Simplon LEXX – die Geschichte (m)eines jahrelangen Begleiters

 

Simplon LEXX - die Geschichte (m)eines jahrelangen Begleiters!

Warum genau dieses Bike? Es war Ende Juni 2005 und ich hatte mal wieder am Erfurter-Bike-Marathon teilgenommen (findet leider nicht mehr statt). Damals war ich noch mit meinem Scott Octane unterwegs, welches sich zugegeben Maßen auf Downhillstrecken wohler fühlte, wie auf Touren oder Marathon’s. Damals war es ein Freerider Light (nicht das Gewicht!), was heute wohl unter Enduro einzuordnen ist. Naja, mit über 15 Kilo brauchte man bergauf ordentlich Körner und die hecklastige Geometrie verlangte beim Uphill schon etwas Akrobatik Richtung Vorderrad. Dafür war das Octane damals bergab eine Macht und beim Downhill habe ich mir immer wieder die CC-Kollegen geholt 😀 

Nuja, leider war ich bei einem Drop etwas zu schnell, bin zu weit gesprungen und etwas ungünstig aufgekommen. Das Resultat war ein Sturz und viermaliger Bruch des linken Schlüsselbeines, welcher mir später im Krankenhaus diagnostiziert wurde. Natürlich wollte ich nach dem Sturz und kurzem rundum Check – im völligen Adrenalin Rausch – weiter fahren, aber leider waren die Schmerzen im Schulterbereich doch zu stark. Nun wurde es mir klar, daß es mit diesem Marathon Essig war, aber gleicher Maßen kam auch der Gedanke in mir auf, daß das Octane nicht das richtige Bike für solche Rennen ist – unglücklicher Sprung hin oder her. Somit stand ziemlich schnell für mich fest, daß ich mit der nachfolgenden Saison ein Marathon taugliches Tourenbike brauche. Natürlich sollte es ein Fully sein, schlicht im Design, ausreichend steif und stabil genug um auch Fahrfehler zu verzeihen – quasi ein Tourenbike mit Reserven bergauf wie bergab.

Nach diversen Fully’s mit verschiedenen Federungskonzepten, welche ich seit Mitte der neunziger probiert und teilweise über Jahre gefahren habe (Gary Fischer Level Betty/Antriebsschwinge, Cyclecraft CSP/Viergelenker, Scott Octane/Eingelenker), gefiel mir die klassische Diamant-Rahmenform immer noch am besten – funktionell und schlicht. Das Federungssystem sollte definitv ein Viergelenker sein, da ich von der Funktion und Sensibilität des Viergelenker’s (Horst Link) des Cyclecraft CSP im Up und-Downhill absolut begeistert war. Zu erwähnen ist noch, daß es nach meinen farbenfreudigen Bike’s aus den Neunzigern nun ganz in schwarz daher kommen sollte. Schlicht und unauffällig!

Tja, so viele Bike’s kamen 2006 gar nicht in Betracht. Eigentlich fiel meine Entscheidung, schon kurz nach dem Sturz beim Marathon, ziemlich schnell auf das Canyon Nerve, da das Preisleistungs-Verhältnis kaum zu toppen und die Komponenten mit dem klassischen Design absolut stimmig waren. Offensichtlich hatte ich mir der Bestellung zu viel Zeit gelassen und im Februar 2006 waren die Nerve-Modelle in meiner Rahmengröße schon komplett vergriffen. Verdammt! Wieder neu recherchieren? Umdenken? Was nun? Der Frühling konnte man schon zu riechen und ich brauchte ein Bike!!!

Natürlich bin ich bei der Recherche immer wieder über die (damals) relativ kleine österreichische Bikemarke Simplon gestolpert. Leider gab es das Simplon LEXX nur als Komplettbike, den Rahmen also nicht einzeln und das Preisniveau war wesentlich weiter ober angesiedelt, als das des Canyon’s. Darüber mußte ich dann doch einige Nächte schlafen. Naja, den Rahmen gab es also nicht einzeln und die verbauten Komponenten entsprachen so gar nicht meinen Vorstellungen. Was nun?

