Salsa Vaya Custom Gravelbike – ein Résumé nach einem halben Jahr mit letzten Optimierungen

Nach einem halben Jahr mit meinem Salsa Vaya auf Gravelroads, Asphaltpisten und Singletrails durchs Unterholz mit den letzten Optimierungen wird es Zeit für einen Rückblick. Sagt mir die für mich ungewohnt sportlichere Sitzposition zu? Fährt der Stahlrahmen wirklich so sanft? Per formt der 11-fach Antrieb wie gewünscht? Wie greift sich das Cockpit und wie machen sich die schmaleren Schlappen für mich als alter MTBler? Waren die letzten Optimierungen bzw. der Tausch der Parts wirklich notwendig und wie funktioniert das Salsa Vaya in der Gesamtheit für mich? Auf all die Fragen gehe ich in diesem Artikel ein und ziehe für mich ein Fazit über mein Salsa Vaya Custom Aufbau.

 

Letzte Optimierungen

 Cockpit & Bremsen

Nachdem ich mich in der finalen Version noch kurzfristig für den 46er Salsa Woodchipper entschieden hatte, mußte ich nach ein paar Ausfahrten doch feststellen, daß mir die Ergonomie nicht zusagt. Der Lenkbereich ist wie ein paar Schuhe, welche für viele Kilometer paßen muß ohne wenn und aber! Grundsätzlich habe ich die Breite von 46cm wie auch den geraden Griffbereich in den ausfallenden Drops des Woodchipper als sehr angenehm empfunden. Leider waren die Lenkerenden in ihrer Breite mit der starken nach außen abgewinkelten Geometrie in der Praxis dann doch nicht so komfortabel, wie ich es mir in der Theorie vorgestellt und gewünscht hatte. Zudem war mir die Sitzposition mit dem Griff in die breit ausladenden „Hörner“ zu gesteckt, denn ein breiter Lenker bedeutet auch, daß man weiter nach vorn gebeugt fährt, was meinem Komfortanspruch nun nicht gerade gerecht wird. Wie schon erwähnt und nachdem ich den Winkel der Unterlenker-Griffposition auf ~20° ausgerichtet hatte, fand ich den geraden Griffbereich für mich mit großen Händen sehr angenehm zu greifen. Dies hatte leider zur Folge, daß die Bremshebel mit dem stark abfallenden Drop im Oberlenker-Griffbereich nach unten gewandert sind, was hier gut zu erkennen sein sollte. Zudem hatte ich in der Griffposition schnell einen unangenehmen Druck unter den Handballen.

Die Konsequenz daraus war für mich ein weiterer Versuch mit einem anderen Lenker. Wieder von Salsa, wieder in 46er Breite, mit anderem Drop und Reach, aber weniger Ausladung in den Hörnern. Ich wollte keinen reinen Rennlenker, sondern irgendwas mit weniger Ausladung wie die des Woodchipper, aber trotzdem maximaler Breite mit gewissen Restkomfort.  Ursprünglich fiel meine Wahl auf den Salsa Cowchipper, aber das Teil war schlichtweg nicht verfügbar. Also habe ich es einfach mit dem Salsa Cowbell MD 3 versucht. Was solls, die Saison hatte begonnen und ich keine Lust ewig auf die Verfügbarkeit des Cowchipper zu warten.

Von oben nach unten mal die Historie der von mir gecheckten Lenker. Satori Boon Docks, Salsa Cowbell MD 3 und Salsa Woodchipper. Den Salsa Cowbell MD 3 habe ich zwar irgendwie aus der Not heraus bestellt, aber letztendlich war es eine gute Entscheidung. Er liegt mit dem Drop und Reach zwischen dem Boon Docks und dem Woodchipper, was auf den Bildern ganz gut zu erkennen ist. Die Ausladung der Lenkerenden ist auch um einiges geringer. Nach der Eingewöhnungszeit über ein neues und für mich ungewohntes Lenkgefühles, welches sich unerwartet schnell und angenehm eingestellt hatte, kann und will ich mir vorerst keinen anderen Lenker mehr am Vaya mehr vorstellen.

