Rennsteig über Ostern – Bikepacking zu dritt durch den Nebeltunnel

Rennsteig. Kennt jeder. Kann man laufen oder mit den Rad fahren. Wir haben uns natürlich fürs Bikepacking-Gefährt entschieden. Logo. Aber wer sind wir? Carsten (Litemountaingear), Christian (Dentronaut) und meiner einer Matthias (Quasi Nitro). Wir hatten Ende des letzten Jahres beschloßen, mal gemeinsam bikepacken zu gehen. Aber wie kam es zu unserer Konstellation? Als ich letztes Jahr zu Pfingsten mit Carsten auf der Edersee Bikepacking Tour unterwegs war, mußten wir leider unsere Tour abbrechen. Die Kettenstrebe war unverhofft an meinem Simplon LEXX gebrochen. Gleicher maßen stand fest, daß wir irgendwann die Tour mit repariertem Bike fortsetzen werden, auch gern an anderer Stelle. Locker und fluffig hatte Carsten einfach mal den Rennsteig in die Runde geworfen und schon hatten wir einen Plan. Easy. 

Christian ist war der Mann hinter dENTRONAUT OUTDOOR-HÄNGEMATTEN. Ihn hatte ich über die Bestellung meine KOMA Hängematte und bei einem folgenden Forentreffen näher kennen gelernt. Dabei hat sich ziemlich schnell unsere gemeinsame Vorliebe fürs Bikepacking herausgestellt. Genauso schnell stand fest, daß wir unbedingt mal eine gemeinsame Tour machen sollten und wollen.

Gesagt, getan. Mit Carsten war die Tour schon besiegelt und Christian nun auch mit im Boot. Ein Termin wurde ebenfalls schnell gefunden und somit stand Ostern 2016 als Termin für unsere gemeinsame Bikepacking-Rennsteig-Tour fest. Los gehts…

 

 

Tag 1 – Auf zum Inselnsberg

Jede Menge Schlamm und Höhenmeter

Es war frisch. So ca. 3°C und windig. Die Luft feucht. Es sah nicht wirklich nach Frühling aus. Egal! Wir waren gut gelaunt und voller Vorfreude auf unsere Tour. Christian hatte ich schon in Eisenach getroffen und wir sind das letzte Stück gemeinsam mit dem Zug nach Hörschel gefahren. Carsten wartete bereits aufgeregt auf uns am Parkplatz beim Rennsteigbeginn – und schon waren ALLE drrei szuszammen 😛 

 

    

 

    

Freuen. Bekannt machen. Packen. Auto abschließen. Ready to Bikepacking! Es nieselt…

Hier gehts los. Obligatorisch. Es ist kurz vor elf. Heutiges Ziel: Inselsberg. Besser ein Stück weiter. Nu aber los!

 

    

 

Genau. Da lang.

 

    

 

Es ging gleich ordentlich hoch. Verdammt, das Innenlager an Christians Fatty hat Spiel. Ordentlich. Ist nicht sein Bike; halt kurzfristig geborgt. Doof! Macht Geräusche und hat noch ein paar Kilometer vor sich. Also ist schieben bei heftigen Anstiegen angesagt!

Geht auch so. Carsten macht mit. Gemeinsam schieben ist unterhaltsamer 😉

 

Die Stimmung ist trotzdem gut. Es hat aufgehört zu nieseln.

 

        

 

Es wird schlammig. Forstfahrzeuge sind nicht ganz unbeteiligt. Anbei Zitat Carsten vorab:“Hoffentlich wir es richtig schlammig…“

So sollte es sein. Jede Menge Schlamm! Carsten wollte es so.

 

        

 

Erst mal genug im Schlamm geackert. Pause ist angesagt. Mampfen, Geartalk, gute Laune.

 

            

 

Mal die Bikes genauer unter die Lupe genommen. Das Trek Farley von Carsten, ein Le Canard Einzelstück von Christian und mein Simplon LEXX auf „schmalen“ Schlappen…

Fertig machen! Weiter gehts. Es nieselt wieder. Grrrr.

 

    

 

So. Uphill. Schieben. Geht halt nicht anders und trägt zur Kommunikation bei.

 

    

 

Jetzt aber. Es läuft trotz Regen.

 

        

 

Schon wieder Pause? Nee, am Zollstock nur schnell pinkeln und was knabbern. Geht ja immer.

 

    

Hmm, wo gehts lang?

 

    

        

 

Rennsteig. Klaro. Erst mal noch nen Stück auf dem Forstweg…

 

    

 

…und dann auf die Straße. Ist halt so. Wenig Verkehr. Stört also nicht. Rollt auch besser als im Schlamm.

 

    

 

Und zack, wieder im Wald. Die Gaststätte am Dreiherrenstein kam uns gelegen. Schlammwege umgraben macht hungrig. War schon gegen Vier und wir gut durch gefroren. Doofes Wetter!

Nen Kaff kann nicht schaden. Der Inselsberg steht schließlich bevor. Uff. Also rein, aufgewärmt, Kaff mit Kuchen und Weißbier im Abgang konsumiert. Schön! Konversation mit Eingeborenen betrieben. Nur die Hälfte verstanden. Selbst ich als Thüringer. Unterhaltsam. Weiter gehts…

 

    

 

Der Rucksack ist nicht zu schwer. Neinneinnein. Erster Anstieg geschafft. Die Wolken sind etwas aufgerissen. Endlich mal nen Weitblick ins Land. Fotos machen.

 

    

War nicht ohne. Steil, schlammig, feucht und kalt. Wir wollten es so. Wir? Hmm…also weiter.

 

        

 

Es wurde noch steiler. Oh Wunder. Grip muß man suchen. Mal wieder schieben angesagt. Nichts neues im Osten :mrgreen: 

Noch ein kleines Stück. Schnee kündigt sich an. Nicht mein Ding. Ist halt so. Das auch noch.

 

    

 

Noch mehr Schnee. Teilweise vereist und verdammt glatt. Fahren nicht immer möglich. Wir sind gleich oben.

Geschafft. Knackiger Anstieg. Hier oben pfeift es ordentlich. Temperaturen um den Gefrierpunkt on top. Voraussichtlich zweit höchster Punkt unserer Tour mit ca. 920Hm bezwungen!

 

    

 

Es rollt wieder. Na so halbwegs. Zufriedenheit und Glückseligkeit, aber auch gut geschafft.

Kurze Lagebesprechung. Es ist schon nach fünf. Nicht mehr viel Zeit bis zum Einbruch der Dämmerung.

 

Es ist nicht windig. Es ist stürmig! Daher Entscheidung schnell getroffen. Wasser in der Inselsberg-Gaststätte auffüllen und runter vom Berg. Es dämmert bald. Also Lagerplatz suchen.

 

Die Abfahrt ist noch frischer. Trotzdem entspannend. Der Schnee ist erst mal Geschichte. Danke.

 

Lagerplatz schneller gefunden wie gedacht. Ein paar Kilometer unterhalb des Inselsberges. Einfach an einem Seitenarm des Rennsteiges abgebogen und fertig. Die Dämmerung machte die Entscheidung leicht. Ein wenig abschüßig gelegen. Es ist windig und es beginnt wieder zu nieseln.

 

 

Dentronaut superdupi quick vorzeige Setup 😎 

 

  

 

Ganz anders bei mir. Hängematte aufhängen und Tarp abspannen dauert…

 

Carsten war mit seinem GoLite Tarptent in Bruchteilen fertig. 
Villarriba –> Villabajo 😉

 

    

Ordnung muß sein! Bäume sind praktisch.

Es sind 3°C. Mal wieder. Ne Dusche mittels Trinkrucksack ist trotzdem drin. Brrrr.

Es dämmert und Hunger macht sich breit. Jetzt aber: Essen!

Geselligkeit mit Tagesauswertung. Pläne für den nächsten Tag. Geartalk bei warmer Mahlzeit. Ein anstrengender Tag über 42 Kilometer. Kalt, feucht und schlammig. Trotzdem ein wunderbarer Abschluß. Wir sind müde. Es ist sehr still. Herrlich. Gute Nacht!

 

 

Tag 2 – Oberhof ohne Aussicht

Nebel und Nässe gegen uns

    

Moin Jungs! Die Nacht war relativ ruhig, aber regnerisch. Konspirative Feststellung: Wir haben alle gut geschlafen. Mein Sommerschlafsack kam allerdings an seine Grenzen.

 

     

Angenehme Morgenstimmung im Wald. Aufstehen wollten wir alle nicht. Die Lust auf ein Käffchen motiviert den inneren Schweinehund.

Frisch ist es geblieben. Der Tacho zeigt 3°C. Hmmm. Ok, fast April.

Käffchen und die Welt ist in Ordnung. Yummi! Müsli, Brot mit Salami und Knoppers waren angesagt. Bei Carsten gab es am frühen Morgen schon Nudeln und noch einiges mehr. Großer Bär, großer Hunger. Der Motor braucht Brennstoff.

 

   

„Schnell“ noch zusammen packen und fertig für die nächste Etappe. Carsten war wieder ehr fertig. Oh Wunder…

Gerödel. Alles muß mit. Am zweiten Tag ist schon mehr Platz im Rucksack. Im Bauch nicht. Bewegung regelt das.

 

    

Startbereit! Klar. Nochmal gescheit in die Kamera grinsen und es kann los gehen. Es ist vor zehn und wir bereit für den Tag. Schön wars hier!

Schwupps sind wir wieder auf dem Rennsteig. Ziel ist heute Oberhof. Mal sehen ob das Wetter mitspielt. Der Himmel ist Wolken verhangen und grau. Unsere Laune nicht.

 

    

Es ist immer noch kühl und feucht. Mal wieder Niesel. Wir sind trotzdem guter Dinge und machen schon jetzt ordentlich Spule. Läuft.

 

    

Gerade in Fahrt und schon wieder absteigen. Der Schlamm tut sein übriges. Rennsteigaction.

 

    

Christian und Carsten kommen auf Betriebstemperatur. Ich auch. Wo ist die Sonne?

 

        

Sonne gibs nicht, aber frisches Rennsteigquellwasser. Lecker. Auffüllen und weiter.

 

    

 

Nebel kündigt sich an. Feuchtigkeit von allen Seiten. Das war so nicht geplant. Kann nur besser werden…

Alles ok? Dann weiter. Nebel? Egal. In Oberhof gibt es Pizza!

 

    

 

Also geradewegs rein in die Suppe. Es könnte auch schneien oder richtig kalt sein. So meine Motivationsgedanken. Also Lächeln und weiter.

 

    

Was für ne Suppe. Wahrlich. Sichtweite um 50m, aber verfahren haben wir uns noch nicht. Dank Navi mit Track eigentlich auch fast unmöglich. So neblig ist es noch nicht. Hehe.

 

        

Immer schön bergauf. Dazu Regen, Nebel und Kälte. Wind und 3°C. Das macht mürbe und zieht in alle Knochen. Am Kramerod gäbe es eigentlich eine schöne Weitsicht ins Thüringer Land. Eigentlich. Den Aufstieg auf den Turm haben wir uns erspart. Naja.

 

    

Zur Abwechslung gehts erst mal ein Stück bergab. Wärmer wird es dabei auch nicht. Irgendwas ist ja immer. Die Hütte an der Radfahrerausspanne kommt uns gelegen.

 

    

Mal etwas durch atmen und nen Riegel rein schieben. Carsten ist ziemlich „durch“ und seine Klamotten auch. Selbst die Isojacke. Auch das Material an den Bikes muß ganz schön was ab. Das Kettenöl wird in kurzer Zeit vom Schlamm verschlungen. Bikeleben.

 

    

Da war er wieder: Schnee. Hoffentlich nur ein ein Überbleibsel…
Bis Oberhof waren es noch 20 Kilometer. Wir hatten Hunger und Bedarf an Wärme. Jede Menge davon. Pizza und Pasta waren ne zusätzliche Motivation. Also am Ball bleiben.

 

    

Zur Abwechslung mal wieder Schlamm. Jede Menge und Knöchel hoch. Christan fand es toll. Richtig toll. Seine Kommentare waren allein für den Schlamm bestimmt 😯

 

        

Wie sollte es auch anders sein? Schnee. Vereister Schnee, oder Schnee mit Eis. Ganz schönes Geeiere.

 

    

Mit den Höhenmetern wird es weißer. Bis Oberhof ist es nicht mehr weit.