Da der Bikeshop meines Vertrauens – Radshop Lutzke – mir seit vielen Jahren fast immer all meine gewünschten Parts besorgen konnte, wendete ich mich natürlich erst mal dort hin mit meinem Wunsch: Ein Simplon LEXX, aber nur den Rahmen bitte!

Erstaunlich, wie unkompliziert die Ösis meinem Wunsch entgegen kamen. Der Radshop wurde kurzerhand zum Simplon-Händler und ausnahmsweise konnte das Rahmenkit einzeln geordert werden. Was wollte ich mehr – das Projekt Simplon LEXX full custom war geboren!

 

 

Die Komponenten hatte ich ja schon im Kopf. So ziemlich all diese Parts, welche über ihre Funktion sowie durch ihre Langlebigkeit bekannt waren, aber auch ein paar neue Teilchen vom Bikemarkt. Angefangen mit Whizz Wheels Laufräder, FOX Fahrwerk, SRAM/Shimano Schaltung, Syntace Cockpit, Magura FR Scheibenbremsen, Michelin ReifenFSA Stütze/Steuersatz sowie auch ein paar spezielle Parts ala SQlab-Pedale und natürlich diverse Tuning-Kleinteile.

Nachdem die bestellten Parts so langsam im Bikeshop eintrudelten, konnte ich das Bike dann endlich im späten Frühjahr 2006 fertig aufbauen. Somit war mein Simplon LEXX full custom 1.0 geboren! Nach einigen Probefahrten mit Finetuning der Komponenten hatte ich ziemlich schnell „erfahren“, daß meine Entscheidung für dieses Bike die richtige war. Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl auf dem Fully und die Funktion der fein ausgewählten Komponenten trugen dazu natürlich auch bei. Alles richtig gemacht und die Mehrkosten waren es wert!

 

 

Leider hatte sich ziemlich schnell ein nerviges Knarzen eingestellt, was mal gar nicht geht! Wer selbst ein Fully fährt und von solchen Geräuschen schon mal genervt wurde oder noch ist, kann sich sicher vorstellen, wie schwierig es ist den „Übeltäter“ bei der Menge an Gelenken und beweglichen Teilen eines Viergelenker’s zu lokalisieren. Irgendwie habe ich dann doch nach einem Jahr die Carbon-Wippe dafür ausmachen können. Nach einem direktem Anruf bei Simplon in Österreich, wurde ich gleich mit einem Werkstattmeister verbunden, welcher mir meine Vermutung bestätigte. Es lag an der Verklebung des Alueinsatzes im Carbon zur Aufnahme des Hauptlagers. Diese hatten Toleranzen, welche für zu viel Bewegung in der Carbon-Wippe sorgten und für das Knarzen verantwortlich waren.

 

Das Problem war also bekannt und ein zum Glück ein Garantiefall. Mir wurde sofort das Angebot unterbreitet, eine aktuelle 2007′ Wippe zugzuschicken, bei welcher das Passungen besser seien und das Knarzen somit behoben wäre. Ich bräuchte lediglich meine Knarz-Wippe zurück zu senden. Drei Tage später hielt ich die Wippe schon in meinen Händen, konnte sie tauschen und hatte nun ein 2006′ LEXX mit 2007′ Carbon-Wippe 😎 

Tja, und dann war ja noch der FOX RP3-Dämpfer. Leider glänzte er nicht mehr mit der anfangs sehr guten Gesamtperformance, sondern ein zunehmendes „Klacken“ im Dämpfer und mangelnde ProPedal Plattformdämpfung waren stets spür -und hörbar. Nachdem ich den Dämpfer über meinen ortsansässigen Lieblings-Bike-Händler zu Fox Factory (damals noch Toxoholics) – mit der Bitte um ein Kostenvorangebot – einschicken lies, kam es zu einem für mich völlig un zufriedenstellendem Ergebnis und ich wurde als Kunde einfach nur abgefertigt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Darauf gehe ich besser nicht weiter ein, da es unnötig meinen Puls hochtreiben würde und ich dafür wohl einen extra Artikel scheiben könnte. Kurzum, ich hab mich von Fox Factory total übergangen, erst recht nicht ernst genommen gefühlt und kann nur dringlichst davon abraten, dort Gabel oder Dämpfer warten zu lassen!!!