Aus Fahrersicht ist die Geometrie des Cockpit noch etwas besser zu erkennen. Und weil ich gerade wieder bei der Geometrie bin und zuvor von der zu tiefen Griffposition a.G. des Drops am Woodchipper sprach, habe ich auch gleich den Vorbau gewechselt.

 

Da mir die Haltung auf dem Bike trotz komfortableren Lenker und reichlich Spacern immer noch ein wenig zu gebeugt war, aber ich auch irgendwie etwas gedrungen saß, habe ich mich für einen steileren und etwas längeren Vorbau entschieden. Gerne hätte ich wieder eine edles Teil von Thomson verbaut, aber in meiner – zugegebener Maßen – mit 25° gewünscht großen Steigung des Vorbaus und den Anspruch an eine möglichst komfortable Sitzposition, hatten die Amis nichts im Portfolio. Kurzum ist es wieder ein Teil von Schöpfern meines Vaya, ein Salsa Guide Vorbau mit 90mm Länge und 25° Steigung natürlich in Schwarz geworden.
 

In dieser Konstellation habe ich eine Sitzposition gefunden, mit welcher ich lange ohne Überstreckung und Verrenkungen auf dem Bike sitzen kann. Naja, dazu trägt auch eine andere Sattelstütze bei, aber dazu später mehr.

Und weil ich gerade beim Vorbau war, bleibt in dem Zuge noch zu erwähnen, daß ich mir den Supernova The Plug (Forumsalder V5) gegönnt habe um autark mein eigenen Strom über den Nabendynamo erzeugen zu können.

Die Lenkerstopfen habe ich ebenfalls ausgewechselt, da die zuvor lediglich eingesteckt verwendeten in edlem Carbon-Lock ziemlich schick aussahen, aber quasi bei jedem Abstellen einer Hauswand aus dem Lenkerende heraus gekippt sind und drohten verloren zu gehen. Un das zu vermeiden habe ich ein Paar Rose Adjust Lenkerstopfen mit Konusklemmung verbaut. Hält!

Die letzte, aber größte Optimierung sind die neuen Schalt/Bremshebel STI von Shimano. Davon gab es nur zwei Schalt/Bremsvarianten für Disc und 11-fach Antrieb. Zum einen das etwas günstigere ST-RS505+BR-RS785 Set auf 105er und ein höherwertiges Set auf Ultegra Niveau. Ich war der Meinung, daß die günstige Variante für meine Zwecke ausreichend ist, wurde aber leider eines Besseren belehrt. Es hatte sich schnell heraus gestellt, daß der innere Shifter für das Schaltwerk gut 1cm Spiel hat. Ich habe mal ein kleines Video dazu gemacht, auf welchem man das Spiel gut erkennen sollte. Dadurch war das Gefühl beim Schalten sehr schwammig und wenig definiert. Die wackelige Mechanik hat ihr übriges dazu getan und eine Rückmeldung war nur minimal wahrnehmbar. Mit dünnen Fleecehandschuhen war die definierte Gangwahl kaum möglich und ein Überschalten schon obligatorisch. Nicht akzeptabel!!!

Nach kurzer Rücksprache mit BIKE24, wo ich den Großteil meiner verbauten Komponenten bestellt hatte, konnte ich die Bremshebel auf Sichtung einsenden. Dafür wird die Bremse komplett zu Paul Lange dem dt. Distributor für Shimano ein gesendet, was einige Wochen dauern sollte. Tat es auch und natürlich wurde das Spiel als normal und im Toleranzbereich befunden. Nicht nur, daß Shimano allgemein in puncto Qualität gerade in den letzten Jahren deutlich, aber zu erhöhten Preisen nachgelassen hat, soll der Verbraucher (in dem Fall ich) schön die Klappe halten, wenn er schon mehr bezahlt hat. Nun weiß ich nicht, ob es an den Richtlinien bzw. Vorgaben von Shimano selbst oder der Gleichgültigkeit und Arroganz von Paul Lange lag. Bei unserer letzten gemeinsamen Tour Bikepacking Mainradweg – Spontane Laufrad Alternative immer Fluß aufwärts war Carsten mit seinem neuen Kona Roadhouse unterwegs, an welchem ebenfalls das ST-RS505+BR-RS785 Set verbaut war, welches deutlich weniger Spiel aufwies. Soviel zum Thema Toleranz und Service am Kunden.

