Knog OI Bell im Test – schicke designte Fahrradklingel mit zweifelhafter Funktion

Knog OI Bell 31,8mm Version Schwarz

 

Anfang 2016 wurde ich auf das Kickstarter Projekt einer clever designten Fahrradklingel – „Oi“ The Bike Bell – aufmerksam. Zu Beginn des Startups hieß die Klingel noch so, bis sich der Fahrrad-Komponentenhersteller Knog die Rechte daran sicherte. Seit dem wird die Klingel unter deren Fittichen als Knog OI Bell geführt. 

Mich hat das smarte Design und die recht unauffällige Integration am Lenker sofort begeistert. Zudem läßt die Ringförmige Gestaltung sie nicht gleich als Fahrradklingel erkennen und hat so nichts mehr mit dem bekannt globigen Fahrrad-Glocken-Design gemein.
 
Da ich mich auch mit meinem Gravelbike auf Radwegen und urbanen Grund bewege, möchte ich aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf eine Fahrradklingel verzichten. Nicht nur um Fußgängern und anderen Radfahrern rechtzeitig mein Herannahen zu signalisieren, sondern auch meiner eigenen Sicherheit im Straßenverkehr dienlich um mich in brenzligen Situationen ausreichend bemerkbar machen zu können.
 
Grundsätzlich finde ich gerade in der Bikebranche solch innovative Produkten sehr interessant. Hier bin ich gerne bereit in ein Startup mit meinem Kauf zu investieren und das Projekt zu unterstützen. Gleichzeitig erwarte ich ein absolut funktionelles Produkt, bestenfalls eine bevorzugt frühere Lieferung und am Ende durch mein Investitions-Vertrauen in das Startup-Projekt auch einen etwas vergünstigten Preis wie später der Handel.
 
Nachdem ich mich in das Kickstarter Projekt eingelesen und das Video dazu geschaut hatte, schien die „OI“ Bike Bell diese Kriterien zu erfüllen und ich habe Anfang März 2016 gleich mal zwei Stück zum Preis von 54,00 $ AUD / 36,60 € bestellt. Im Preis inbegriffen waren dabei 5,00 $ AUD als Versandkostenpauschale. Letztendlich betrug der damalige Preis ohne Versand 24,50 $ AUD / 18,30 € für eine Klingel.

 

 

Knog Oi Bell   

Farbvarianten Quelle: Knog OI Bell

 

Die Klingel kann in vier verschiedenen Farben bestellt werden. Ich habe mich für Schwarz entschieden, da sie so an meinem schwarzen Bikecockpit am wenigsten auffällt und als Klingel auszumachen ist. Erhalten habe ich die Knog OI Bell mit Verspätung leider erst Ende Oktober 2016, als diese schon längst im Handel erhältlich war.

 

Knog OI Bike Bell Originalverpackung

 

Geliefert wurde(n) die Klingel(n) einfach, aber ausreichend gut in einem gepolstertem Umschlag verpackt. Die Klingel kann für zwei verschiedene Lenkerdurchmesser bestellt werden. Zum einen in der Ausführung für klassischen Lenker von 22,2mm in Größe Small. Zum anderen eine Variante für die immer noch verwendeten 25,4mm und mittlerer Weile gängigen Oversize-Durchmesser von 31,8mm in Größe Large. Da ich noch beide Lenkerdurchmesser an meinen Bikes nutze, habe ich mich für letzteren entschieden um b.B. flexibel zu sein.

 

Originalverpackung & Lieferumfang

 

Im Lieferumfang befinden sich die Klingel selbst, ein Distanzring aus Kunststoff für geringere Lenkerdurchmesser, ein Gummistreifen um diese auch nochmal ausgleichen zu können und ein selbstklebender Kunststoffstreifen mit rauer Oberfläche, welcher um den Lenker geklebt das verrutschen der Klingel verhindern soll. In dem Tütchen liegt ebenfalls noch ein kleiner Inbusschlüssel zum verschrauben der Klingel bei. Quasi alles vorhanden – wenn man so will – um die Klingel „out of the Box“ gleich vor dem Postamt zu montieren.