Zum Glück gibt es ja noch kleine Werkstätten, welche sich auf die Wartung und Reparatur von FOX Federelementen spezialisiert haben, saubere Arbeit abliefern und guter Kundenservice selbstverständlich sind. Nach der Suche nach einer Alternative und sehr positiven Erfahrung kann ich roscher3000 Fahrradtechnik Spezial in Dresden absolut empfehlen!

Ok, somit stand für mich auch fest, daß ich nach dem Hickhack keinen FOX-Dämpfer mehr fahren möchte. Schnell hatte ich mit dem DT SWISS 225 Dämpfer eine gute Alternative gefunden. Zwar hatte der Dämpfer keine ProPedal Plattformdämpfung, aber durch die gute und sensible Rebound-Einstellungsmöglichkeiten habe ich nichts vermißt. Somit war das Thema Dämpfer endlich abgehakt. Uff!

Danach folgten viiiele Touren, diverse Bike-Marathon’s quer durchs Land verteilt ohne weitere Auffälligkeiten. Die Auswahl der hochwertigen Komponenten und deren gute Qualität hatte sich absolut bezahlt gemacht. Meine regelmäßigen Reinigungen nach Schmodder-Touren und anschließender Pflege mit diversen Ölen und Spray’s für Federelemente (Brunox!) haben mit Sicherheit weiterhin zur tadellosen Funktion beigetragen.

Aber dann an irgendeinem Sonntagmorgen im Spätsommer; ich war zur üblichen Sonntagstour verabredet, hatte kurz vorher noch mal hatte das Bike im Keller gecheckt und als ready für die Tour befunden. Schon nach den ersten Metern fiel mir der sehr weiche Hinterbau und bei starkem Antritt die Verwindung des Hinterrades auf. Am ersten steileren Uphill ging es soweit, daß das Hinterrad an den Ausfallenden schliff, was mir wirklich nicht geheuer vor kam. Also abgestiegen und mal nach der Ursache geforscht…ich mußte gar nicht lange suchen und mir fiel sofort einen Riss oberhalb der Schweißnaht über dem rechten Ausfallende nahe des Horst Link auf.

 

        

Hmm, das war erst mal ein Schlag ins Gesicht! Offensichtlich muß der Riss schon am Ende der vorherigen Tour entstanden sein und ich hab’s nicht mit bekommen. Wahrscheinlich waren die Beine schon ziemlich schwer und das Popometer auch nicht mehr intakt… 

Naja was soll’s – die Sonntagstour war halt beendet bevor sie eigentlich begann. Ich verabschiedetet mich ein wenig bedrückt und rollte im „Schongang“ nach Hause. Och menno! 

Da ich die Direktdurchwahl zu Simplon’s Werkstatt noch von dem „Wippen-Problem“ hatte, wendete ich mich auch gleich dort hin. Recht schnell durchgekommen teilte man mir mit, daß dieses Problem ebenfalls bekannt sei, ein solcher Bruch bei starker Belastung und intensiver Benutzung durchaus vorkommen kann. Sofort wurde mir, wie knapp ein gutes Jahr zuvor beim Tausch der Carbon-Wippe, die sofortige Zusendung einer verbesserten und in diesem Bereich verstärkten, ovalisierten mit dickwandigeren Rohren an den Ausfallenden versehenen Ausfallenden-Einheit angeboten. Nach einigen Tagen erreichte mich dann wieder das Paket aus A. Das nenne ich mal klasse Kundenservice!  Da das benötigte Werkzeug für den Tausch der Ausfallenden schon in meiner Werkzeugkiste vorhanden war, ging es gleich in den Keller und nach einer guten Stunde war mein LEXX wirder voll einsatzbereit! YEAAAH!!! 

