Mountainbiking im Erzgebirge – auf den Spuren des Drei-Talsperren-Marathon

Es ist schon wieder zehn Jahre her, daß ich am Drei-Talsperren-Marathon inmitten des Erzgebirge teilgenommen habe. Natürlich war damals mein Freund Frank mit am Start. Zu der Zeit haben wir ziemlich regelmäßig an diversen Marathonveranstaltungen teil genommen, laufend oder fahrend. Der Drei-Talsperren-Marathon hat es ordentlich in sich, bietet Höhenmeter und Landschaft satt. Leider bleibt bei einem Marathon-Race kaum Zeit die schöne Landschaft wirklich zu genießen, was ich unbedingt nach holen wollte. Zugegeben, die Umsetzung hat dann doch etwas länger auf sich warten laßen. Ende September diesen Jahres ist es über mich gekommen und mit dem spät herbstlichem Wetter habe ich kurzum die Entscheidung getroffen, daß nun spontan nachzuholen. Punkt.
 
Als Basis habe ich mir ein Campingplatz zwischen dem Talsperren tangierenden Marathon ausgesucht. Also fix das Auto mit diversen Campingkram voll gestopft, selbstredend mein treues Simplon LEXX natürlich mit rein und ab ging es ins Erzgebirge! 

 

Drei-Talsperren-Marathon im Erzgebirge

Der Drei-Talsperren-Marathon kann als Radmarathon oder Laufmarathon mit verschiedenen Distanzen absolviert werden. Wir hatten uns damals für die mittlere Raddistanz mit 50km entschieden und schön entspannt ganz hinten angestellt, damit es auch was zum „verheizen“ gab – damals 😎

Naja, wie schon erwähnt wollte ich dort nochmal hin um die Gegend etwas entspannter zu genießen. Zehn Jahre später, gleiches Rad und fast gleicher Ort. Zumindest in der Nähe auf dem Campingplatz Lindenau habe ich für ein paar Tage mein Lager aufgeschlagen und einige Touren von dort aus gestartet. Bei einer der Touren bin ich die Marathonstrecke teilweise befahren oder habe sie tangiert, was mich an manchen Stellen gedanklich wieder in meine (unsere) Marathonzeit zurück versetzt hat – jetzt halt wesentlich entspannter…

 

Auf den Spuren des Drei-Talsperren-Marathon

Nach einem ausgiebig entspannten Frühstück ging es gegen elf direkt vom Zeltplatz los. Für die Route hatte ich mir von GPSies ein paar in Frage kommende Tracks um die Talsperren aufs Smartphone geladen, welche aber lediglich zur groben Orientierung dienen sollten. Der Rest ergibt sich immer irgendwie und so bin ich zwar bei diesigem Grau, aber mit bester Laune Richtung Eibenstock gestartet.

Grundsätzlich geht es hier im Erzgebirge hoch oder runter. Wahlweise recht steil hoch und ebenso steil wieder Kamm abwärts. Ganz nach gusto oder eben einfach dem Weg folgend, aber gerne auch mal in Kombination.

Auf den teilweise schnurstrachsen Schotterpisten hätte sich mein Salsa Vaya auch richtig wohl gefühlt, aber nun durfte sich mein Simplon mal richtig graveliges Futter einverleiben. Den schwarzen Hirsch hatte ich dieses Jahr in meinem Salsa-Gravel-Fieber sowieso schon viel zu sehr vernachläßigt und bzgl. Mountaibiking gab es hier im Blog auch noch nichts zum lesen. Zeit wurde es!

Tja und wo es hoch geht, geht es wieder runter. So richtig lange Paßpassagen auf einer Höhe sind hier selten. Joa, so isses aber im Erzgebirge und das ist auch gut so!

Nach gerade mal einer guten Stunde und schon ordentlich Höhenmetern hatte ich den Einstieg in die Marathonstrecke gefunden. Zwar die der 100km Distanz, aber immerhin.