 

Dezent und gut zu erreichen am Bikecockpit

 

Montage

Einfache Montage am Lenker

 

Tja, zur Montage gibt es ansich nicht viel zu sagen. Der Grundkörper der Klingel besteht aus flexiblen Kunststoff, zumindest so flexibel, daß sich der untere Teil der „Schelle“ ohne Kraftaufwendung um meinen 31,8mm Oversize-Lenker legen läßt. Schraube ein drehen und handfest anziehen – fertig! Den Gummi -oder Antirutschstreifen habe ich nicht benötigt. Die Klingel sitzt so ausreichend fest am Lenker und bewegt sich keinen Millimeter. Das Gewicht beträgt 27g in der Large Version.

 

Smartes Design

 

Funktion

Klöppel spannen – Binng

 

Die Idee hinter der Knog OI Bell ist einen rund geformten Aluminium Streifen federnd gelagert als Klangkörper zu verwenden. Gelagert ist dieser auf zwei äußeren Federn und einem mittigen Gummipuffer. Beim fahren kann man bei genauerem hinsehen ein minimales vibrieren je nach Untergrund erkennen, aber die Klingel verhält sich dabei absolut unauffällig geräuschlos. Der „Klöppel“ ist ebenfalls federnd gelagert und besteht aus Kunststoff. An diesem befindet sich vorn eine kleine Nase, welche beim zurück ziehen auf den schwimmend gelagerten Aluminiumkörper trifft und ein helles Binng erzeugt. Um ein Verdrehen des Klöppel dabei zu verhindern, wird dieser von zwei Kunststoff-Laschen geführt.

Verdrehter Klöppel

 

Leider muß ich hier schon zur ersten Kritik kommen. Wenn man den Klöppel zu weit zurück zieht, kann er aus der führung rutschen und sich verdrehen. Das ist mir schon einige Male paßiert. Um ihn in die Ausgangsposition zu bringen war leider immer ein Überdehnen der Feder notwendig was der Haltbarkeit der Verbindung sicher auf Dauer nicht dienlich ist.

 

Funktion so nicht möglich

 

Nun mag sich der ein oder andere fragen, warum ich den Klöppel so weit zurück ziehe – geht das denn nicht auch gefühlvoller? Das Startup selbst vergleicht den Ton mit dem eines Musikinstrumentes, aber auch dieses muß oftmals etwas härter anschlagen werden, damit die Töne ausreichend zur Geltung kommen. Im Fahrradkeller scheint die Lautstärke der Klingel erst mal ganz ok, aber in der Stadt mit verschiedensten Umgebungsgeräuschen, auf der Straße und Radwegen außerhalb der Großstadt selbst durch bewaldetes Gebiet, schlucken Luftverwirbelungen beim fahren einen Teil der gerade noch im Keller für ausreichend empfundenen Lautstärke. Tja und hier liegt der Hase im Pfeffer begraben; wie oben schon angeführt ist dabei ein helles Binng zu hören, was durch den Fahrtwind teilweise geschluckt wird, als Warnsignal vor dem Vorderrad kaum war genommen wird und schlichtweg nicht ausreichend laut ist. Daher drücke oder biege ich den Klöppel aus Reflex schon möglichst weit nach unten um das Maximum an Lautstärke heraus zu holen. Dabei verdreht sich der Klöppel leider immer wieder. Mit dünnen Fleece-Handschuhen ist mir das noch öfter passiert. Sicher sind Winterhandschuhe schon etwas überdimensioniert für die Treffsicherheit bei so einem kleinen Klöppel an der Klingel, weswegen dieser dann auch nur mit Glück zu treffen ist und das Verdrehen fast schon obligatorisch war. Erwähnen wollte ich es trotzdem. Egal ob nun mit oder ohne Handschuhe, die Knog Oi Bell hat ein grundlegendes Problem – sie ist schlichtweg zu leise! Der sich häufig verdrehende Klöppel ist leider die Konsequenz daraus.

 

Präzision und Funktion im Widerspruch

 

 

Unterm Strich

Die Idee und das Design der Knog Oi Bell sind klasse! Grundsätzlich bewährte Komponenten zu überdenken und zeitgemäß zu designen finde ich je nach Bauteil angebracht und sinnvoll. Leider hat die Knog Oi Bell zu sehr in ihrer eigentlichen Funktion als Signalgerät unter dem Design zurück stecken müßen. Nicht nur einmal mußte ich sehr stark in die Bremsen gehen, weil ich mich immer wieder auf die Signalwirkung der Klingel im Straßenverkehr verlassen habe.

Leider kommen sich Radfahrer und Fußgänger oft in der Innenstadt immer wieder auf schmalen Straßen oder auf dem Fußweg aufgepinselten Fahrradspuren sehr nahe. Ebenso wird man gerne mal vom geneigten Autofahrer auf „seiner“ Straße zu sehr an den Bordstein gedrängt – ob nun bewußt oder unbewußt – über eine zuverlässig schnell zu bedienende und laute Klingel bin ich in solchen Situationen immer wieder sehr froh, wobei ich schon durch präventives vorab-klingeln schlimmeres verhindern konnte. Ok, sicher trage ich d.b. keinen Heiligenschein und gehe oder fahre schon gar nicht mit erhobenem Finger durch die Welt, aber auf ein in dem Fall sicherheitsrelevantes Bauteil möchte ich mich voll und ganz verlassen können. Eine Klingel muß ihre Grundfunktion anstandslos erfüllen, ohne wenn und aber – diese Anforderungen erfüllt die Knog OI Bell definitiv nicht!

Die mangelhafte Lautstärke und der sich verdrehende Klöppel ist auch vielen anderen Nutzern sauer aufgestoßen, was zu Hauf in den Rezensionen des großen Online-Warenhaus aber auch bei der „OI“ Bike Bell Kickstarter-Community zu lesen ist. Hier sind ebenfalls die Lieferverzögerungen ein Thema, was auch mich leider auch betraf. Letztendlich kamen meine damaligen Kosten von 18,30 € für eine Klingel dem momentanen Einzelhandelspreis schon sehr nahe. Ansich wäre das für mich mit der Bestellung bei ein Startup mit noch schwer zu kalkulierenden Preisen am Endverbrauchermarkt schon ok. Über die Lieferverzögerung könnte ich auch hinweg sehen, wenngleich die zweite Klingel ein Geburtstagsgeschenk an einen Freund sein sollte was leider durch die verspätete Lieferung in die Hose ging, aber wenn sich letztendlich die Funktion als mangelhaft herausstellt, mag ich nicht mehr tolerant sein und fühle mich schon ein wenig vorgeführt.

Das solche ansich innovativen Produkte in Lichtgeschwindigkeit geklont auf den Markt gebracht werden, kann ich nicht unbedingt für gut heißen und ändern schon gar nicht, aber ein Klon der Knog OI Bell scheint zumindest anhand der positiven Rezensionen beim großen Online-Warenhaus um einiges besser zu funktionieren und kostet nebenbei nur die Hälfte. Eigentlich schade, aber es zeigt doch das es auch besser geht.

Auch wenn mir das „OI“ Bike Bell Kickstarter Projekt mit der Idee dahinter eine neu und modern designte Fahrrad-Klingel zu realisieren und marktreif zu machen sehr gut gefallen haben, kann ich nach einigen Monaten der Nutzung und den aufgeführten Mängeln die Knog OI Bike Bell leider nicht empfehlen!

Ich hoffe, das junge Startup nimmt sich der weltweiten Kritik an und bringt eine überarbeitete Version auf den Markt. Wenn damit die Funktion in ausreichendem Maße gegeben sein sollte, ändere ich gerne meine Meinung, denn wie schon mehrmals erwähnt gefällt mir die Idee sehr gut.

Von | 2017-11-06T12:30:00+00:00 31 Januar 2017|0 Kommentare

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