Wildcat Gear Tiger im Test – Drybag Halter fürs Bikepacking-Heck Made in UK

 

Wildcat Gear Tiger mit Alpkit Airlok 13L Drybag an Thomson Elite Setback

 

Der Seat Bag hinter dem Sitzbereich ist eines der typischen Erkennungsmerkmale des Bikepacking. Er ergänzt den Frame Bag im Rahmen, die Sweetroll am Cockpit und ist schlichtweg aus der Bikepacking-Luggage nicht mehr weg zu denken. Wie bei meinem Leopard Full Custom Frame Bag habe ich auf Stuff von der „Insel“ gesetzt und mich für Wildcat Gear entschieden. Deren guter Ruf und das umfangreiche Angebot sämtlicher Bikepacking Bags hatten mich neugierig gemacht. Zudem gibt es den Wildcat Gear Tiger im Bundle wobei man auch noch mal nen Taler sparen kann, wenn man sowieso diverse Bags & Parts kaufen wollte. Also ist es bei mir auch ein Bundle geworden, welches nur ein Grund für den Tiger war, denn er ist genau genommen nur eine „Halterung“ für einen Drybag. Dieser kann so einfach heraus genommen und wieder eingesetzt werden, womit das nervige dran gurten und kletten an Sattel und Stütze, wie bei einem kompletten Seat Bag, entfällt. Aber dazu nun mehr in meinem Testbericht. 

 

Wildcat Gear Tiger

Tiger ohne Drybag

 

Varianten

Als ich den Wildcat Gear Tiger Anfang 2016 bestellte, konnte ich zwischen zwei Größen wählen. Zur Auswahl standen Small für 3-5L und Medium für 5-8L Drybags. Mittlerer Weile haben die verschiedenen Größen des Tiger eigene Modellbezeichnungen erhalten. Den Tiger Drover für 5-10 L und der Tiger Wayfahrer für 3-6L Drybags. So kann man je nach Platzbedarf und paßenden Drybags die notwendige Größe wählen. Mein „Ur“-Tiger für 5-8L Drybags liegt in seiner Größe irgendwo dazwischen.

 

Tiger mit Drybag

 

Wie eingangs schon erwähnt ist der Wildcat Gear Tiger (Drover o. Wayfahrer) ein Drybag-Halter für das Bikepacking-Heck und kein kompletter Seat Bag. Daher braucht man zusätzlich noch einen separaten, möglichst paßgenauen und bestenfalls wasserdichten Packsack zur Komplettierung. Die sinnvollere Lösung ist ein wasserdichter Drybag wie ich ihn benutze. Wildcat Gear selbst bietet dafür verschiedene Packsäcke an, wobei sich der Wildcat Gear Tapered Drybag oder Exped Fold Drybag a.G. der schmal zulaufenden Form am besten eigenen sollten und auch für die Nutzung im Tiger von Wildcat Gear empfohlen werden. Selbst habe ich die Packsäcke nicht ausprobiert, da diese zu der Zeit meiner Bestellung noch nicht verfügbar waren.

 

Schutz der Ausrüstung und Bikerhinterteil durch wasserdichten Drybag

 

Eine Alternative hatte ich derzeit mit einem Alpkit Arlok 13L Tapered dry Bag gefunden, welcher mit seiner Form sehr gut in den Tiger paßt.

 

Material und Ausstattung

Wildcat Gear Tiger Rundumansichten

 

Wildcat Gear Tiger ausgebreitet und Ansicht von hinten

 

Die Farbe ist nach wie vor geblieben und beide Tiger Modelle sind ausschließlich in Schwarz erhältlich. Das Hauptmaterial des Tiger besteht großteils aus Dimension-Polyant X-Pac VX21, wobei die Oberseite mit Ballistc-Nylon überzogen ist. Bis auf die Seitenteile hat der Tiger gepolsterte Einlagen und gleichzeitig etwas aussteifende Einlagen über die gesamten Flächen. Dazu gesellen sich noch klassisches Klettverschlüsse, Gurtmaterial, Steckschließen und die breite Klettverschlußlasche an der Sattelstütze aus beidseitig beschichtetem TPU-Nylon welches auch als LKW-Planen Material bekannt ist.

 

Lieferumfang

Tiger Montageanleitung

 

Im Lieferumfang befindet sich neben dem Tiger eine sehr gut bebilderte Montageanleitung zur Befestigung des Seat Bag an Sattelgestell -und Stütze. Das ist für die erst Montage auch wirklich nötig, denn das Gewirr an Gurten und  gerade der Gurtverlauf um das Sattelgestell erschließt sich nicht gleich auf Anhieb. Die Anleitung vereinfacht die Erstmontage ungemein und bekommt definitiv schon mal einen Daumen nach oben von mir!