Eines steht fest: Bei zukünftigen Projekten werde ich sehr genau abwägen, ob ich die einst hervorragenden und zuverlässigen Produkte aus Japan noch mal verbaue. Naja, ansich ist das ist eine andere Sache, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen. Sicher können mir d.b. ehemals zufriedene Nutzer von den Komponenten aus Japan beipflichten…

Ok, nun wieder back to topic. Kulanter weise hatte mir BIKE24 gegen einen Differenzbetrag das höherwertige ST-RS685+BR-RS785 Set auf Ultegra Niveau angeboten, was ich natürlich dankend annahm und das Set sofort nach Erhalt eingebaut hatte. Selbst beim Funktionstest im Montageständer hängend war das höhere Niveau sofort spürbar!

Hier kann man auch die komfortablere Griffposition erkennen. Das nur am Rande, aber wieder zurück zu den Hebeln. Wäre ja zu schön, wenn sich die Schaltqualität über die restliche Qualität der Hebel gezogen hätte. Leider haben sich die Griffgummis recht schnell geweidet und während der Fahrt verdreht bzw. nach vorne verschoben. Ein sicheres Fahren war so nicht mehr möglich. Ok, ich habe nach dem mehrmaligen Bremsen entlüften, wobei die Gummis nun mal kurzzeitig nach hinten umgeschlagen werden müssen und sich dabei etwas dehnen, die Griffe immer ordentlich mit Bremsenreiniger gesäubert. Ob das nun dazu geführt hat, daß sich der Weichmacher umso schneller verflüchtigt hat oder ob es an der nachlassenden Shimano-Qualität liegt, kann ich nur schwer einschätzen. Zumindest stehe ich mit dem Problem nicht alleine da und bei einigen anderen Nutzern ist, wie ich auch schon in verschiedenen Rezensionen lesen konnte, die Weitung der Griffgummis kein Einzelfall. Auch wenn die Teile „nur“ nen Zehner kosten, ist das trotzdem sehr ärgerlich bei so einem doch recht hochpreisigem Produkt. Naja, dazu habe ich mich weiter ober schon mal geäußert und mit ein neuem Paar konnte ich das sichere Griffgefühl wieder herstellen. Trotzdem ist das nochmals eine Rüge an Shimano wert!

 

Antrieb & Sitzbereich

Bis auf die Pedale ist im Kurbelbereich alles wie bisher geblieben. Der anfangs verbaute Xpedo Traverse Duo Pedalsatz hat mir nicht wirklich zugesagt. Das Ein -und Ausklicken war nicht so definiert, wie ich es über die Jahre von Shimano gewohnt war. Zumindest hat sich d.b. und zum Glück bei den Japanern nichts geändert. Zudem haben die Xpedo Pedale in Verwendung mit unterschiedlichen Schuhen immer wieder für ein leichtes quietschen gesorgt. Das Problem hatte ich allerdings auch schon mit meinen Shimano PD-M324 Pedalen, was an der ähnlichen Konstruktion und Standfläche auf den verschraubten Edelstahlbereichen beider Pedaltypen liegt. Kurzum: mir ging das gewaltig auf den Zünder und eine Alternative mußte her!

Da ich von der Shimano-Qualität nicht mehr sonderlich angetan war, habe ich a.G. des bisher hervorragend funktionierenden Klick-Mechanismus derer Pedale trotzdem noch mal einen Versuch gestartet und mir ein Paar PD-A600 Rennradpedale bestellt. In dem Fall würde ich es schon fast als Glück bezeichnen, aber die Teile funktionieren bisher ohne Ausfälle.

