Alpkit Kanga & Roo Pouch im Test – Packsack Halter und etwas Zusatzstauraum am Bikepacking Cockpit

 

    

Tja und nun komme ich zu den vorerst letzten Parts meiner Alpkit-Bikepacking-Ausrüstung. Auch hier lohnt sich wieder ein Blick auf meine Übersicht zu sämtlichen Testberichten meiner Bag’s aus der Alpkit Luggage. Wie gehabt gehe ich nun im folgenden Testbericht genauer auf den Alpkit Kanga mit Roo Pouch als Ergänzung ein.

 

Alpkit Kanga & Roo Pouch

Alpkit Kanga

Den Kanga hatte ich separat bestellt, da er Anfang 2014 er immer nur in geringen Stückzahlen verfügbar und entsprechend schnell wieder vergriffen war. Die unsichere Verfügbarkeit hatte natürlich ein wenig die Komplettierung meines Set’s in die Länge gezogen, aber mein Alpkit Stingray Frame Bag war zu dieser Zeit ja auch noch in Arbeit auf der Insel. Also zurück lehnen und einfach entspannt abwarten. Durch den intensiven Mailkontakt mit Alpkit zu dieser Zeit, bekam ich aber rechtzeitig die Info über den baldigen Wareneingang und eine Tag gleiche Verfügbarkeit des Kanga. So war das Teil schon ein paar Tage später bei mir. Klasse Support!

 

        

Auf meinen MYOG-Abstandshalter für den Kanga gehe ich weiter unter ein. Dieser gehört natürlich nicht zum Lieferumfang, aber meine Umsetzung für mehr Bewegungsfreiheit der Schaltzüge und Bremsleitungen und nebenher ein aufgeräumtes Cockpit 🙂

Grundsätzlich stellt sich erst mal die Frage, wozu man einen zusätzlichen Packsack-Halter wie den Kanga, für den Lenker überhaupt braucht? Benötigt man wirklich ein Ausrüstungsteil, welches sich recht fummelig anlegen läßt, das Gesamtgewicht erhöht und natürlich auch etwas kostet? Fragen, die beim Betrachten dieses Teiles unweigerlich aufkommen, wenn man doch die Lenkerrolle oder den Packsack auch einfach mit zwei Gurten am Lenker befestigen könnte.

Packsack-Halter gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen diverser Hersteller. Diese haben alle eines gemein – den Stauraum am Bike durch Anbringung eine Packsck’s am Lenker zu vergrößern. Bestenfalls vereinfachen diese die Handhabung wie Montage -und Demontage am Lenker insgesamt, schützen gerade filigrane Packsäcke vor Abrieb und lassen das Cockpit aufgeräumter aussehen. Das ist sicherlich Geschmackssache. Eigentlich hat fast jede Bikepacking-Ausrüstungsschmiede solche Packsack-Halter für Lenker im Programm (Alpkit Kanga handle bar harness, Alpkit Joey simple handlebar harness, Wildcat Gear Mountain Lion, Revelate Design Harness usw.). Diese benötigt man nicht unbedingt, wenn flächig angebrachten Schlaufen wie beim Airlok Xtra dry Bag vorhanden sind. So kann der Packsack nicht aus den Gurten rutschen und behält die Position am Lenker. Eine einfache, leichte und günstige Möglichkeit die Ausrüstung sicher im Cockpit zu integrieren. ABER – und so komme nun zu den Gründen warum der Kanga für meine Ansprüche wie gemacht ist und sehr gut funktioniert.

Da ich großen Wert auf die perfekte Funktion sämtlicher Komponenten und das Bike in der Gesamtheit lege, versuche ich natürlich durch die Anbringung der Bag’s diese „Harmonie“ on Trail nicht zu verschlechtern 😎 

Besser gesagt, möchte ich den Druck oder das unnötige „Wegbiegen“ von Schalt -und Bremszügen vermeiden. Eine direkt an den Lenker gegurtete Rolle hätte dies zur Folge und kann die Schaltperformance beeinträchtigen. Die hydraulischen Bremsleitungen betrifft das weniger, aber ausreichend Bewegungsfreiheit schadet auch diesen nicht. 