Über die Jahre der Nutzung habe ich natürlich immer wieder diverse Verschleißteile und/oder gleich durch Teile mit besserer Funktion ersetzt. Bis auf ein etwas Finetuning hier und da verrichtete das Ösi-Fully völlig unauffällig seinen Dienst. Wobei ich es auf dem Trail nicht geschont und richtig ran genommen hatte. Wurzeltrails, Kurvenhatz auf’m Singletrail, Sprünge mit „unglücklichen“ Landungen bei diversen Marathons und leider auch Stürzen. Touren in den Dolomiten und Alpen – selbst einen Alpencross hat das LEXX erstaunlicher Weise ohne murren weg gesteckt. Im Laufe der Nutzung fiel es mir gar nicht so bewußt auf, aber im nachhinein bin ich schon erstaunt wie unauffällig mein treuer Begleiter seinen Dienst bis dato verrichtet hat. 

Nach 6 Jahren intensiver Nutzung zeigten sich beim Bike-Urlaub in Südtirol dann doch diverse Verschleißerscheinungen. Die FOX Talas RLC fing an Öl zu verlieren, der DT SWISS 225 Dämpfer verhärtete sich allmählich, die Magura Louise FR hatte kaum noch Leistung und der Druckpunkt war kaum noch zu definieren. Der Antrieb war durch, die Reifen runter und ein paar andere Teilchen mit besser Funktion standen sowieso schon lange auf meiner Agenda. Mit dem Gedanken an die Kosten der Komplettsanierung bin ich das gute LEXX noch über die Saison 2013 gefahren, aber zum Ende des Jahres stand es fest – mein treuer Begleiter hat sich einen zweiten Frühling verdient 🙂 

Da ich die Neubestückung schon längst im Kopf hatte, ging es nun ans bestellen der Teile. Eine komplette Shimano XT-Gruppe stand schon fest, da ich von der Funktionalität und Laufleistung dieser Gruppe über die Jahre an meinen verschiedenen Bike’s völlig überzeugt war.

 

 Auch die Scheibenbremse sollte eine XT Disc Brake sein.

 

 

Ok, bei den Schaltern habe ich mir dann doch die XTR’s gegönnt, da ich die Option drei Gänge mit einmal hoch -und runter sowie mit Daumen und Zeigefinger schalten zu können (Multi -und 2-Way Release), doch ganz verlockend fand. Die FOX-Gabel wurde von, wie ober schon erwähnt, roscher3000 Fahrradtechnik Spezial innerhalb von zwei Tagen absolut fachmännisch überholt. Klare Empfehlung meinerseits!

Der Dämpfer sollte wieder von DT SWISS sein, da er sich ohne jede Auffälligkeit oder etwaigen Luftverlußt unauffällig verhielt und stets seinen Dienst verrichtete. So soll es sein! Da für eine Überholung des 225er  a.G. des Alters leider keine Ersatzteile mehr bei DT SWISS zur Verfügung standen, blieb nur noch der Kompletttausch des Dämpfer’s. Schnell hatte ich mich für den DT SWISS XM 180 entschieden, da er über adäquate Funktionen zum 225er verfügt und nebenbei auch noch etwas leichter ist.

Die Reifen wurden durch neue, bewährte Schwalbe NOBBI NIC 2.25 und die Griffe/Barend’s durch Ergon SGS3-S ersetzt. Sämtliche Industrielager des Hinterbau’s/Horst Link habe ich in dem Zuge auch gleich gegen neue getauscht.