Mein Schaltungskonzept mit der SRAM PowerGlide 11-36/11-fach Kassette und dem Wolf Tooth RoadLink hatte sich schnell als Flop herausgestellt. Durch die Verlängerung des Schaltauge über den RoadLink um das 36er Ritzel der Kassette bedienen zu können, wurde der Abstand zwischen der Kassette insgesamt und dem Schaltröllchen am Schaltwerk einfach zu groß. Gerade bei 11 Ritzeln ist die Toleranz dazwischen sehr gering und eine sehr genaue Justage des Schaltwerkes erforderlich. Soll heißen: Das Schaltwerk konnte so die Gangvorgabe nur noch undefiniert und verzögert umsetzen. Auf den unteren Ritzeln etwas besser als auf den oberen, was meistens durch längeres Rattern der Kette quittiert wurde bis sie sich relativ autonom und endlich mal dazu entschloß, auf das nächste Ritzel zu steigen. Beim runter schalten das Gleiche. Fail!
 

Daher habe ich auf den großen Rettungsring der 36er Sram-Kassette, zu Gunsten einer akzeptablen Schaltperformance, verzichtet und quasi abgerüstet. Hier habe ich ebenfalls Shimano noch mal eine Chance gegeben, den Roadlink entfernt und eine „normale“ Ultegra CS-6800 11-fach Kassette aus dem Rennradbereich mit größtmöglich verfügbarem 32er Ritzel verbaut. Allerdings muß ich gestehen, daß mich in puncto Haltbarkeit und Schaltqualität, zumindest bei bisher verwendeten 9-fach XT-Kassetten am Fully und Reiserad, noch nie enttäuscht haben. Das Schaltverhalten hat sich plötzlich um Welten verbessert und ein definiertes Schalten ist nun möglich.

Wie ich zuvor schon erwähnte, mußte ich die Sitzposition insgesamt noch etwas anpaßen und ausbalancieren. Neben dem Cockpit gehörte in meinem Fall auch die Sattelstütze dazu. Der Reach des Rahmen stimmt soweit mit meinem Körperbau und relativ kurzen Oberkörper überein, aber der Bereich um das Sitzrohr sollte wiederum etwas länger für meine vergleichsweise langen Beine sein. Der Sattel war mit der geraden Thomson Elite Sattelstütze schon auf Anschlag. Der Rahmen ist halt so, wie er ist und um mir die benötigte Sitzlänge zu ermöglichen, habe ich die Thomson Elite gegen eine Thomson Elite Setback mit 16mm Versatz nach hinten getauscht. Hier habe ich mit dem Sattel schnell eine angenehme Sitzposition gefunden, damit das Lot der Kniescheibe nicht vor der Pedalachse liegt. Paßt!

Weil ich gerade schon beim Sattel war. Diesen habe ich in dem Zuge auch gleich getauscht. Der zuvor verbaute Bontrager Evoke RL hatte mir mit seiner Aussparung im Dammbereich, bei meinem ersten Brevet in Sachsen, für ordentlich punktuelle Reizungen im Sitzbereich gesorgt. Aua! Es war halt ein Versuch, aber für meinen Allerwertesten sind homogene und fließebde Formen am komfortabelsten. Daher habe ich einfach mal zu dem recht günstigen Procraft Sport Touring Gel Sattel gegriffen. Funzt!

 

Rahmen & Laufräder

Ja der Rahmen. Der ist halt wie er ist. Absolut komfortabel, wie ich es auch nicht anders erwartet hatte und nebenher in seiner schlanken Silhouette noch schön anzuschauen. Die Farbe bleibt natürlich Geschmackssache. Klar. Die Gabel flext sehr komfortabel vor sich hin. In manchen Situationen leider unerwünscht viel, gerade beim Bremsen auf rauem Untergrund fängt sie an zu stempeln. Unschön!

Die beidseitigen Rahmenschützer am Oberrohr haben sich gegen das unschöne Einschlagen der Lenkerenden absolut bewährt.