Nun mag der ein oder andere sagen, daß es auch mit der direkten Montage am Lenker bestens ohne Einschränkungen funktioniert…naja, ich hatte in der Vergangenheit immer wieder mal schwer laufende Züge mit mangelnder Schaltperformance, was ziemlich nervig war. Das wollte ich mit unnötigem Druck auf diese und zu starkes weg biegen nicht unbedingt begünstigen. Ein in gebranntes Kind eben 😕 

Der Schutz des Packsack’s durch mechanischen Abrieb (Lenker, Vorbau, Griffe), sowie der Druck auf die Bowdenzüge mit eventuell eingeschränkter Beweglichkeit dieser, ist mit der vorgesehen Montage des Kanga am Lenker und der Abstützung auf der Gabelbrücke somit schon mal gegeben.

 

    

Daher wollte ich es nicht darauf anlegen, um mich wieder mit Ghost Shifting herum plagen zu müßen und so kam mir der Kanga gerade recht – allerdings nur in Verbindung mit meinem MYOG-Abstandshalter. Und nun mal zu den Facts:

 

    

Der Kanga ist ausschließlich in einer Größe erhältlich. Er hat eine Höhe von 32cm und Breite von 24cm. Im unteren Drittel verjüngt sich die Breite konisch von 12cm auf 9cm. Die Waage hat mir 240g angezeigt und die Gurte wiegen je nach Packsackdurchmesser und daraus resultierender Länge ca. 10g/Stück. Für £45.00 = 62 EUR ist der Kanga bei Alpkit erhältlich.

Gefertigt wird er aus VX21 und 1100d Cordura. Alle Nähte verlaufen gerade und sind an den stärker belasteten Punkten massiver ausgelegt. An der Innenseite verlaufen V-förmig zwei 40cm lange Einschubkanäle, in welche jeweils ein Glasfaserstab eingeschoben ist.

Diese Stäbe können entnommen und nach Bedarf gekürzt werden (jew. neu und alt). Für die richtige Länge ist der Abstand zwischen Gabelkopf und Lenkerhöhe ausschlaggebend. Bei meinem Bike beträgt dieser Abstand es 26cm, aber die Stäbe haben etwas Überstand und sind 3cm länger.

Durch das Aufsetzen auf die Gabelbrücke hat sich bei den Jungs von der „Insel“ wohl schon des öfteren an diesen Kontaktpunkten das Material durch gescheuert und die Stäbe sind raus gerutscht. Bei meinem Kanga sind lediglich Verschmutzungen zu erkennen, aber durch scheuern tut sich da noch nichts. Gut so!

Alpkit hatte prompt darauf reagiert und im Oktober 2014 überarbeitete GFK-Stäbe kostenfrei an alle Kanga-Besitzer versendet. Somit hatte ich auch Anfang des Jahres Post von der Insel. Die überarbeiten CFK-Stäbe sind nun flach ausgelegt und mit breitem Aufsätzen jeweils oben und unten versehen (im Bild weiter oben zu sehen). Dadurch soll das Material nicht so punktuell, wie im Falle der runden GFK-Stäbe, belastet werden und länger halten. Ich sehe bei meinem Kanga noch keinen Bedarf die Stäbe zu tauschen, behalte es aber im Auge. Ein klasse Aktion von Alpkit ist es alle male!

Auf der Rückseite befinden sich fünf horizontale Daisy Chains. Über diese ist es vorgesehen, den Kanga über die zwei mitgelieferten Klettverschlüssen zu befestigen. Da mir zwei Kletts zu wenig für eine flächige Fixierung erschienen, habe ich anfangs vorerst Kabelbinder benutzt, diese dann später durch vier Kletts mit Schnalle ersetzt. Die unteren beiden Daisy Chains ergeben für mich allerdings keinen praktikablen Sinn, da ich – so wie es sich für mich in der Benutzung bewährt hat – die Glasfaserstäbe auf Gabelkopf –> Lenkerabstand gekürzt habe. Aber sicher sind die Daisychains der Gesamtstabilität des Kanga dienlich und man ja könnte noch irgend etwas daran befestigen wenn man wollte, was ja dem Grundgedanken einer Daisy Chain entspricht.

 

        

Der Kanga stützt sich somit vorn auf dem Gabelkopf, rechts und links neben dem Steuerrohr bzw. Steuerkopf ab. Die Gurte werden unter der Gabelbrücke durch geführt, über eine Klappschnalle auf Spannung gebracht und verriegelt.

An der Oberseite befinden sich drei Steckschließen für 20mm Gurte um den Packsack ausreichend zu fixieren. Dafür liegen natürlich drei dafür benötigte Gute bei. Ich benutze statt der zwei äußeren Gurten einen Roo Pouch, auf welchen ich weiter unten eingehen werde.

Mit den drei Gurten kann der Packsack sehr fest und sicher am Kanga eingespannt werden. Es hat sich für mich als praktisch erwiesen, den Packsack erst mal mit dem mittlerem Gurt am System zu sichern um dann die restlichen Gurte zu schließen und auf Spannung zu bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Tja und wahrscheinlich war es auch nicht zu übersehen, daß ich noch einen Abstandshalter zwischen Lenker und Kanga verwende. Aber warum das denn?

Die Frage ist recht einfach beantwortet. Der Kanga bringt ja an sich schon etwas mehr Freiheit für die Schalt -und Bremsleitungen mit, da er sich vom Lenker abwärts auf der Gabelbrücke abstützt. Dadurch bleibt etwas mehr Raum für Bewegungen und das „pendeln“ eines ausschließlich mit Gurten fixierten Packsack’s wird verhindert.

Da ich bei all meinen Rädern eine Lenkerbreite von 62cm fahre, was sich für mich über die Jahre als sehr ergonomisch erwiesen hat, bleibt einfach zu wenig Platz – wie man schön auf dem Foto sehen kann – um den Packsack direkt am Lenker befestigen. Die Bremsleitungen und Züge würden unnötig unter Druck gesetzt, was wahrscheinlich ein durch scheuern des Packsack-Materials auf Dauer auch zur Folge hätte. Das wollte ich keinesfalls riskieren.

Naja, also habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, dem Kanga den benötigten Platz zu geben und ein Stück vom Lenker zu „distanzieren“. Das dadurch auch die Schaltzüge mehr Platz bekommen sollten, kam mir natürlich sehr entgegen 😈

 

Für den Abstandshalter habe ich lediglich zwei Lenker-Adapter und ein äußeres Stück eines Lenkers mit 21cm Länge benötigt, welches so etwas kürzer wie die Breite des Kanga ist. So wird der Kanga mit 6cm auf Distanz zum Lenker gehalten. Die Montage sollte anhand der Bilder selbst klärend sein. Na klar ist das wieder etwas mehr Gewicht, aber die zusätzlichen 172g (2x48g Adapter/ 76g Lenkerrohr) haben sich auf Tour absolut bewährt. Da alles in schwarz gehalten ist, fällt das Teil gar nicht soo auf und fügt sich brav in die Gesamtkonstruktion am Cockpit ein.

Überlegungen das Gewicht des Abstandshalters zu reduzieren und das Alurohr durch CFK zu ersetzen bzw. den gesamten MYOG-Abstandshalter durch eine etwas filigranere Variante zu ersetzen, spuken mir natürlich im Kopf umher. Tja und hierbei wurde ich auch fündig und nutze Mittler Weile eine 88g leichte Doppel Halterung mit CFK-Rohr.

 

Alpkit Roo Pouch

    

Der Roo Pouch ist kleine Tasche zur Ergänzung am Kanga. Gefertigt wird er ebenfalls aus VX21, ist 15cm hoch und 21cm breit. Er läßt sich im oberen Drittel über einen wasserfesten YKK-Zipper auf 16cm Breite öffnen. Die Nähte sind nicht abgedichtet. Der Frontbereich wurde zusätzlich mit zwei Falten ausgelegt, um mehr Volumen bei straffer Montage am Packsack zu gewährleisten. An Ober -und Unterseite befinden sich wiederum zwei Steckschließen für 20mm Gurtband. Der Roo Pouch ist bei Alpkit für £15.00 = 21EUR erhältlich.