 

Die Pedale und den Steuersatz habe ich auch komplett zerlegt, gesäubert, gefettet (Galli – The best!) und sauber laufend wieder zusammen gebaut. Hüllen und Züge kamen von Jagwire. Die Laufräder habe ich noch mal nachziehen lassen, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gab. Neue Industrielager gab es dann bei der Gelegenheit auch gleich…

 

…einfach, damit auch ALLES am LEXX auf dem neusten Stand ist. Schnellspanner Schimano XT, Sattel Titec Berserkr (gibt es leider so nicht mehr), Lenker und Vorbau (incl. Spacer) sowie LITTLE JOE von Syntace an der FSA Stütze. Das war’s schon:

 

Fertig war mein „neues“ Simplon LEXX!

 

            

            

        


        

        

Auf der folgenden Probefahrt wurde noch mal alles „on Trail“ eingestellt. Ich saß endlich wieder auf meinem geliebten LEXX mit einem völlig neuem, wesentlich agilerem Fahrgefühl. Gabel -und Dämpfer reagierten sensibler, die Schaltvorgänge waren knackiger und präziser, die Bremsen waren trotz enormen Leistungszuwachses nur noch mit einem Finger zu bedienen, die Griff-Barend’s-Kombi lag einfach nur angenehm und ergonomisch in der Hand. Die restlichen Komponenten verrichteten einfach unauffällig ihren Dienst und glänzten mit toller Funktion. Keine Nebengeräusche oder irgendwelche Einschränkungen – ich wollte einfach nur fahren!!!

Bisher kann ich über keine Auffälligkeiten berichten. Es fährt und fährt und fährt und fährt. So soll es sein!

Für mich sind 26 Zoll die perfekte Laufradgröße für ein Mountainbike. Leider wird das Simplon LEXX nicht mehr gebaut und viel mehr setzt Simplon (wie auch sämtliche andere Hersteller) auf unnötige und optisch furchtbar anzuschauende 29Zoll Laufradgrößen. Ich kann nur hoffen, daß dieser Hype von Übersee irgendwann wieder vergeht und sich die Hersteller besinnen – für mich steht jedenfalls fest –> Twenty NEIN !!!

Bleibt nur zu hoffen, daß mich mein gutes Simplon LEXX noch lange begleiten wird ohne Schaden zu nehmen. Falls ich doch aus diesem oder irgend einem anderen Grund ein neues Fully bräuchte, würde es definitiv wieder ein 26Zoll-Bike werden. Die Auswahl wird leider immer kleiner, aber zum Glück gibt es ja noch kleine Rahmenbau-Schmieden, welche auf Wunsch alles bauen was das Herz begehrt – auch 26Zoll  😎 In dem Fall würde ich mir dann gleich einen Rahmen aus CrMo gönnen, oder doch lieber aus Edelstahl, oder Titan sogar…naja, das wäre zu weit in die Zukunft geschaut und ein Blick in die Glaskugel, denn jetzt fährt mein LEXX erst mal und mehr zählt nicht. So!

Da ich nebenher gerne per Reiserad mit Packtaschen & Co unterwegs bin, ging das Thema Bikepacking natürlich auch nicht an mir vorbei. Meinem treuem Begleiter LEXX wurden die passenden Taschen verpaßt, wobei meine Wahl dabei auf die englische Firma Alpkit fiel.

 


Und plötzlich wurde der Hinterbau schon wieder weich. Ohje…

Ja, schon wieder! Aber alles der Reihe nach. Pfingstwochenende, bestes Bikerwetter,  LITEMOUNTAINGEAR und ich waren in Schauenburg verabredet um von dort startend ein Paar Tage im hessischen auf Bikepackingtour Richtung Edersee und Umgebung unterwegs zu sein. Der erste Tag verlief perfekt mit allem was das Bikerherz vermag. Am zweiten Tag bei der Abfahrt zum Erdersee bemerkte ich ein unschönes Schleifen der hinteren Bremse. Ich mag solche Geräusche nicht, gar nicht! Aber völlig im Flow, benebelt von vom Rausch der Geschwindigkeit und der vorbei fliegenden Höhenmeter, wollte ich mich später „unten“ darum kümmern. Mit großen Augen am Edersee angekommen, ging es noch fix über eine Straße und einen kurzen, aber knackigen Anstieg hoch. Also kleines Blatt drauf und treten….