Durch die Klettverschlüße des Framebag bei Bikepacking Touren hat die Brillanz der gepulverten Oberfläche natürlich etwas nachgelassen, was das PurPur in den Bereichen etwas matter erscheinen läßt. Damit kann ich gut leben. Das Bike wird schließlich benutzt und wurde nicht für einen dekorativen Platz über der Couch von mir aufgebaut.

Zu den Laufrädern aus DT Swiss TK 450 Disc Felgen, Hope Pro 2 EVO Disc Nabe und Schmidt SON 28 Nabendynamo gibt es nur zu sagen, daß sie unauffällig ihren Dienst ohne irgendwelche Auffälligkeiten verrichten. Punkt.

Einzig die Hope Edelstahl Schnellspanner waren eine Katastrophe. Das kantige Design ist wirklich klasse. Durch die unerwartet schwache Klemmwirkung müssen die Hebel sehr fest angeknallt werden, um  die Räder einigermaßen zu halten. Dementsprechend war das öffnen teilweise nur schmerzhaft zu bewältigen. Weg damit!

Als Alternative habe ich auf günstige Procraft Comp Security Road Schnellspanner zurück gegriffen und war überrascht über deren hohe Klemmkraft. Öffnen und schließen geht nun wie Butter und die Laufräder sind um Welten besser im Rahmen verspannt.

Bei den Challenge GRAVEL GRINDER Race 700×38 Schlappen gibt es hingegen bis auf den Verschleiß nichts zu bemängeln. Über Asphalt rollen sie gut und auf Gravelroads stellen sie ausreichend Grip zur Verfügung. D.b. bin ich jetzt schon sehr positiv angetan von den Gummis.

 

Unterm Strich

Komfort steht bei mir nun mal an höchster Stelle und wenn ich lange auf einem Bike sitze, gehe ich nur ungern Kompromisse ein. Daher habe ich dann doch noch einige Teile tauschen müssen.

Das Cockpit war die größte Baustelle. Angefangen mit dem dritten Lenker in Folge über den Vorbau bis zu den Hebeln. Mit dem Salsa Cowbell MD 3 habe ich einen guten Kompromiss aus Breite, Reach und Drop gefunden.

Der Umstieg auf die Schalt/Bremshebel des höherwertigen ST-RS685+BR-RS785 SITI auf Ultegra Niveau und die zentrale Positionierung der Hebel über den Drops gewähren nun eine sichere und angenehme Griffposition um noch ausreichend Aufrecht sitzen, aber in den Hörner hängend noch die Hebel greifen um bremsen und schalten zu können.

Der Salsa Guide Vorbau mit seinen 25° Steigung gibt meinem Komfort-Cockpit quasi den letzten Schliff. CHECK!

Dazu trägt auch die Thomson Elite Setback Sattelstütze mit 16mm Versatz nach hinten bei. Für den Procraft Sport Touring Gel Sattel habe ich so die paßende Position gefunden, damit meine langen Beine ordnungsgemäß arbeiten können und sich der Allerwerteste wohl fühlt.

Die Bremsen waren gerade anfangs am Vorderrad etwas zurückhaltend, haben aber recht schnell ihrer volle Leistung offenbart. Zwar nicht mit der superben Bremskraft, wie ich es am Fully mit den XT-Discs gewöhnt war, aber trotzdem auf sehr hohem Niveau. Hier hat sich Shimano mal keinen Patzer geleistet.

Der Antrieb mit der Schaltaugenverlängerung und dem Rettungsring auf der Kassette war ein Versuch mit theoretischer Funktion. Das die reinen Daten nicht immer eine Funktion in der Praxis garantieren, wurde mir hier deutlich vor Augen geführt. Letztendlich habe ich mich mit der Abrüstung bzgl. des Rettungsringes auf die Ultegra CS-6800 11-fach Kassette mit 32er Ritzel richtig entschieden und auf steilen Anstiegen selten mehr Zähne vermißt. Dazu trägt auch die Wahl meiner TA-Kettenblätter an der Kurbel bei. Das 24er Blatt unterstützt das 32er Ritzel beim „retten“ an steilen Uphills sehr gut. Bei noch größerer Steigung hebt das Vorderrad ab und mit der Nase auf dem Vorderrad hängend würde ich auch keinen Berg mehr hoch fahren wollen.

