Wildcat Gear Lion im Test – leichter Drybag Halter für das Bikepacking-Cockpit Made in UK mit leichtem Verbesserungspotential

 

Wildcat Gear Lion incl. Tongue

 

Der Wildcat Gear Lion ist ein praktischer Halter für den Drybag am Bike-Cockpit. Genauso wie bei meinem Leopard Full Custom Frame Bag und Tiger habe ich mich für Wildcat Gear entschieden. Das umfangreiche Angebot sämtlicher Bikepacking Bags und der gute Ruf des sympathischen Brit-Manufacturer waren für mich ausschlaggebend. Den Wildcat Gear Lion gibt es im Bundle und dadurch auch etwas günstiger. Somit ist es ein Bundle geworden, da ich sowieso die drei beinhalteten Parts im einzelnen gekauft hätte. Ich hatte den Lion im Konvolut auf mehreren Bikepacking-Touren im Einsatz und wie er sich in der Praxis schlägt, erfährst du nun meinem Testbericht.


Wildcat Gear Lion

 
Wildcat Gear Lion mit Alpkit Drybag

 

Für Puristen reicht die Befestigung des Drybag mit zwei Spanngurten am Lenker oft aus, die Montage geht recht schnell von der Hand und ist unangefochten die leichteste aller Möglichkeiten den Drybag ins Bike-Cockpit zu integrieren. 

Diese Art der Befestigung hat aber auch Nachteile. Der Drybag braucht viel Zug auf den Spanngurten um einigermaßen fest am Lenker zu sitzen. Über eine zusätzliche Abspannung am Steuerohr kann man das nervöse tänzeln des Drybag gerade im Gelände etwas unter Kontrolle bringen. Dadurch wird der Drybag aber auch mehr unter den Lenker zum Steuerohr hin gezogen. Das kann zur Folge haben, daß die Schalthüllen eingeklemmt und geknickt werden. Etwas schwergängigere Schaltvorgänge und eingeschränkte Schaltperformance insgesamt können daraus resultieren. Gerade 11-fach Schaltungen sind dafür sehr empfänglich und reagieren d.b. sehr sensibel. Für die Hydraulikleitungen der Scheibenbremsen stellt das weniger ein Problem dar, aber gesund finde ich das unnötige streßen der Leitungen und Hüllen auch nicht. Tja und hier kommt nun der Wildcat Gear Lion ins Spiel!

 

Seitenansicht – Platz für die Leitungen

 

 

Material und Ausstattung 

 

Lion im Detail

 

Der Wildcat Gear Lion ist ausschließlich in Schwarz erhältlich. Gefertigt ist er aus Dimension-Polyant X-Pac VX21 und Ballistc-Nylon. Der Kern besteht aus einer gepolsterten und gleichzeitig stabilisierenden Einlage. Die Klettverschlüße mit dem Flausch auf der Innenseite, auf der Außenseite ein Gummiband über dem Logo, Polyester-Gurtmaterial, Steckschließen und Kanteneinfaßband. Die Maße betragen 29x23cm, wobei sich die Breite nach unten auf 26cm verjüngt. Die Stärke beträgt 6mm.

Die große Lasche, von Wildcat Gear irgendwie paßend Lion Tongue (Löwenzunge) benannt, besteht aus zwei Lagen Dimension-Polyant X-Pac VX21. Eine Daisy Chain zur Gurtführung und zwei Hakenbänder als Gegenstück(e) zum Klettverschluß sind aufgenäht. Hier betragen die Maße 36x23cm und nach unten läuft die Zunge auf schmale 14cm zu. Die Stärke beträgt 3mm.

 

Sauberer Gurtbandabschluß per Klett

 

An den zwei Spanngurten für den Drybag sind praktische Klett-Gurtbandabschlüße angebracht. Einfach die Gurte spannen, den Rest einrollen und mit den Kletts sichern. Eine simple und effektive Möglichkeit die Gurte am flattern zu hindern.

 

Lion mit und ohne Tongue

 

Das Gewicht des beträgt komplett 186g, wobei der Lion solo 146g und die Lion Tongue 40g wiegt.

 

 

Lieferumfang

 

Montageanleitung
 

 

Neben dem Lion incl. Tongue selbst befindet sich im Lieferumfang eine sehr gut bebilderte Montageanleitung zur Befestigung des Drybag-Halter an Lenker und Gabelbrücke. Die Anleitung dient bei der Montage des Tiger als angenehme Hilfestellung, aber nötig ist sie nicht wirklich, da der Gurtverlauf eigentlich selbst klärend ist. Wenn man das erste Mal so ein Teil montiert, kann die sehr gut bebilderte Anleitung die Erstmontage trotzdem erleichtern. Lobenswert so oder so!