…ohje, hier bemerkte ich nun, daß das Schleifen nicht unbegründet war, sich bei jedem Tritt in die Pedale das linke Ausfallende unnormal weich anfühlte und regelrecht nach außen „knickte“. Natürlich nur im Millimeterbereich, aber deutlich spürbar mit starkem Schleifen der Brems unterlegt. Also noch den Uphill hoch und nach dem Absteigen bewahrheiteten sich meine Befürchtungen 😯 

 

Diesmal war der Hinterbau auf der linken Seite über der Schweißnaht des Ausfallendes gebrochen. Quasi die gleiche Stelle, wo mir der Hinterbau schon einmal auf der gegenüberliegenden Antriebsseite gebrochen war. Damals war es – gerade auf der Antriebsseite mit den hohen Lastspitzen im Antritt – die zu geringe Wandung und fehlende Konifizierung der Rohre. Das Problem war Simplon auch bekannt und es wurde ein neuer Hinterbau entworfen, welchen ich damals als Garantie zum Austausch bekam (s.o.).

Offensichtlich sind die Hebelkräfte in dem Bereich – trotz „neuer“ Dimensionierung der Rohre – zu groß, wozu die Schweißnaht mit der Schwächung des Materials ihren Beitrag leistet, da die Sitzstrebe auch wieder unmittelbar darüber brach. Scheinbar sind auf dieser Seite die hohen Hebelkräfte der Scheibenbremse verantwortlich.

Aber wahrscheinlich ist das alles nur Makulatur und eventuell habe ich es diesmal mit einem Drop übertrieben, bin falsch und die Seite zu stark belastend gelandet oder ein Ast bzw. ein Stein ist mal dagegen geknallt oder auch nicht. Naja, ist ja auch egal. Das gute Simplon LEXX war erst mal defekt und die Tour leider zu Ende. Das ist aber eine andere Geschichte.

 

        

 

Natürlich drängte sich mir der Gedanke auf, ob man den Hinterbau noch als Ersatzteil für so ein NEUN Jahre altes Bike, welches schon lange nicht mehr gebaut wird (in 26 Zoll leider schon gar nicht mehr) bekommen kann, denn das gute Simplon wollte ich nicht einfach so aufgeben! Zumal ich im LEXX meinen Alpkit Custom Frame Bag nutze, welcher natürlich NUR in dieses Bike paßt. Och Mensch…

Wieder zu Hause angekommen habe ich mich sofort an die Strippe gehangen und nach mehreren Versuchen kam ich dann bei Simplon durch um mein Problemchen zu mitzuteilen. Nach mehrmaligem weiterleiten in die zuständige Abteilung bei denen konnte mir der zuständige Mitarbeiter die erhoffte Antwort auf meine Frage über die Verfügbarkeit des Hinterbau’s geben: „Der Hinterbau ist noch vorrätig, aber Sie müssen ihn über den Fachhändler bestellen…“

YEAHH! Das es wohl kein Garantiefall werden wird war mir schon klar, aber auch völlig egal. Das es den Hinterbau noch als Ersatzteil gab, hat mich umso mehr verwundert aber gleicher maßen gefreut.

Am nächsten Tag bin ich gleich am Morgen zum Händler des Vertrauens und habe den Hinterbau bestellt. Einen Tag darauf bekam ich einen Anruf mit der Bestätigung und den Preis genannt. Dieser ließ mich erst mal tief durchatmen, aber es war mir letztendlich egal, da mein LEXX so weiter leben konnte und das war das einzige was zählte!