Der Shimano 105er 2-fach Umwerfer schafft wieder erwarten immer noch den Sprung über die 18 Zähne zwischen den Kettenblättern. Allerdings scheinen die Steighilfen am Großen TA-Kettenblatt schon etwas abgenutzt und in den oberen Positionen der Kette auf der Kassette muß ich manchmal schon ein wenig „betteln“, daß sich die Kette vom kleinen auf das große Blatt bequemt. Der Umwerfer ist dabei schon am äußeren Anschlag und nur mit einer kürzeren Innenlager-Welle könnte ich das in den Griff bekommen, was aber die Kettenlinie verfälschen würde und die Bandbreite über das kleine Kettenblatt eingrenzen könnte. All damit hatte ich schon im gewissen Maße gerechnet, da mein kompletter Antrieb in jeder Hinsicht ein Kompromiss war, obwohl ich diesen meistens versuche zu vermeiden. In dem Fall habe ich mich einfach darauf eingelassen, komme aber mit den minimalen „Einschränkungen“ gut klar.

Die Kette klettert hingegen, eine exakte Justage des Schaltwerkes vorrausgesetzt, die Kassette zuverlässig hoch und genauso auch wieder runter. Wobei ich manchmal das Gefühl habe, das meine 9-fach Antriebe am Fully und Reiserad etwas knackiger mit mehr Rückmeldung schalten. In gewissem Maße und ziemlich sicher ist auch das 105er Shimano Schaltwerk dem präzisen Schaltverlußt abträglich. Die Lagerung des Schaltwerkes über den Hauptbolzen am Schaltauge weist schon deutlich Spiel auf. Das sich so ein Verschleiß nach relativ wenigen Kilometern – selbst für ein Shimano 105er Schaltwerk – zeigt, bestätigt wiederum die nachlassende Qualität diverser Shimano Parts. Leider.

Sicher noch kein Grund das Schaltwerk zu tauschen, aber ärgerlich alle male, da es mit Sicherheit nicht besser wird. Diese Saison fahre das Teil noch runter und upgrade dann eventuell auf ein Ultegra Schaltwerk, da ich mich bei dem Vaya sowieso schon und großteils auf Shimano eingelassen habe. Die Hoffnung stirbt zuletzt und so.

Ganz im Gegensatz und zu meiner Verwunderung, laufen die Shimano PD-A600 Pedale bisher absolut sauber und sorgenfrei. Das Ein -und Ausklicken funktioniert definiert in gewohnter Manier bei Shimano – hier ist alles beim alten. Zudem ist der Stand in ihnen sehr stabil und nebenher sind sie auch noch recht leicht. Dazu trägt natürlich der Alukäfig bei, welcher nun schon ziemlich ramponiert aussieht. Das ist aber nicht allein dem weichen Material geschuldet, sondern großteils dem  Umstand, daß sich die Pedale nicht wieder in eine vertikale, dem Cleat zugewandte Position mit ihrem Klickmechanismus ausrichten. Soll heißen, die Pedale drehen sich oft in eine ungünstige Position für den Cleat unter dem Schuh. Was leider zur Folge hat, daß ich automatisch erst mal auf die gegenüberliegende Seite des Alu-Käfigs trete, womit sich auch das ramponierte Aussehen der Pedale in dem Bereich erklärt. Vielleicht „hängen“ sich die Pedalen über die Kilometer noch ein. Mal sehen, zumindest stört mich wieder erwarten die nur einseitige Nutzbarkeit der Pedale per Klickies überhaupt nicht, da ich sowieso nur mit solchen Cleat-Schuhen unterwegs bin.

