Dracula, Skischanzen und Jütlands Brise – Tourenplanung für mein FAR PACKING 2018

#QUASIFARPACKING2018 Route mit Kilometerangaben

Wie ich darauf kam weiß ich gar nicht mehr so genau, aber vor einigen Jahren schwirrte mir der Gedanke im Kopf herum, mal eine Nacht nahe Schloß Bram in Siebenbürgen zu verbringen. Genau. Dort wo angeblich ein gewisser Herr Dracula sein Unwesen trieb. Als Kind von den Filmen durch gruselige Nächte und um den Schlaf gebracht will ich dort nun in unmittelbarer Nähe übernachten. Schon crazy, aber wir wissen ja, daß das nächtliche Treiben des Grafen nur eine Legende ist – oder nicht? 😉 

Nichts läge also näher als es selbst heraus zu finden und da Rumänien mit seinen Karpaten schon länger auf meiner Agenda stand, war das der eigentliche Impuls für diese Tour.

 

Tourenidee

Der Grundstein wäre also gelegt, aber wie man auf der Karte sehen kann verläuft die Route durch weitaus mehr Länder, was nicht ganz unbegründet ist. Dazu gibt es natürlich auch eine Geschichte.

Vor elf Jahren war ja die Sache mit meiner Finnlandtour. In Helsinki gestartet mußte ich in Rovaniemi wegen massiver Knieprobleme leider die Segel streichen. Von dort aus sollte die ursprüngliche Route im Osten des Landes entlang der Großschanzen über Kuusamo, Kuipio und Lathi zurück führen. Das waghalsige Skifliegen hatte mich als Dreikäsehoch jedes Jahr aufs neue begeistert und ich saß wie angetackert vor der Röhre. Oft hatte ich davon geträumt, einmal vor so einer riesigen Schanze zu stehen, was zu DDR Zeiten leider unmöglich war. Das ist lange her und es hat sich seitdem viel geändert, aber die Schanzen stehen noch, die Mauer nicht mehr. Grund genug, meinen Kindheitstraum mit dem zweitem Anlauf auf diesem Weg endlich nachzuholen. 

Genauso bin ich mit den Streichen der Olsenbande aufgewachsen, welche mich heute noch amüsieren und nichts von ihrem Charme verloren haben. Von allen Filmen unterhält mich die Suche nach einem Schatz in den alten Bunkeranlagen an der Nordseeküste von Jütland am meisten. Neben der eigentlichen Handlung ist mir bei den Außenaufnahmen immer wieder die Weite und Ruhe der Landschaft Jütlands aufgefallen. Auch dieser Ort war für mich damals nicht greifbar, aber der Wunsch dort mal zu stehen und mir den Wind um die Nase wehen zu lassen ist seither präsent.

Ziemlich banale Gründe als Planungsgrundlage für eine Tour, aber für mich schlagen diese Erinnerungen eine Brücke um meine kindlichen Träume nach langer Zeit zu realisieren.

Sämtliche verbindende Länder dienen nicht ausschließlich als Transit und interessieren mich gleicher Maßen. Tschechien, Slovakai und Ungarn waren einige der wenigen Reiseländer, welche man als DDR Bürger bereisen durfte, was ich damals auch einige Male tat. Diese sind ebenfalls mit Erinnerungen behaftet und ich bin immer wieder gern dort unterwegs. 

Von Rumänien geht es über die Ukraine und durch Polen ins Baltikum. Diese Länder waren für mich immer ein Fleck Europa, den ich nicht so recht zuordnen konnte und aus der damaligen UdSSR resultierend nur ein kleiner Teil vom riesigen Russland. Mit dem Zerfall der Sowjetunion durch die Perestroika erhielten diese Länder ihre Unabhängigkeit. Neugierig habe ich immer wieder diverse Berichterstattungen über das Baltikum aufgesogen und nun bietet sich endlich die Gelegenheit Litauen, Lettland und Estland selbst zu entdecken.

Mit der Fähre geht es dann von Tallin nach Helsinki. Von dort aus starte ich meine „Schanzentournee“ in umgekehrter Richtung durch Finnland. Die Weite des Landes hatte mich damals schon fasziniert und mit dem folgendem Verlauf der Route über Schweden und Norwegen sollte mein Bedarf an Weitläufigkeit sicher erst mal gedeckt sein. Im Süden noch mal durch Schweden um von Göteborg wieder mit der Fähre nach Frederikshavn auf Dänemark überzusetzen. Über meinen HotSpot in Jütland geht es dann westlich Richtung Deutschland zurück ins Thüringische. Das ist zumindest mein Plan.

 

Streckenverlauf

Die komplette Route habe ich mit Komoot geplant. Im Vergleich zu anderen Planungstools finde ich die Möglichkeiten umfangreich und das Arbeiten insgesamt sehr angenehm.

Basis waren unterschiedliche Routenvorschläge von Komoot, aus welchen ich den Streckenverlauf für jedes Land zusammengebaut habe. Bei der Länge einer solchen Tour, macht das Planen über Schleichwege und möglichst Asphalt freien Untergrund für mich keinen Sinn. Von leidigen Schiebe -und Tragepassagen halte ich hierzulande schon nicht viel und bei einer solchen Tourenlänge in mir unbekannte Länder würde meine Motivation durch solch vermeintliche Unwegbarkeiten schon arg leiden. Bei einem Alpencross mit dem Mountainbike für ein paar Tage ist das halbwegs akzeptabel, aber wenn ich bei längeren Touren auf dem Rad sitze, möchte ich fahren und nicht schieben oder tragen. Zudem ist das Ganze meist zeitaufwändiger und kostet zusätzlich Energie. Ganz ausschließen kann ich es natürlich nicht, aber in der Planung weitestgehend vermeiden.  