 

 

Montage & Tuning

 

Lion Draufsicht am Lenker montiert

 

Verlängerte Gurte mit zusätzlichen Dreistegen und Polyester-Schlauch
 

 

Der Lion wird über ein Gurtsystem zwischen Lenker und Gabelkopf gehangen und mittels Leiterschnallen am Lenker verspannt. Dadurch wird das „streßen“ der Züge und Hüllen bei ausreichend strammer Abspannung – zumindest am Rennbügel – gering gehalten und die Bewegung mit beladenem Drybag insgesamt minimiert.

 

Seitenansicht Gurte & zusätzliche Dreistege

 

Von Wildcat Gear ist nur über dem Bereich der Gabelbrücke jeweils einem Dreisteg vorgesehen welche die Gurte dort zusammen hält. Die Last des Drybag liegt aber weiter oben an, wo die Gurte bis zum Lenker nur noch „einlagig“ verlaufen. Bis hierher verstanden?

Ok, das hatte der Tiger für meine Verhältnisse noch ein wenig zu sehr wippen lassen. Nur im minimalen Bereich, aber für mich trägt die Ruhe im Bike und allem was daran montiert ist, zu einem entspannterem fahren bei.

 

Gurttuning am Gabelkopf
 

Etwas Tuning war so für mich unumgänglich. Über eine oben zusätzlich eingeschlauftem Dreisteg pro Seite habe ich die Gurte auch dort zusammen legen können. So sind quasi zwei Doppelgurte mit mehr Stabilität für nochmals reduziertere Bewegung des Drybag entstanden. Zusätzlich habe ich ein Stück Polyester-Schlauch gegen Abrieb unter dem Gabelkopf und zum Schutz der Gurte vor dem Dreck-Beschuß des Reifens aufgezogen.

 

Gurtverlängerungen und Dreistege im Detail

 

Leider waren die Gurte für meine Lenkerhöhe durch die Spacer und Vorbausteigung von 25° etwas zu kurz. So haben aus den Leiterschnallen gerade mal 3cm heraus geschaut, was für ein kräftiges Abspannen ohne Zange einfach nicht ausreicht. Das ist sicher nicht der Sinn dahinter. Also war eine weiter Tuningmaßnahme die Verlängerung der Gurte. Mit 15cm mehr Länge läßt sich der Lion nun gut abspannen.

 

Lion Tounge Weitenregulierung durch zwei Kletts

 

Die Lion Tounge kann über zwei Hakenbänder an den Umfang des Drybag angepaßt oder auch komplett entfernt werden. So könnte man 40g Gewicht einsparen. Allerdings bietet die „Löwenzunge“ einen zusätzliche Schutz des Drybag, bewahrt ihn gegen den aufgewirbelten Dreck des Vorderrades und Nässe von unten gerade bei längeren Regenfahrten. So kann der Drybag sauberer ent -und später ins Zelt mitgenommen werden. Zudem ist der Halt insgesamt flächiger und wenn der Inhalt schrumpfen sollte (Verpflegung), ist die Gefahr geringer, daß der Drybag aus den Gurten rutscht. Wie auf den Bildern zu sehen verwende einen Drybag von Alpkit – hier geht es zum Testbericht meines Airlok Dual 13L Drybag.

 

 

Funktion auf Tour

 

Wenig Platz für die Hände am Rennbügel

 

Konstruktionsbedingt liegt der Lion direkt am Lenker an und bei meinem 46cm breiten Rennlenker muß ich in Oberlenker-Griffpostion die Hand (Handschuhgröße: 10) zum Teil zwischen Lenker und Lion schieben um noch „gerade“ greifen zu können.

Der Gurt mit Steckschließen für die zusätzliche Montage des Lioness (Mein Testbericht) nimmt dabei auch noch etwas Platz in Anspruch, aber selbst ohne diesen würde ich weiter innen am Lenker nicht greifen wollen.

 

Angenehme Griffposition an den Hebeln mit montiertem Tiger am Salsa Cowbell3

 

In der Schalthebel-Griffposition fährt es sich mit Tiger und Bikepacking-Geschirr so am besten.