Wasser im Überfluß. Es strömt von allen Seiten die Hänge herunter. Wir haben noch genug. Ist ja immer so.

 

        

 

Die Schneedecke war nun locker 10 Zentimeter stark. Spielwiese für die Fattys. Nach Spielen war uns leider nicht zumute.

 

        

Geschafft. Wintersportzentrum Oberhof. Paßt ja irgendwie. Nachsaisonal. Die Sichtweite lag nun deutlich unter 50m. Wir wollten nur noch ins Warme. Was gutes essen. Raus aus der Suppe und Energie tanken!

 

Noch eine kleine Ortsrundfahrt und ab zum Da Salvatore in Oberhof. Italian Food vom feinsten. Noch schnell den Schnee unter den Überschuhen entfernt. Große Freude von kalten feuchten Füße auf warme feuchte Füße 😯

Schnell bestellt und genauso schnell vertilgt. Also erst mal die Bruschetta. Mann. Wir waren verdammt hungrig. Sollte nicht zu übersehen sein.

Danach einmal alles oder so. Die Kamera hatte auch schon feuchte Augen. Was für eine Wohltat.

Zur Abrundung noch Grappa, Espresso und Kaffee aufs Haus. Salvatore ist klasse!

Mit der Wärme und gefüllten Magen konnten wieder klare Gedanken gefasst werden. Grappa und Kaffee machten es noch angenehmer. Für Carsten stand fest: Er nimmt sich ein Zimmer für die folgende Nacht im Ort. Ein Großteil seiner Klamotten war durch. Feucht. Nass. Er hätte keine Isoschicht mehr für den Abend. Hier hat der Verstand überwogen. Die Gesundheit geht vor. Nur konsequent. Noch schnell zu Hause Bescheid gegeben. Salvatore hat eine Pension empfohlen. Total easy. Christian und ich fühlten uns gut. Wir beschlossen weiter zu fahren. Noch ein bisschen die Wärme und Geselligkeit genießen. Scöööööön!

Nach der Verabschiedung trennten wir uns. Carsten hatte nur ein paar Meter zur Pension. Treffen werden wir uns am nächsten Tag wieder. Dafür gibt es ja Großraumtaxis. Unsere Position gibt es dann am Abend per Mobile. Alles unproblematisch dank Technik. Hoffentlich…

Christian hat auch noch mal die Familie informiert. Alles tutti! Es ist schon wieder halb fünf. Gleiches Spiel wie gestern. Die baldige Dämmerung läßt uns zügig aufbrechen.

 

Gleich ein paar Höhenmeter auf der Straße gesammelt. Gut für die Betriebstemperatur. Im Wald auf Schnee fahren hätte zu lange gedauert. Mit 942m höchster Punkt der Tour.

 

    

Fix waren wir auf der Schmücke. Lief gut. Zu gucken gabs nix. Nur Suppe. Ein Parkplatz im Nebel halt. Mehr nicht. Also weiter. Es war schon halb sechs. Der nächste Abzweig zurück auf den Rennsteig ist unserer. Die Zeit drängt und wir brauchen ein gutes Plätzchen für unsere Hängematten.

 

    

Gesagt getan. Ein paar Kilometer unterhalb der Schmücke wurden wir fündig. Recht steil bergan am Rennsteig gelegen. Christian hatte DEN Kennerblick! Bäume mit paßenden Abständen standen optimal im Dreieck. Etwas abschüßiger Untergrund mit Restschneefeldchen. Ein paar Tannen als Windschutz. Eigentlich ganz ok. Wenn die Zeit drückt ist man genügsam und flexibel. Paßt schon.

Es war kalt. Um den Gefrierpunkt. Das Aufbauprozedere wurde unisono durchgezogen. Wir wollten raus aus den feuchten Klamotten. Rein in die Iso und den Schlafsack. Christian hat noch was warmes gekocht. Ich wollte nur noch in den warmen Schlafsack. Ein Knoppers hab ich dann doch noch geknabbert. Reicht. Hatte ja ne dicke Portion beim Salvatore.