Und zack: Déjà-vu! Als wäre es gerade erst gestern gewesen und der Adrenalin geschwängerte Marathon-Block hat sich eben hier durchgearbeitet. Kurz hatte ich das Gefühl, gerade noch zu spüren, wie sich der Stollen aufgewirbelte Staub auf die Schleimhäute beim atmen legt…

Schon verrückt, was das Erinnerungsvermögen so anstellen kann, wenn es bildhaft aktiviert wird. Naja, eigentlich war es absolut still hier und außer mir keine Menschenseele in unmittelbarer Nähe auszumachen. Insgesamt waren selbst in den kleinen Ortschaften auf der Strecke bis hier nur ein paar Leutchen zu sehen. Ich hatte die Trails quasi fast für mich alleine, was mir durchaus entgegen kam.

Die Sonne hatte sich unterdessen immer wieder mal ein freies Plätzchen am Himmel gesucht und quasi zu einer kleinen Pause eingeladen. Da lasse ich mich doch nicht zwei mal bitten wenn zudem noch Tisch und Bank direkt am Weg im Angebot sind. Es war ja schließlich schon nach eins und die lecker geschmierten Brötchen wollte ich auch nicht unbeachtet im Rucksack durchs Gebirge kurbeln.

Nachdem das Brötchengewicht vom Rucksack in den Magen verlagert wurde, ging es gut gestärkt mit lecker Knoppers im Abgang weiter. Immer schön gravelig hoch und runter an der Eibenstock-Talsperre entlang. Oft bin ich einfach nur stehen geblieben und habe die frische Luft, Weitblicke übers Wasser und die absolute Stille genossen. Herrlich!

Mit dem überqueren des Vorsperre und dem südlichen Talsperren Ausläufer habe ich die Eibenstock-Talsperre hinter mir gelassen.  Hier ging es erst mal von der Marathonstrecke runter um nun direkt nach Eibenstock und weiter Richtung Talsperre Sosa zu fahren.

Der Verlauf über die 100km Distanz ginge noch weiter südlich direkt zur Carlsfeld Talsperre, aber ich wollte es heute ganz entspannt angehen lassen und mich grob an der 50km Runde orientieren. So langsam nach Osten Richtung Sosa abbiegen ist hier nicht einfach möglich und auf fluffigen Trails schon gar nicht. Zumindest habe ich on trail und der Locusmap auf dem Smartphone keine Möglichkeit dafür gefunden. Also mußte ich auch mal en Stück auf stärker frequentierter Straße treten.

Kurz vor Eibenstock wurde es ruhiger und ortsauswärts hatte ich den Forstweg wieder alleine für mich. Nach einigen Kilometern zerfahrener Forstpiste war die wahrscheinlich gerade erst fertig gestellte Überbauung und Einfassung des Rähmerbaches ein netter Kontrast. Von nun an sollte es erst mal ordentlich bergauf gehen. Logo. Ganz in Erzgebirgs Manier :mrgreen:

Uff! Nur ein paar Kilometer, aber die hatten es in sich. Klein-Groß! Nein, das hat in dem Fall nichts mit der Entsorgung von Stoffwechselendprodukten zu tun, sondern mit der Übersetzung am Bike, womit jeder MTBler etwas anfangen können sollte…

Oben angekommen wurde ich natürlich mit herrlichem Ausblick belohnt und die Sonne gab auch mal wieder ihr Stelldichein. Stehen bleiben, die Lungen mit frischer Luft spülen, genießen – das war ja auch irgendwie das Motto des Tages.

Nachdem ich wieder ein kurzes Stück auf der Straße überbrücken mußte um zur Talsperre Sosa zu kommen, habe ich einfach mal den nächsten Abzweig ins Unterholz genommen und bin auf einen alten Flößergraben gestoßen. Etwas verdächtig unbenutzt, aber eine schöne Alternative zur Straße Richtung Wildenthal. Ich bin ja schließlich mit dem Mountainbike unterwegs. Also her mit den Trails!

Joah, denkst’de! Nach nicht mal einem Kilometer war der Weg durch eine fette umgefallene Eiche beendet. Hier blieb mir nur noch der Weg zurück, aber da das für mich immer wie ein Schlag ins Gesicht ist, habe ich den direkten Weg zur Straße vorgezogen. Was aber bedeutete, mich einen Hang Richtung Straße mit locker 25%, das Bike in Alpencross Manier schulternd, auf (fast) allen Vieren hochzuwühlen. Uff! Nochmals Uff!! Bis Wildenthal war es nicht mehr weit und ich brauchte talwärts zur Abwechslung einfach nur die Beine baumeln zu lassen. Flux durch den Ort durch und nun war es bis zur Sosa Talsperre nicht mehr weit.

Aber erst mal hieß es wieder Höhenmeter machen. Mit den letzten Asphaltausläufern ging es dann wieder in den Wald.

Nach einigen Kilometern aufwärts bin ich dann wieder auf die Marathonroute gestoßen und die Talsperre war quasi in greifbarer Nähe.

Gravelground gab es hier auch wieder, aber mit dem Mountainbike war das nur eine begleitende Feststellung. Mit dem Graveller unterwegs, wäre das selbstverständlich ein Grund sofort in die Hörner zu greifen und ordentlich Körner zu geben. Aber schön zu wissen. Stattdessen habe ich mir Zeit genommen um die Zuflüsse zu Talsperre zu selektieren, welche immer zahlreicher den Weg kreuzten und deutlich die Talsperre Sosa ankündigten.

Vor lauter Träumerei war ich an dem zuvor fokussierten Abzweig vorbei gefahren und habe dadurch den etwas kürzerem Weg liegen lassen. Nun stand ich unmittelbar an der Staumauer, welche gerade saniert wurde und der Durchgang wahrscheinlich verboten war, nahm ich an. Hier war zwar ein Bauzaun und Baufahrzeugen dahinter, aber der Zaun war offen und der Weg einfach zugänglich. Eine weitere Alternative wäre nur eine steile Weiterfahrt ins Tal um auf der anderen Seite wieder Klein-Groß hoch zu kurbeln. Nene. Was nicht verboten ist, ist quasi erlaubt oder so 😈

Das ich kein Freund von unnötigen „Rückzügen“, wie am Flößergraben zuvor schon bin, habe ich den direkten Weg gewählt und bin einfach auf die Staumauer gerollt. Dabei habe ich mir eingangs höflicher Weise eine Genehmigung der Bauarbeiter für meine Überquerung eingeholt. Ok, es war wohl er die Mitteilung meinerseits, daß ich jetzt schiebend die Staumauer überqueren werde und das wohl in Ordnung gehen sollte…so richtig glücklich waren die Jungs mit meiner Festlegung nicht wirklich, was sie dann auch mit beifälligen Gemurmle anmerkten. Vielleicht ein bisschen forsch von mir, aber keine Arme – kein Kekse, gelle.

Die Talsperre hinter mir ging es natürlich erst mal wieder ein gutes Stück aufwärts um kurz nach Sosa auf eine Vorzeige-Gravel-Piste zu stoßen. Das herrliche Grün der ausladenden Wiesen waren Balsam für meine Augen. Zeit, um einfach mal einen Moment hier zu verweilen und das mit allen Sinnen auf mich wirken zu lassen. Bilderbuch-Herbst.

Gegen halb fünf hatte ich wieder ordentlich Fahrt drauf. Ein paar Serpentinen reihten sich aneinander und ich konnte auf dem graveligen Forstweg ein wenig mit dem kontrolliertem Ausbrechen der Reifen spielen. Nebenbei habe ich hier auf wenigen Metern die Kleine und Große Bockau talwärts überquert. Läuft!

Ja und schon war ich wieder auf Kurs. Direkt zum Blauenthaler Wasserfall und weiter auf den Spuren des Drei-Talsperren-Marathon. Der Wasserfall war mir noch ziemlich gut in Erinnerung, da es bei der 50km Distanz hier langsam dem Ende, aber noch mal richtig steil zugange ging. Hier hatte ich damals schon die letzten Kräfte aktivieren und gegen den inneren Schweinehund kämpfen müssen. Höhenmeter gibts auch hier mal wieder nicht geschenkt – wildes Erzgebirge eben.

Aber diesmal war ich ja in ganz anderer Mission unterwegs und konnte das alles angenehm auf mich wirken lassen. Die Schatten wurden langsam länger und die sinkende Sonne kündigte ihren Feierabend an.

Hier und da gabs nochmal ein paar Singletrails und flottes Trail surfen war angesagt. Immer gerne. Nachdem ich Blauenthal durchquert hatte, war ich  langsam wieder auf Höhe der Talsperre Eibenstock und kurz darauf in Neidhardtsthal, wo der Drei-Talsperren-Marathon startet. Mission erfüllt 😎 

Aber trotzdem standen noch gut 10km bis zum Campingplatz auf der Uhr. Die wollen hier wohl verdient werden und selbstverständlich ging es erst mal wieder den Berg hoch. Schnurstracks fast wie in Finnland, nur wesentlich steiler 😉

Die Marathonstrecke hatte ich nun schon länger hinter mir gelassen um zur Abwechslung ein paar Kilometer auf einem Europäischen Fernwanderweg zu fahren. Auf diesem Abschnitt war der Weg auch gleichzeitig Reit -und Fahrradweg. Ziemlich unspektakulär, aber es ging ja auch dem Ende der Tour entgegen, was das knurren meines Magen noch zusätzlich unterstrich. Nu aber!

Für die spät herbstliche Stimmung habe ich noch einen kurzen Abstecher zum Filzteich oberhalb von Schneeberg gemacht. Richtig schön da. Mit der untergehenden Sonne und Ruhe ein wirklich schöner Ort und kaum zu glauben, daß es dort in der Sommersaison total Menschen überflutet ist. Nuja, war mir egal, denn hier bin ich wieder mal fast alleine gewesen und konnte die Stimmung entspannt auf mich wirken lassen.

Selbst nach dem letztem Aufstieg habe ich es mir  nicht nehmen lassen, nochmal die Genußfühler auszustrecken bevor sich die Sonne gänzlich von dem Tag verabschiedet und solche Momente mit dem nahenden Winter immer rarer werden.

Mit dem Einbruch der Dunkelheit bin ich quasi auf der letzten Rille auf den Campingplatz gerollt. Punktlandung!

 

Die Route

 

Unterm Strich

Meine Tour zwischen den Talsperren hatte ihren eigenen Charme. Bei der Planung waren die Tracks nur ein grober Anhaltspunkt und ich habe oft bei der Wahl der Route zwischen Himmelsrichtung und möglichst ruhigen Wegen entschieden, aber immer auf den Spuren des Drei-Talsperren-Marathon.

Trotz gerade mal 57 Kilometern hat mich die Topografie ganz gut gefordert und die 1100 Höhenmeter durch das stetige auf und ab ihr übriges getan. Einfach etwas länger auf einem Kamm entspannt zu kurbeln, war die Ausnahme. Auch direkt an den Talsperren entlang verliefen die Wege nur selten auf einer Höhe. Meist ging es ordentlich hoch und genauso wieder runter. Nicht unbedingt sehr lang, aber oft sehr knackig. Für die Aussicht in die Weite des Erzgebirge hat sich aber jeder Höhenmeter gelohnt. Letztendlich geht es ja um eine gute Zeit auf dem Bike und ohne knackige Uphills wäre es doch total langweilig 🙂 

Die kleine Reise in meine Marathon-Vergangenheit hat mich immer wieder Teilabschnitte des Drei-Talsperren-Marathon befahren und tangieren lassen, welche groß teils auf Forstwegen verliefen. Fix hatte ich wieder so manche Situation von damals vor Augen, aber diesmal die Zeit um die Landschaft in Ruhe zu genießen. Gesagt, getan!

Im Erzgebirge kann man es als Mountainbiker richtig krachen lassen oder ganz gechillt touren, wie ich eben. Die zahlreichen Campingplätze bieten je nach Gusto eine günstige und Natur nahe Basis für Tagestouren. Mit etwas akribischerer Planung einer Tour tun sich mit Sicherheit noch jede Menge mehr an fluffigen Trails auf. Das Mittelgebirge nahe der tschechischen Grenze ist daher immer wieder eine Reise wert!

Von | 2017-12-05T10:35:30+00:00 15 November 2016|0 Kommentare

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