Die Jagwire Schaltzüge brauchten etwas Zeit um sich an die Bögen in den Hüllen gerade am Lenker zu gewöhnen, funktionieren aber nun klaglos.

Der Chris King Steuersatz funktioniert so unauffällig, als wäre er gar nicht vorhanden, aber das Gefühl grenzenlosen Vertrauens in dieses bewährte Teil bleibt!

Das softe Salsa Lenkerband mit den zusätzlich unterlegten Gelpads vergrößert den Durchmesser des Lenker, was mir sehr entgegen kommt und mit der zusätzlichen Dämpfung über die Pads habe ich ein weiches, aber trotzdem für meinen Anspruch direktes Lenkgefühl.

Die Laufräder gehören auch zu den überaus unauffälligsten Parts. Sie waren mehr als ausreichend steif in jeder Situation. Ob es zackige Kurvenfahrten auf Asphalt, brutales Kopfsteinpflaster, derbe Abfahrten auf meinem geliebten Gravelground mit bis zu 60 Sachen und das teilweise mit der kompletten Bikepacking Ausrüstung waren – die Laufräder hat das mal überhaupt nicht interessiert. Selbst die Challenge GRAVEL GRINDER Race 700×38 Gummis haben bis auf einen Platten (Nagel) alles klaglos mitgemacht. Leider haben die Reifen am Jahresende abrupt ihren Dienst quittiert – mehr dazu in meinem Testbericht zu den Reifen. Einzig durch die geringe Klemmkraft der Hope Schnellspanner sind die Achsen in den Aufnahmen an Rahmen und Gabel gewandert, was ich immer gut an der Position der Steckkontakte des Nabendynamos erkennen konnte – egal wie fest ich die Teile angeknallt hatte. Eine wahre Wonne sind im Vergleich die Procraft Comp Security Road Schnellspanner. Ganz normal zu drehen, anziehen und die Laufräder sitzen bombenfest im Bike. Top!

Am Ende bleibt noch der Salsa Vaya Rahmen als Basis für die ganzen Parts. Wie eingangs schon erwähnt, erfüllt er meine Anforderungen an einen Stahlrahmen mit Bravur. Die Eigendämpfung ist wie zu erwartend sehr angenehm erfahrbar. Selbst bei kurzen Sprints, steilen Kurvenfahrten und Wiegetritt-Beschleunigungen aus der Kurve heraus, hatte ich nie ein zu weiches Gefühl. So sollte es sein. CHECK!

Mit meiner gewählten Rahmengröße von 57cm liege ich absolut im grünen Bereich lt. Salsa, obwohl der Rahmen unter mir manchmal etwas klein wirkt. In Ami-Foren habe ich gelesen, daß der häufigste Grund für eine Rückgabe des Vaya ein zu kleiner Rahmen ist. Hmm, sicher scheint da was dran zu sein, aber wenn ich einen größeren Rahmen gewählt und überhaupt noch als 2013er Modell in der Größe gefunden hätte, wäre dieser im Reach wahrscheinlich etwas zu lang für meinen kurzen Oberkörper. Daher paßt mir mein Rahmen schon ganz gut und mit der abgewinkelten Sattelstütze konnte ich auch gut meine große Beinlänge kompensieren. Man darf bei dem Bike halt nicht von einer klassischen Rennrad-Geometrie mit nahezu waagerechtem Oberrohr ausgehen. Das Salsa Vaya ist ein Allroadbike aka Gravelbike, welches auch über Singletrails gescheucht werden kann und möchte! Dabei ist es ganz hilfreich in kniffligen Passagen auch mal über dem Oberrohr stehen zu können ohne wie bei einem Renner Gefahr zu laufen, sich die Murmeln zu prellen. Ich denke, Salsa hat sich sicher ausgiebig mit dem Einsatzbereich des Vaya auseinander gesetzt, die Geometrie entsprechend angepaßt und danach die paßenden Größenempfehlungen gegeben.