Carsten hatte sich unterdessen gemeldet. Jawoll, wir hatten Handyempfang. Gut so. Er hat nen schönes Zimmer und sitzt jetzt frisch geduscht wieder beim Salvatore. Hehe. Seine Klamotten trocknen nun über der Heizung. Alles richtig gemacht. Neinein: Wir sind nicht neidisch!

Schnell noch unsere Position durchgegeben und Treffpunkt für den nächsten Morgen ausgemacht. So war der Plan. Der nächste Ort am Rennsteig wäre perfekt. Treffpunkt war somit 10Uhr am Ortseingang von Allzunah gefixt. Gerade mal 5km von unserer momentanen Position. Ideal.

Christian und ich haben noch ein wenig den Tag ausgewertet. Den nächsten Tag haben wir einfach auf uns zu kommen lassen. Keine großen Pläne. Carsten treffen und alles weitere zusammen planen.

Wir waren ziemlich kaputt. Kälte und Nässe haben ordentlich Energie gezogen. Die heutigen 53 Kilometer derbe rein gehauen. Es war noch nicht mal Zehn und unsere Gespräche verstummten. Ein dennoch schöner Tagesabschluß. Gute Nacht John Boy, gute Nacht Jim Bob 🙂 

 

 

Tag 3 – Nach Lauscha im Winter

April. April. Der Winter ist zurück!

    

1. April. Kein Scherz. Datum und Schnee sind echt. In der Nacht hatte es schon gerieselt, aber ich wollte es nicht wahr haben. Nun die Bestätigung: 15cm Neuschnee – Willkommen auf dem Rennsteig im April!

Es ist kurz nach sieben. Christian war bereits auf und am Kaff kochen. Er hatte am frühen Morgen schon mal sein Tarp nach gespannt. Mit Nasenkontakt schlafen ist halt doof. Seit dem war er aber auch munter. Moin erst mal! Dabei gleich mal den Schnee vom Dach geschubst. Ne ordentliche Fuhre. Das Waldschneider Sägewerk 2 Tarp hat klaglos die Schneelast geschultert. Stark! So und so.

 

 

 

 

 

 

 

Es ist kalt. Unter Null. Käffchen hätte ich auch gern. Also raus aus der Koje. Der Blick unter die Hängematte läßt mich zweifeln. Mist! Gefrorene Schuhe mit Schnee. Nee.

 

Das Warbonnet LYNX Underquilt hat zum Glück für ordentliche Isolation von unten gesorgt. Mein Sommerschlafsack leider nicht. Eye – ich war auf Frühling eingestellt! Mit der Isojacke über dein Beinen gings schon irgendwie.

 

    

Eine Wahl hatte ich nicht. Also raus und Lage checken. April. Schnee. Winter. Unfassbar für mich. Ich hasse das weiße Zeug!! Egal. Aber nicht schön 😐 

Nein, das Lächeln ist nicht gestellt… Vorfreude auf ein ordentliches Frühstück oder so.

 

    

Gefrorenes Wasser. Meine Füße in guter Gesellschaft. Aber jetzt essen!

Rein in die KOMA gehangen. Das Underquilt wärmt gut das Bikerhinterteil. Auf kleiner schneefreier Fläche Naan Brot anrösten. Wärmt die Hände und ist lecker. Der Kaffee on top und Knoppers im Abgang. Nun gehts besser. Nebenher die Nacht mit Christian ausgewertet. Hmm…

Christian ist noch mal kurz abgetaucht. Die Nacht war für ihn recht kurz. Tarp auf der Nase durch Schneelast ist halt nicht sooo das Wahre. Zudem war es ordentlich Wind böig. Ich hatte mittels Ohropax und Verdrängungstaktik fast nichts mitbekommen. Es schneit nicht. Neinnein…ist doch Frühling. Hat über die Nacht ganz gut funktioniert. Die Realität sah am Morgen dann doch etwas anders aus.

Carsten war genauso überrascht. Mehr wie wir. Sein morgendlicher Blick aus dem Pensionsfenster. Guten Morgen Rennsteig. Der April sagt Hallo in Thüringen.

Christian und ich hatten unterdessen und in überdurchschnittlicher Geschwindigkeit zusammen gepackt. Eiskalte Füße und Hände. Uff. Es war schon nach halb elf und Carsten wartete schon im Ortseingang von Allzunah. Also los!

Leave no Trace! Naja fast.

 

    

Also runter vom Hang. Dicker Brummer. Fette Spuren. Heimspiel für die Schneewalzen!

 

    

Und kurz darauf schon wieder auf dem Rennsteig. Christian zieht ne Schneise. Ich rolle „einfach“ mal hinterher. Ordentlich Arbeit war es trotzdem. Langsam kommen wir wieder auf Temperatur.

Der Schnee ist überall. Auch mal wieder unter den Überschuhen. Das geht so nicht! Raus damit und weiter.

An der nächsten Straßenkreuzung kurze Beratung. Der Wechsel auf die Straße stand fest. Um den Gefrierpunkt war das Fahren auf der antauenden Scheedecke zu Zeit intensiv. Wir mußten heute Abend bei Lauscha landen. Somit stand unser heutiges Tagesziel auch fest. Dazu später mehr. Das ging nun nur per Straßenkilometer. Was solls.

        

Carsten wartete schon seit zehn an der Schutzhütte bei Allzuhah auf uns. Sein Taxi war pünktlich. Wir leider nicht. Naja. Mit warmen Gedanken und heißem Kaff gehts schon. Gaaanz entspannt! So isser, der große Bär :mrgreen:

 

     

Wir hatten uns wieder. Hehe. Die Straßenroute haben wir erst mal beibehalten. Schon ok.

 

    

Die Ausflugsgaststätte Großer Dreihherenstein Waldbaude direkt am Straßenrand bewog uns zur Einkehr. Rustikal und muffig. Kurze Beratung über die Route und den Tagesablauf  in der Wärme kam uns gelegen. Nach lauwarmen Kaffee und Cola zu übertriebenen Preisen ging es weiter. Die maßlos unmotivierte Bedienung setzte noch einen drauf. Wir waren die einzigen Gäste. Scheinbar läuft der Laden trotzdem. Liegt halt direkt am Rennsteig. Die Wanderer fallen quasi mit der Tür ins Haus. Nicht empfehlenswert!

 

 

Nun hieß es erst mal Kilometer drücken. Von Neustadt bis Masserberg Kopf runter und Feuer! Es war schon halb zwei und wir hatten ordentlich Hunger. Der Tacho zeigt 3°C und wir waren ziemlich durch. Ging schnell bei der Witterung. Nichts neues. Kleiner Vorteil für Carsten. Alles warm und trocken. Pahh.

 

    

Der Hunger ließ uns nicht lange überlegen Sämtliche Gaststätten an der Hauptstaße hatten geschlossen. Seltsam. Hmmm. Besser Ortsansässige fragen. Wo sind die denn alle? Dann doch noch eine Eingebohrene gesichtet und ne Empfehlung bekommen. Puhh. Danke! Etwas versteckt haben wir im Unterort die Pension Herrnhausblick nach etwas rum geeiere gefunden. Jetzt aber!

 

    

Wir wurden nicht enttäuscht. Bei Cola und Rostbrätel sind wir wieder ein wenig aufgetaut. Verdammt lecker! Zufriedenheit hat sich breit gemacht. 

 

Zur Abrundung noch nen Latte und hausgemachten Kuchen. Wir leben! Bei der Gelegenheit gleich mal sämtlich Heizkörper mit unseren Klamotten behangen. Alles gut und wir sind entspannt. Feinfein.

Hilft ja nix. Wir müssen weiter. Die Bikes warten schon. War schön warm und leckere Hausmannskost dazu. Die Bedienung tat ihr Übriges. Geht also auch anders. Hier gibts ne volle Empfehlung!!!

 

    

Ab auf die Piste. Wir sind nun wieder auf dem Rennsteig-Radweg unterwegs. Läßt sich halbwegs fahren. Es taut. Geht schon. Besser wie am Morgen.

 

    

Der Nebel legt ne kurze Pause ein. Weitsicht ist angesagt! Das erste mal so richtig. Das könnte so bleiben.

 

    

Die Sonne läßt sich kurz blicken. Tut gut und könnte ebenfalls so bleiben. Die ziehenden Wolken verheißen etwas anderes. April.

 

    

Vor lauter Freude den Abzweig verpaßt. War nur nen Stück. Also zurück und weiter auf dem Rennsteig. Die Sonne ist wieder weg und es wird frisch. So um 3°C.

 

    

Wir lassen rollen. Es geht ordentlich runter. Kommt uns komisch vor, aber ist gerade schön. Laufen lassen.

 

        

Tjoa. Ging gleich wieder hoch. Ordentlich. Fast ne Stunde stramm bergauf. Uff. Hätte uns auch gewundert. Uns war warm! An der Eisfelder Ausspanne erst mal nen kurzes Päuschen. Riegel rein schieben. Was trinken und weiter. Die Zeit saß uns im Nacken. Es war schon halb fünf und Lauscha noch ein gutes Stück hin.

 

        

Auf 800m reißt der Himmel auf. Schon wieder Sonne. Na sowas. Also kurz mal Sonne tanken an der Rindenhütte. Die Jungs kommen auch schon. Gähnt da jemand? 😉 

 

    

 

Der Forstweg ist unfahrbar. Zu dicke Schneematschpampe. Mal wieder nur Geeiere. Fahren geht da nicht. Also ab in den „Straßengraben“. Ok, war der Wanderweg mit Tauwasserflüßlein. Ließ sich ganz gut fahren. Ne Radwäsche gabs dazu.

 

        

 

Wieder festen Boden unter den Schlappen waren wir zackig in Siegmundsburg. Lauscha ist nun gar nicht mehr weit. Weiter ging es über Steinheid. Am Ortsausgang kam uns der Bäcker gelegen. Noch mal Kuchen bunkern und weiter ging es. Kuchen geht immer! Die Gesichter der Einheimischen auf die Dicken Dinger aka Fatbikes erstarrten teilweise. Irgendwie fehlt der Motor. So deren Gedanken, meine ich in den Gesichtern gelesen zu haben…

 

    

Auf der Bundesstraße ging es weiter. War recht stark frequentiert. Muß mal für ein paar Kilometer gehen. War ja nicht mehr weit zu unserem Tagesziel. Höhenmeter gabs aber auch hier nicht geschenkt. Der Kuchen zuvor sorgt für Antrieb.

Die letzten notwendigen Kilometern auf der Bundesstraße waren so lala. Muß halt. Beim Discounter in Neuhaus am Rennweg noch mal fix Wasser und ein paar Leckereien geholt. Quellen gab es unterwegs leider nicht und zum filtern fehlte die Zeit. Also mal die schnelle Variante. Nutze die Möglichkeiten.

 

    

Raus aus dem Trouble und zurück in den Wald. Noch ein paar Kilometer. Wir waren im Zugzwang. Es war schon gegen sechs. So hatten wir 3km vor Lauscha die Basis für unser Nachtlager gefunden. Am Waldrand mit angenehmen Blick ins Land. Ne kleine Schutzhütte bot sich unweit auch an. Praktisch.

 

    

Nun aber fix Lager aufbauen. Die Dämmerung macht Druck. Es ist kalt. Um den Gefrierpunkt. Und feucht. Ich bin völlig durch! Noch aufbauen und endlich in den Schlafsack. Wärme sammeln!

 

        

Carsten war wieder mal schneller fertig. Jaja. Er war schon in der Schutzhütte. Essen fassen. Christian gesellte sich dazu. Mir war gar nicht danach und einfach nur sau kalt! Hatte noch genügend Kuchen intus und keinen Hunger. Den ganzen Tag nasse und kalte Füße ziehen unglaublich Energie. Winter. Schnee. Kälte. Bähh! Ich wollte Frühling…

Die Beiden kamen etwas später auch zurück. Noch ein kleiner Plausch mit Tagesauswertung. Es war nun dunkel. Die Jungs sind in ihre Schlafsäcke geklettert. Kleiner Vorteil für mich. Es war umgehend still. Ein anstrengender Tag. Die 56 Kilometer stecken uns allen in den Knochen. Gute Nacht!

 

 

Tag 4 – Entscheidung & Vernunft

Nur noch bergab

Es war gerade mal halb sieben. Es wurde langsam hell. Christian hat schon unterm Tarp agiert. Käffchen gekocht. Im gelben GoLite Tarptent gab es auch schon Bewegung. Aha. Na Moin erst mal!