 

Beladung mit 2L Platypus Faltflasche

 

Am Abend und zu Beginn der Suche nach einem Übernachtungsplatz schnalle ich meißtens noch zusätzlich eine 2L Wasserfaltflasche oben drauf. Dann ist eine Trägheit deutlich spürbar, aber die Belastung durch den Wassertransport ist bestenfalls nur für ein paar Kilometer bis zum Biwak gedacht und abends ist sowieso die Luft für schnelles fahren raus. Die Gurte und der Lion haben die zusätzliche Last bisher ohne Blessuren weg gesteckt.

 
 
 

Unterm Strich

 

Der Wildcat Gear Lion ist mit seinen 186g ein leichter Drybag-Halter für das Bikecockpit. Durch das weglassen der Lion Tongue kann man mit kleinen Einschränkungen nochmal 40g an Gewicht sparen. Insgesamt gehen ca. 20g meinen Tunnigmaßnahmen zu lasten. Diese sind bis auf die Gurtverlängerung durch mein hohes Cockpit nicht zwingend notwendig, tragen aber insgesamt zu einer besseren Funktion bei. Ohne diese wäre der Lion nochmal leichter und kommt so event. auch für Puristen in Frage…

Durch die Gurtabspannung des Lion bleibt den Schalthüllen und Bremsleitungen mehr Bewegungsraum um weiterhin eine gute Funktion trotz Drybag am Lenker zu gewährleisten. Der Freiraum zwischen Lion-Abspannung und Steuerrohr ist auch von der Länge des Vorbaus abhängig. Ein leichtes „arbeiten“ können selbst sehr fest abgespannte Gurte  des Drybag nicht verhindern, was aber mit meinem Tuning absolut im grünen Bereich ist. Ich versuche den Drybag möglichst nicht über 2kg zu beladen.  Meißt ist das Gewicht aber deutlich geringer.

Über die Verlängerung konnte ich den Lion ordentlich stramm abspannen und  brauchte die Gurte bisher noch nie nach spannen. Verschleiß konnte ich noch keinen Ausmachen. Lediglich an den Polyester-Schläuchen im Gabelkopfbereich deuten sich die erste Hinweise dafür an. Das hängt auch mit der schmalen Gabelbrücke des Salsa Vaya und der Reibung der Gurte dadurch an der Steuersatzschale zusammen. Zeigt aber auch, daß der extra Schutz der Gurte seine Berechtigung hat. Die Nähte halten bisher ohne irgendwelche Auffälligkeiten.

Der eingeschränkte Platz für die Hände am Oberlenker zwischen Rennbügel und Lion ist konstruktionsbedingt und in meiner Kombination mit einem Rennlenker nicht zu ändern. Die Montage an einem breiten MTB-Lenker schließt den Platzmangel für die Hände durch die breitere Griffposition natürlich aus.

Die Montage des Lion ist schon etwas aufwändiger und nicht mal in fünf Minuten erledigt. Die Montageanleitung kann dabei hilfreich sein, ist aber nicht unbedingt von Nöten. Das Verlegen der Gurte, der zusätzliche zweite Dreisteg pro Seite und den Polyester-Schlauch in die richtige Position ohne Verwerfungen zu bringen klappt nicht immer beim ersten Mal. Wenn aber alles sauber sitzt und gut abgespannt ist, funktioniert der Lion bestens – auch dank meines Tuning ;- >

Somit kann ich an der Verarbeitung überhaupt nichts auszusetzen und finde diese sehr gut. Punkt.

Etwas Feinschliff an der Funktion wäre allerdings wünschenswert. Hier nochmal die drei oben schon erwähnten Punkte:

  1. Längere Spanngurte
  2. Doppelte Fixierung der Gurte pro Seite über Dreisteg o.ä.
  3. Zusätzlicher Schutz der Gurte am Gabelkopf

 

Auch den Wildcat Gear Lion hatte ich im Bundle für £168.74 geordert. Der Einzelpreis des Lion betrug so damals £59.09/~70€ was ich für Made in UK in Ordnung finde, aber günstig ist der Lion trotz der sehr guten Qualität nicht. Mein Tuning zeigt, daß es noch Verbesserungsbedarf gibt, welches die Grundfunktion nicht einschränkt, aber merklich optimiert. Trotzdem kann ich den Wildcat Gear Lion mit den erwähnten Einschränkungen empfehlen. Ob man nun bereit ist den dafür aufgerufenen Preis zu zahlen, muß jeder für sich selbst entscheiden…

Von | 2017-11-09T22:49:19+00:00 2 Mai 2017|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen