Ein Gravelbike muß her! – Inspiration, Motivation und ein wenig Philosophie

 

 

Letztens, als ich die September Ausgabe der Tour in den Händen hielt…

Ööhmm, Moment mal kurz! Ein eingefleischter und überzeugter Mountainbiker wie ich, greift zu einer Rennrad-Zeitschrift? Was ist denn da los? Tja, die Frage habe ich mir in dem Moment auch gestellt, da ich mit schmaleren Reifen bisher so gar nichts am Hut hatte.
 
Rennrad? Das ist doch so ein windschnittiges, leichtgewichtiges, bretthart direktes Renngerät, welches kompromisslos und ausschließlich der maximalen Kraftübertagung auf die Straße dient, dem Fahrer dabei höchst aerodynamisch in die Drops des Rennlenkers ein gehangen und Komfort bereinigt gestreckt, kaum eine Radlänge mehr an Übersicht auf den Asphalt gewährt, denn es geht schließlich um den optimalen Vortrieb, welcher kein Raum für den Blick in die Landschaft zu läßt…
 

So, oder so ähnlich – natürlich immer mit einem Augenzwinkern – hatte ich meißt die Kollegen mit den schmalen Gummis interpretiert, aber gleichzeitig auch „bewundert“, in einer für mich als MTB’ler äußerst unbequemen Haltung stundenlang im Sattel verbringen zu können, währenddessen vom Untergrund auf dem Bock steifen Renner so richtig „verprügelt“ zu werden und dabei vermutlich auch noch Spaß zu haben.

Nunja, wenn diese Art der tretenden Fortbewegung und dessen Spirit nicht begründet wäre, gäbe es nicht so viele Anhänger der „flotten Sohle“ und zugegeben, mich reizte es über die Jahre schon des öfteren, auch mal locker und fluffig auf wenig frequentierten Nebenstraßen im Umland, 150km+ und mehr zu „bolzen“, ein RTF oder gar ein Brevet zu fahren. Aber gestreckt in Oberrohr liegender Parallele, mich auf einem Renner von der Straße „verprügeln“ lassen, wollte ich mich dafür nicht. Nöh! Daher kam für mich bisher für längere Strecken immer mein stählernes Reiserad in Frage. Sehr komfortabel, äußerst robust und unauffällig gutmütig. Leider ist es mit seinen gut 15kg auch etwas behäbig und zu „anständig“ für flotte Etappen auf der Straße. Die Möglichkeit dem tosenden Verkehr zu entfliehen um Ruhe auf abgelegen Wegen und einem abgelegenen Biwak zu finden, bot es mit trotzdem mit einer gewissen Geländegängigkeit auf unwegsameren Untergrund. 

Das wird wohl ein Rennrad mit den schmalen Pneu’s nicht lange mitmachen können und wenn der Untergrund zudem noch rutschig wird, hört der Spaß mit den Profil losen Reifen auf. Klar, ein Rennrad gehört auf die Straße – dafür ist es konzipiert. Mir ist das allerdings als MTBler und Reiseradler zu wenig flexibel, aber dafür gibt es glücklicher Weise die „Lösung zwischen den Stühlen“ ;- )

 

 

…und hier bin ich nun wieder an dem Punkt, warum ich die Tour in den Händen hielt. Kurz und knapp, ein Artikel zum Thema – GRAVELBIKE – war der Grund für mein Interesse in einer Rennradzeitschrift zu schmökern. Tour selbst nennt ihren Artikel „Der neue Rennrad-Trend für Umsteiger & Einsteiger“, welchen ich recht gut getroffen finde. Allerdings ist der „Trend“ nicht mehr so neu. In diversen Rad-Foren mittlerer weile geläufig, wie auch in Verbindung mit Bikepacking in Outdoor/Trekkingfachzeitschriften taucht das Thema Gravelbike immer öfter auf und selbst auf der diesjährigen Eurobike sehen die großen Hersteller Potential in dem „Alleskönner“ und bringen diverse Modelle an den Start.

Tja, aber was ist denn nun ein Gravelbike? Ein Schotterfahrrad – was soll das denn? Brauche ich denn ein spezielles Fahrrad um Schotterwege zu fahren? So ein Quatsch, daß kann ich doch auch mit fast jedem anderem Fahrradtyp machen, oder nicht?

