Liegelänge hatte ich immer genügend Platzreserven an den Stirnseiten, auch wenn ich mal etwas abschüßig gelegen habe und über Nacht nach unten gerutscht bin. Die zweite Tür mit Apside fand ich in der Theorie nicht wirklich notwendig, aber auf Tour dann doch ziemlich praktisch. Dahinter liegend bietet die zweite Apside einen zusätzlich separierten Stauraum für mehr Ordnung unter dem Tarptent, wodurch ich am Morgen auch etwas schneller alles beisammen und verpackt hatte. Der einfache und vor allem schnelle Aufbau ist eine weitere Stärke des Mirage. Gerade wenn ich das Tarptent in der Dämmerung oder im Regen aufbauen mußte, habe ich die simple Aufbauweise sehr geschätzt und meistens stand das Mirage auch unter diesen Bedingungen in kurzer Zeit ohne große Verrenkungen.

Die Kehrseite des unkomplizierten Aufbaues ist das leichte Durchhängen des Mirage bei Feuchtigkeit. Nichts ungewöhnliches und eine der Eigenschaften des SilNylon, aber über die praktische Zelthaken-Carbongestänge-Verbindung läßt sich das Tarptent in diesen Bereichen auch nicht nach spannen. Einzig an den Apsiden, aber das ist auf Grund der zu durch rutschenden Kordeln auch nicht stufenlos und so nur durch das versetzen der Heringe möglich. Des weiteren kann die Kondenswasserbildung an den Innenwänden zum Teil sehr hoch sein, was auch immer etwas vom gewählten Untergrund abhängig ist. Auch wenn Big Sky das Mirage „nur“ für Gebiete mit geringer Luftfeuchtigkeit empfiehlt, kann man diese trotzdem nie komplett vermeiden und gerade durch die zwei großen Lüfter hätte ich mir etwas weniger Kondensation erhofft.

Über die Performance bei starkem Wind kann ich keine Aussage treffen, da es bei all meinen Übernachtungen bestenfalls böig war. Hierbei hat sich das Mirage immer etwas im Wind bewegt ohne mir Angst zu machen gleich einzuknicken. Die gekreuzten Gestängebögen tragen dazu mit Sicherheit ihren Teil bei. Bei absehbar windigen Tour-Bedingungen würde ich präventiv das Tarptent über die äußeren Schlaufen zusätzlich mit Dyneema-Schnüren abspannen. Eine Burg für vorwiegend windige Gegenden wird es aber deswegen nicht, was allein schon des luftigen Mesh-Innerts  und den leicht erhöhten Apsiden wegen klar sein sollte. In warmen Nächten wiederum empfand ich einen kleinern Luftstrom am Boden als sehr angenehm.

Der undichte (gewordene) Boden ist ganz klar auf meine unsachgemäße Verwendung zurück zu führen. Das man bei so einem ultraleichten Stöffchen eine Unterlage verwenden sollte, steht außer Frage. Ich wollte halt ausprobieren ob und wie wie lange das Material in meiner Verwendung ohne Bodenunterlage hält. Nun bin ich schlauer und werde diese zukünftig verwenden. Die partiellen Irritierungen im Boden sind mit ein paar Tropfen SilNet schnell repariert, womit der Boden wieder dicht ist und mit einer Unterlage wahrscheinlich auch lange bleibt. Mesh-Innert wie Außenzelt sind hingegen völlig frei von irgendwelchen Beschädigungen geblieben. 

Das Big Sky International Mirage ist eine schnell aufzubauende Bikepacking Behausung für drei Jahreszeiten mit viel Platz für eine Person und Gepäck, aber Einschränkungen in puncto Kondenswasserbildung. Ausstattung und Verarbeitung bewegen sich auf hohen Niveau. Durch das kleine Packmaß hat es immer ganz locker Platz in meinem Framebag gefunden und durch das geringe Gewicht fällt es am Bike quasi nicht auf. Den Preis für das Mirage finde ich fair, denn vergleichbare Tarptent-Hersteller rufen für so eine Ausstattung gerne mal größere Zahlen auf. Die mangelnde Kommunikation ist die Achillessehne von Big Sky und wirft leider ein dunklen Schatten über das Ganze.

Als ich 2010 das erste mal von Big Sky International hörte und darüber in Foren las, ging dies damals leider oft mit Beschwerden über exorbitant lange Lieferzeiten mit mangelnder Kommunikation unzufriedener Kunden einher. Seitdem sind sieben Jahre vergangen. Big Sky hat unterdessen sein Sortiment vergrößert, die Produktion nach Taiwan verlagert, die Qualität deutlich verbessert und die eigenen Produkte über eine Vertretung in UK dem europäischen Markt leichter zugänglich gemacht. Eine nennenswert positive Entwicklung.In den erwähnten Punkten definitiv, aber die Kommunikation mit dem Kunden scheint bei Big Sky immer noch in den Kinderschuhen zu stecken. Ich möchte das nicht verallgemeinern, aber in meinem Fall mußte ich leider diese Erfahrung machen. Egal wo ich auf unserem Planeten online einkaufe, zudem mein Geld noch vorab überweise, erwarte ich als Kunde ein Mindestmaß an Informationen zum Status meiner Bestellung. Das gehört für mich unabdingbar und nicht nur beim Kauf im WWW dazu! Die langen Lieferzeiten haben sich aus meiner Konfiguration heraus ergeben, was das kleinere Übel und mit zeitnahen Informationen zum Status und Verbleib meiner Ware absolut im Rahmen wäre. Hoffentlich war mein Fall nur eine „versehentliche“ Ausnahme und Big Sky hat die Kommunikation mit dem Kunden mittlerer Weile im Griff – wobei ich noch meine Bedenken habe – denn als Rufer in der Wüste fühlt man sich einfach beschissen!

Von | 2017-11-02T15:50:52+00:00 1 November 2017|0 Kommentare

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