Diesmal ging es nicht so schnell mit der Lieferung und ich mußte gute drei Wochen warten. Aber was sind schon drei Wochen, wenn ich hoffentlich wieder viele Jahre mit dem LEXX diverse Touren absolvieren können werde?

!!! GAR NICHTS !!!

 

        

Links neuer, Rechts alter (gebrochener) Hinterbau.
 
Der Einbau des neuen Hinterbau war in einer guten Stunde erledigt. Leider saßen zwei Lagerbolzen zu fest. Die Torx-Aufnahmen der Titan-Lagerbolzen haben nicht stand gehalten und ich mußte gröberes Werkzeug einsetzen. Da bin ich nicht zimperlich! Der alte Hinterbau ist eh durch und Ersatzbolzen hatte ich ja zum Glück noch vom letzten Tausch.

 

So, nun aber zum Resultat. Alle Bolzen und Lager mit Galli gefettet, gefühlvoll angezogen, die Bremsleitung ausreichend ver-Kabel-bindert und den Bremssattel wieder angeschraubt. Hinterrad rein und auf zur Probefahrt – alles wie immer und ich brauchte nicht einmal den Bremssattel nach justieren. Kein schleifen, nichts! Als ob nichts gewesen wäre. Eben nur mit nem neuem Hinterbau. Ich hab ein gutes Gefühl!

 

        

Alt vs. NEU!

 

        

Bei der Gelegenheit gab es auch noch mal eine komplette Durchsicht. Sämtliche Schrauben wurden nachgezogen, diverse Teile gefettet und geölt und nun auch endlich mal den leidig schleichenden Luftverlust im Hinterrad durch einen neuen Schlauch behoben. Mehr war nicht nötig.

Obwohl?! Naja nötig – es war ehr eine präventive Vorsichtsmaßnahme um ein wiederholtes brechen des Ausfallendes zu vermeiden.

Da mir leider bei Simplon niemand so richtig Auskunft darüber geben konnte, welcher maximale Scheibendurchmesser für das LEXX zulässig ist und auch im Netz d.b. nichts zu finden war, habe ich ich vorsorglich auf eine 160er Scheibe mit paßenden Adapter abgerüstet und gleich noch ein paar neue Bremsbelege spendiert.

 

Die Bremsleistung der XT-Discbrake in Kombination mit 180er Scheiben fand ich von Anfang an brachial für eine Einkolbenbremse – vorn wie hinten – zudem noch oder NUR mit einem Finger bedienbar. Am Hinterrad kam die 180er Scheibe somit nie an ihre Grenzen bei mir und ich gehe erst ziemlich spät, aber dann heftig, in die Eisen. Eigentlich schon fast zu viel Power für mich. Hinten zumindest. Genau diese Power, nach welcher ich zu Anfang der Disc-Generation an MTB’s in den Neunzigern oft gesucht und noch öfter im entscheidenden Moment vermißt habe. Dank vieler schlauer Köpfe und Bike-Enthusiasten hat sich das zum Glück geändert.

Daher sollte ist mir das Quäntchen „Verlußt“ an Bremsleistung mit der 180er Scheibe und nun etwas besserer Dosierung mittels 160er-Scheibe ehr entgegen (ge)kommen. Vor allem wird die Hebelwirkung auf die Sitzstrebe im Ausfallende so hoffentlich wirksamer minimiert. Zumindest gibt es mir ein gutes Gefühl, einen erneuten Bruch des Ausfallendes so weitestgehend zu vermeiden. Mein feines Simplon LEXX soll ja noch sehr sehr lange rollen und bremsen!


 

Tja und da steht es nun – mein „neues“ Simplon LEXX – Ready to Race oder besser Ready to Bikepacking 😎 

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Von | 2017-11-12T13:24:25+00:00 14 März 2015|0 Kommentare

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