 

    

Alles unter Spannung. Hält! Nur mein Sommerschlafsack hatte die Nacht wieder gut zu tun. Es hat stark gestürmt die Nacht. Hab recht wenig davon mitbekommen. Ohropax. Das Schaukeln in der Hängematte hatte etwas Beruhigendes. Christian empfand es als ziemlich laut und kam nicht so recht zur Ruhe. Kein Ohropax! Carsten hat es teilweise mitbekommen, aber gelassen geratzt. Nuja. Jetzt erst mal lecker Frühstück. Nen heißen Kaff!

 

    

Alles schön aus der Hängematte heraus. Warme Füße und heißer Kaff. Schön! Überhaupt. Futter wie immer und noch etwas chillen. Alles entspannt. Wir waren mal wieder gut drauf.

 

    

Früher oder später mußten wir zusammen packen. Gesagt, getan. Feuchte Füße und 3°C. Jaja, die alte Leier. Trotzdem unangenehm. Umso schneller war alles eingepackt.

 

    

Carsten war schon längst fertig. Auch nichts neues. Wir waren heute gar nicht so langsam. Es wird. Rucksack und Helm auf. Fertisch!

Ziel heute: Lauscha. Hä? Sind doch nur drei Kilometer und warum nicht weiter? Christian hatte von vorn herein nur Zeit bis heute und sein Ticket für heute gebucht. Daher mußten wir den Zeitplan einhalten und Lauscha pünktlich erreichen. Hat ja soweit gut funktioniert.

 

    

Im Handumdrehen waren wir in Lauscha. Es ging quasi nur noch bergab. Carsten und ich haben ebenfalls beschlossen, die Tour hier zu beenden. Geplant war noch ein Tag bis Blankenstein zum Rennsteigende. Den gesamten Rennsteig quasi. Was solls. Einfach zu kalt und feucht für ein wohliges touren. Soll ja auch Spaß machen.

 

    

Wir hatten noch etwas Zeit. Kaff und Kuchen beim ortsansässigem Bäcker. Yummi. Warme Füße gabs dazu. Ein schöner Ausklang der Tour.

 

    

Gut gesättigt sind wir zum Bahnhof gerollt. Es waren nur noch 200 Meter. In ein paar Minuten kommt der Zug und wir sitzen wieder im Warmen. Dann sind die kalten Momente „Schnee“ von gestern. Übrigens haben sich die Wolken verzogen. Der Himmel ist wunderbar blau und die Sonne strahlt 😛

 

 

Unterm Strich

Wir waren uns trotz Mistwetter einig: Eine spezielle Tour mit 155 Kilometern feuchtem Untergrund. Das Wetter kann man sich nicht aussuchen. Wir haben das beste daraus gemacht. Trotzdem ein harmonisches miteinander. Unsere physischen Grenzen wurden teilweise verschoben. Wieder was gelernt. Christian hat trotz zunehmenden Spiel im Innenlager unermüdlich und tapfer weiter getreten. Chapeau. Carsten war konsequent mit sich selbst und zu Gunsten seiner Gesundheit. Stark! Gutes Essen. Viele gute Gespräche. Es hat einfach gepaßt. Wiederholung erwünscht 😎

Von | 2017-11-19T12:12:41+00:00 30 April 2016|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Quasi Nitro 6. Mai 2016 um 15:07 Uhr - Antworten

    Stimmt, wir mußten schon einige male ordentlich "beißen". Oft half nur Augen zu und durch, aber gemeinsames Leid ist ja bekannter Weise nur halbes Leid ;- )
    Grundsätzlich war ich auf frühlingshafte Temperaturen eingestellt, aber wurde eines besseren belehrt…der April halt.

    Freut mich, daß dir meine Berichte gefallen. Danke fürs kommentieren und lesen!

  2. Abragroll 6. Mai 2016 um 9:39 Uhr - Antworten

    Hallo Quasi,
    ich lese deine Berichte ja immer sehr gerne – aber der hier war "brutal". Unter solchen Bedingungen die Moral oben zu halten: Hut ab!
    Ich selbst wäre vermutlich gar nicht erst gestarte…oh! Da ist ja eine Wolke 🙂 .

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