Klar kann ich, aber kann ich mit dem Rad dann auch auf der Straße richtig Banane machen mit vergleichsweise komfortabler Sitzposition? Wohl ehr weniger. Und hier betritt das Gravelbike die Bühne. Besser paßt übrigens die Bezeichnung „Feldweg taugliches Rennrad“. Quasi die Verschmelzung von Renn -und Crossrad mit der Option Gepäckträger zu montieren, auch ein wenig Randonneur like. Die Geometrie meißt komfortabel und etwas kompakter ausgelegt. Das Sitzrohr kürzer, wie bei einem Rennrad in vergleichbarer Größe, um auf unbefestigten Wegen mehr Bewegungsfreiheit zu haben. D.b. dem Mountainbike sehr ähnlich. Lenk -und Sitzwinkel sind auch irgendwie dazwischen, laufruhig für „Strecke“ wie ein Renner, aber agil genug für die besagten Schotter -oder Forstwege, wie es ein Crosser vermag. „Zwischen den Stühlen“ halt, von allem etwas, aber trotzdem eigenständig.

Dem überzeugten Rennfahrer ist das Gravelbike wahrscheinlich nicht pur genug und dem überzeugten Crosser zu wenig Gelände tauglich. Es bedient eben eine Lücke für Biker, welche in beiden Bereichen „spielen“ wollen. Kein Dogma, aber das ist meine Interpretation eines Gravelbikes.

Das schöne daran ist die Tatsache, daß man an dem Gravelbike typischen Rahmen fast alle Komponenten vom 28″ Rennrad, wie auch Crosser verbauen kann. Ausnahmen gibt es, aber es muß dafür z. B. nicht versucht werden einen vermeintlich neuen „Standard“, wie 29″ oder 27″ im MTB-Bereich zu etablieren, wofür es groß teils von Grund auf Rahmen spezifische Teile braucht. Die Hersteller freut es natürlich, wenn der Hype affine Biker darauf anspringt und ordentlich Zaster in deren Kassen spült, aber das ist wieder ein anderes Thema ;- )

Unterm Strich ist für mich als Mountainbiker, mit dem Hang zu Touren auf schmalen Pfaden durch die Natur, sowie Reiseradler mit Ambitionen auf etwas mehr Speed über den Asphalt zu pfeffern, das Gravelbike der perfekte Kompromiss.

Das Thema Bikepacking ging auch nicht an mir vorbei und eröffnete durch das Verstauen leichter Ausrüstung in speziellen Rahmen/Lenker -und Satteltaschen am Bike, die Möglichkeit nun an abgelegene Locationen zu fahren und dort das Biwak aufzuschlagen um die Nacht mit weit schweifenden Ausblicken unter dem Sternenhimmel zu verbringen.

Selbstredend kann das auch ein Gravelbike leisten, mit der Option und im Vergleich mit dem Mountainbike, auch mal ordentlich Strecke mit Speed zu machen, wenn ich will. Wiederhole ich mich? Ich glaube schon, aber genau das ist es, was mir ein Gravelbike an Möglichkeiten in Ausblick stellt.

Alles nur graue Theorie? Da mir das Projekt Full Custom Gravelbike schon die vergangenen zwei Jahre im Kopf umher spukt und ich mich zunehmend mit dem Thema beschäftigt habe, fiel unlängst der Entschluß:

Ein Gravelbike muß her!

Nach langer Recherche in Frage kommender Rahmen, Anbauoptionen wie auch Abgleich der Geometrien, habe ich glücklicher Weise einen in 2015 nur mit Glück in D und so ab 2016 nicht mehr produzierten Rahmen im quasi Neuzustand in meiner Rahmengröße ergattern können.

YEAHHH! So, wie ich mir einen Rahmen für diesen Einsatzzweck wünsche und vorstelle. Natürlich ist der Rahmen aus Stahl, klaro :- )

Diese Einleitung ist quasi der Start einer kleinen Reihe über den Aufbau meines Full Custom Gravelbikes, den ich hier im Blog detailliert in mehreren Artikeln dokumentieren werde. Ich freue mich total auf das Projekt, da das Bike in jeder Hinsicht sehr speziell und absolut einzigartig wird!

 

 

Ride & Smile :- ]

Von | 2018-03-09T21:16:45+00:00 1 November 2015|0 Kommentare

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