Was ich nur mal kurz angerissen hatte, ist die Gabel. Hier hat es Salsa mit dem Komfort etwas gut gemeint. Damit meine ich nicht etwa ein schwammiges Fahrverhalten oder unpräzises Lenken, sondern eher den Flex der Gabel nach hinten beim bremsen. Bei normaler Fahrt verhält sich die Gabel sehr positiv unauffällig, dämpft fein und folgt treu den Lenkbefehlen ohne zu murren.
Aber: Gerade und fast ausschließlich fängt die Gabel beim bremsen auf Gravelpisten oder unebenem Untergrund im Allgemeinen zu stempeln an. Naja, es ist nun aus technischer Sicht kein wirkliches Stempeln, was man von sich verhärtenden Federgabeln kennt, ehr ein frequentes Flexen. Der Untergrund gibt quasi einen Impuls und die Gabel schwingt sich auf. Das führt dazu, daß das Cockpit so stark vibriert, ich in manchen Situationen den Lenker nicht mehr fest halten kann und die Bremsen aufmachen muß. In einigen Situationen war das ein knappes Ding! Nun war ich natürlich auf Fehlersuche. Die Bremse habe ich mehrmals absolut Blasen frei entlüftet. Sämtliche Schrauben sind ordnungsgemäß fest angezogen und die Gabel sitzt über den Steuersatz sicher und Spiel frei im Rahmen. Die Bremsscheibe läuft gerade und wurde mit Bremsenreiniger wie auch reinem Alkohol mehrmals gereinigt und danach trocken gerieben. Keine Verbesserung! Am Ende habe ich die originalen organischen Bremsbeläge mit hoher Bremskraft, gegen Bremsbeläge aus Sintermetall mit weniger Leistung getauscht. Hier bilde ich mir ein, das Vibrieren hat beim Bremsen etwas nachgelassen, tritt aber trotzdem in beschriebenen Situationen noch sehr dominant auf. Hier bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich habe schon darüber nachgedacht, eine andere Gabel einzubauen, oder mir eine Gabel bauen zu lassen, mit welcher ich das Problem wahrscheinlich in den Griff bekommen würde und nebenher gleich noch die Gewindeösen für den Salsa Enything Cage einlöten lassen könnte. Naja, das wäre wohl der letzte, aber auch teuerste Schritt um dem Problem Herr zu werden. Vielleicht gibt es doch noch einen plausibleren Grund dafür und ich kann mir das sparen. Wenn jemand das gleiche Problem hat oder eine Idee, woran es noch liegen könnte, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen :-  )

Ja, was bleibt noch? Ansich habe mit diesem Artikel mein Salsa Vaya quasi durchleuchtet, Stärken und Schwächen in meinem Gebrauch aufgetan, was für den einen oder anderen Selbstaufbauer hilfreich sein könnte. Das hoffe ich doch sehr!

Nach 2700km auf meinem Salsa Vaya Custom Gravelbike kann ich nun guten Gewissens sagen, daß ich mich mit den ganzen Optimierungen sehr nahe an dem für mich perfekten Allrodbike bin. Ob auf Asphalt und noch viel wichtiger in seiner Funktion als Gravelbike auf Gravel bin ich sehr glücklich mit dem stolzen Stahlross! Als souveränes Bikepacking-Gefährt hat das Vaya ebenfalls und als allzeit zuverlässiger Partner seine Arbeit verrichtet. Ok das partielle Verblassen der Farbe im Bereich der Klettverschlüße vom Framebag wäre event. ein Anlaß zu einer farblichen Veränderung. Vielleicht ein Projekt für den Winter – wer weiß…

Von | 2017-11-06T12:24:38+00:00 15 Oktober 2016|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Quasi Nitro 1. März 2017 um 16:31 Uhr - Antworten

    Danke und gerne! Du hast das Vaya nun mittlerer Weile auch schon selbst in der Hand gehabt :- )

  2. LITEMOUNTAINGEAR 1. März 2017 um 16:01 Uhr - Antworten

    Sehr schöner Bericht! Und immer wieder lesbar…

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