 

        

Die kleine Tasche wird quasi zwischen die Gurte gesteckt und bietet noch Platz für den schnellen Zugriff auf die kleinen Dinge unterwegs. Sei es die Sonnenbrille, ein Paar Handschuhe oder Riegel.

 

        

Leider bin ich mit der kleinen Tasche nicht so richtig glücklich geworden. Da über den Roo Pouch der Packsack abgespannt wird, ist nicht wirklich viel Platz in der „Kleinen“. Trotz zweier eingebrachten „Dehnungsfalten“ ist der Inhalt immer unter Spannung und für mehr wie das Paar abgebildete Fleecehandschuhe reicht der Platz kaum aus.

Mit dem auf Tour wenig nutzbaren Volumen könnte ich mich noch anfreunden, aber vielleicht bin ich ein wenig pingelig, denn der Zipper läßt sich kaum mit einer Hand bedienen und während der Fahrt öffnen, da sich die Tasche dann immer wieder zusammen zieht und beide Hände dazu benötigt werden. Die Optik ist die eine Sache, aber wenn die Funktion unter so etwas leiden muß, hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Das haben andere Hersteller – ohne jetzt wieder die bekannten Namen zu nennen – besser gelöst, finde ich 😉 

 

Unterm Strich

Der Alpkit Kanga ist ein Packsack-Halter für den Lenker und für mich schon recht nahe am Optimum. Sein durchdachtes Konzept, das Gewicht des Packsacks über den Lenker UND die Gabelbrücke zu verteilen, hat mich absolut überzeugt. Der Packsack sitzt mit den drei Gurten verspannt wie „eingemauert“ im Kanga und läßt kaum Bewegung zu. Das gibt mir noch ein Quäntchen mehr Sicherheit, gerade auf verblogten und technischen Trails. Kanga und Packsack fühlen sich schnell wie ein Teil vom Bike an und funktionieren bravourös unauffällig. Das Konzept läßt sich in der Praxis sehr gut umsetzen und funktioniert hervorragend weswegen ich mich mit dem Zusatzgewicht irgendwie abfinde. Das „Mehr“-Gewicht würde ich natürlich gern vermeiden, aber vielleicht gibt es in Zukunft eine abgespeckte Version von Alpkit oder ein anderer Hersteller greift das Konzept auf und bietet event. eine leichtere Variante davon an. Wer weiß, was die Zukunft bringt :mrgreen: 

Mein MYOG-Abstandshalter ist kein Muß und bei breiteren Lenkern nicht zwingend nötig, aber mir bringt er definitiv den o.ä. Zugewinn, wenn auch nochmals mit ein wenig zusätzlichem Gewicht.

Den Alpkit Roo Pouch hatte ich einfach mal zu ausprobieren mit bestellt. Er ist eine Erweiterung für ein klein wenig mehr Stauraum – mehr aber auch nicht. Mich hat die kleine Tasche nicht überzeugt. Das bisschen mehr Volumen erkaufe ich mir durch eine mittelmäßige Bedienung. Die Optik unter Spannung sei mal dahin gestellt. Eine „Spielerei“ finde ich. Ein zweiter und event. größerer Fuel Pod auf dem Oberrohr an der Sattelstütze ist einfacher zu bedienen und stellt vergleichsweise mehr Volumen zur Verfügung. Aus meiner Sicht kann man auf den Roo Pouch gut verzichten. 

Die Verarbeitung beider Teile ist sehr gut. Sämtliche Nähte sind sauber ausgeführt und über lose Nähte bin ich auch nicht gestolpert. Preisgünstig bleibt die Alpkit Bike Luggage vergleichsweise alle male. Daher schmerzt es auch nicht all zu sehr, wenn mal etwas nicht nach den eigenen Bedürfnissen funktioniert. Die zeitnahe Reaktion auf konstruktive Mängel im Gebrauch und der kostenlosen Zusendung optimierter GFK-Stäbe, ist dabei sehr lobenswert!
Von | 2018-02-21T08:18:33+00:00 1 Oktober 2015|0 Kommentare

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