Trotzdem habe versucht ich die Route verkehrsarm über Nebenstraßen möglichst naturnah zu legen und auch mal Forstwege einzuplanen. Das was mir halt über die verschiedenen Kartenlayouts und Google Earth als fahrbar erschien. Große Städte habe ich versucht so zu umplanen wie es die vorhandenen Wege und Straßen zuließen, denn gerade in den Ländern mit geringer Bevölkerungsdichte gibt es in manchen Regionen teilweise nur eine Straße weit und breit, worüber sich dann jeglicher Verkehr konzentriert – da muß ich dann wohl auch durch 😕 

Nun stellt sich noch die Frage, wie lange ich unterwegs sein werde. Die gesamte Route hat 7903 Kilometer mit 39010 Höhenmetern ergeben. Ausgehend vom Mittel meiner Komfortzone mit 80 bis 100 km am Tag, ergeben sich rein rechnerisch 88 Tage. Grundsätzlich übernachte ich natürlich im Zelt, aber für eine heiße Dusche oder an Pausentagen werde ich ab und an auch mal den Luxus eines Campingplatzes, Warm Showers Host oder Hostels in Anspruch nehmen. Insgesamt werde ich somit wohl 3-4 Monate unterwegs sein…    

 

Und nicht zu vergessen 

Fahren werde ich mit meinem geliebten Salsa Vaya im Bikepacking Stil. Allerdings mit nahezu komplett neuer Konzeption des Bikes und Überarbeitung des Taschensystems. Die Umsetzung ist momentan im vollen Gange, wozu es nachfolgend wieder einen separaten Artikel geben wird. Genauso werde ich in einem weiterem Artikel nochmal genauer auf meine Packliste eingehen.

Und da es ja bei dieser Tour mal etwas weiter raus geht, nenne ich das Ganze FAR PACKING 😎 Paßender Weise werde ich dann unter dem Hashtag #QUASIFARPACKING2018 auf TWITTER und GOOGLE+ immer wieder mal von unterwegs berichten. Eine Zusammenfassung der Tour wird es hier im Blog geben wenn ich wieder zurück bin. Aber eins nach dem anderen, gelle. 

 

 

Unterm Strich

Bei all den Gründen welche mich zu dieser Tour amimierten, geht es mir im eigentlich darum mit dem Rad unterwegs zu sein um Land und Leute kennen zu lernen. Draußen mit dem Gefühl der Freiheit unterwegs zu sein, Nächte an schönen Orten verbringen und die Natur zu genießen. Genauso möchte ich für mich herausfinden ob ich überhaupt so lange unterwegs sein kann ohne den Spaß daran zu verlieren und wie ich insgesamt damit zurecht komme. Vor allem hoffe ich, daß meine Knie diesmal durchhalten.

Für Außenstehende stellen sich meist als erstes die Fragen, wie man eine Reise über einen solchen Zeitraum ermöglichen kann. Das ist eine sehr individuelle Sache. Ohne weiter darauf einzugehen, befinde ich mich derzeit in einer Lebenssituation, welche mir die Reise über diesen Zeitraum ermöglicht. Dabei muß ich trotzdem die Ausgaben klein halten, denn mein Budget ist auch nur begrenzt.

Anfang Mai geht es dann los und ich sehne der Abfahrt voller Freude und Neugier entgegen. Bis dahin sind aber noch einige organisatorische Dingen zu erledigen, das Vaya muß aufgebaut werden und die Ausrüstung ist auch noch nicht komplett. Aber alles im grünen Bereich und mit jeder Erledigung komme ich der Reise etwas näher :mrgreen: 

Von | 2018-02-17T11:33:51+00:00 1 Februar 2018|4 Kommentare

4 Kommentare

  1. pat42195 9. Februar 2018 um 12:52 Uhr - Antworten

    Hi Matthias,
    ich habe im letzten Jahr eine etwas kleinere Tour um die Ostsee gemacht: https://keeponmoving.plic.de/?post_series=baltic-sea-cycle-tour-2017
    In meinem Reiseblog findest Du vielleichen die eine oder andere Idee zur Feinabstimmung der Route. Ich wünsche Dir viel Spass, wenige Mücken und eine allzeit sichere Fahrt.

    • Matthias 9. Februar 2018 um 15:38 Uhr - Antworten

      Ahoj Patrick,

      meine Route steht zwar schon, aber hilfreiche Infos sind natürlich immer willkommen und bei einer Tour ist ja sowieso nichts in Stein gemeißelt – ich klick mich mal durch 🙂

      Ja die leidigen Mücken habe ich noch von meiner letzten Finnlandtour unangenehm in Erinnerung. Diesmal bin ich besser darauf vorbereitet, aber so richtig angenehm wird es mit den Plagegeistern trotzdem nicht werden. Mal sehen…

      Danke dir und ich wünsche dir natürlich das Gleiche für diene Iberia-Tour!

      Beste Grüße,
      Matthias

  2. Martin 1. Februar 2018 um 0:44 Uhr - Antworten

    Klingt nach nem guten Plan. Ichwünsche dir eine super Zeit und Tour und werde das gespannt online mitverfolgen 😊

    • Matthias 1. Februar 2018 um 9:24 Uhr - Antworten

      Danke Martin. Bin selbst gespannt auf all das, was ich unterwegs erleben werde, aber das macht ja eine Reise aus 🙂

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