 

Montage

Geöffnete Klettverschlußlasche

 

Hier hat sich Wildcat Gear wirklich Gedanken gemacht. Es hat sich für mich bewährt, den Tiger per Klettverschlußlasche zuerst um die Stütze grob zu fixieren.

 

Sattelstützenbefestigung im Detail

 

Die breite Klettverschlußlasche wird über einen großen Ovalring doppelt um die Stütze verlegt und per Klett verschlossen. Das stumpfe und leicht „klebrige“ LKW-Planen-Material haftet sehr gut an der Oberfläche der Stütze und durch die doppelte Führung noch zusätzlich an sich selbst.

 

Geschlossene Klettverschlußlasche

 

Durch die doppelte Führung des Gurtes ergibt sich ein Flaschenzugeffekt über welchen mit wenig Kraftaufwand ein sehr sicherer Halt erreicht wird.

 

Ovalring als „Flaschenzug“

 

Auch mit abgewinkelter Sattelstütze hat sich die Befestigung nicht nicht verdreht. Das hält wirklich sehr sicher.

 

Tiger locker hängend in Übernacht-Parkposition nach Entnahme des Drybag

 

Der doppelte Gurtverlauf um das Sattelgestell und die Führung durch die Ovalringe bis hin zu den Leiterschnallen ist noch mal eine Ecke genialer gelöst und umgesetzt.

 

Heckansicht mit Gurtverlauf

 

Genauso wie an der Sattelstütze verlaufen hier die Gurte zweimal um die Streben am Sattelgestell, was dem Ganzen schon mal einen guten Verbund durch die rauen Oberflächen gibt.

 

Doppelter Gurtverlauf im Detail

 

Durch den Flaschenzugeffekt und über den Zug durch die Leiterschnallen an den Seiten kann man so den Tiger quasi unter den Sattel „backen“. Hier wackelt erst recht nichts!!

 

Performance auf Tour

Drybag mit weicher Befüllung

 

Am Bike und in Bewegung auf Tour ist der der Sitz auch von der Befüllung des Drybag abhängig. Aber selbst mit wenig oder weichem Inhalt bepackt ist der Halt immer noch sehr gut. In dem Fall habe ich die Gurte über den Tag bei diversen Pausen immer wieder mal kontrolliert und b.B. nach gespannt.

 

Alpkit Airlok 13L Tapered Drybag

 

Wie schon erwähnt habe ich dafür bisher einen Alpkit Arlok 13L dry Bag verwendet. Obwohl der Tiger für Drybags bis max. 8L angegeben ist, hat der Alpkit Airlok mit seinen angegebenen 13L nahezu perfekt in den Tiger gepaßt. Nachgemessen habe ich das Volumen allerdings nicht. Durch den Rollverschuß läßt sich die Länge und das Volumen sehr gut regulieren, womit die Volumenangabe ehr nebensächlich ist wenn der Drybag in den Halter paßt. Warum ich den Alpkit Arlok 13L dry Bag trotzdem nicht empfehlen kann, erfährst du in meinem Testbericht dazu.

 

Tiger geöffnete Rückansicht

 

Durch den fest montierten Tiger als Drybag Halter ist die Entnahme des Drybag einfach und geht sehr schnell. Einfach die drei Steckschließen komplett und die seitlichen Spanngurte ein wenig öffnen – fertig! Dauert keine 10 Sekunden. Die Gurtenden können dabei mit ihrer ausreichenden Länge einfach locker in den Leiterschnallen verbleiben ohne heraus zu rutschen.

 

Steckschließen und Gurtbefestigungen

 

Beim Einsetzen des Drybag sorgen die Steckschließen und Gurtführung durch die seitlichen Leiterschnallen für ein gutes Handling ohne großes Gefummle. So ist die Fuhre ratzfatz verpackt. Bei strammer Befüllung des Tiger kann es schon mal vorkommen, daß die Ecken von ober -und Unterteil etwas abstehen. Das ist durch den geraden Abschluß über nur einen Gurt bedingt. Hier könnten spitz zulaufende Enden den Druck etwas gleichmäßiger verteilen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Vernähung von zwei nebeneinander liegenden Gurten, wie es bei anderen Herstellern oftmals Anwendung findet. Ok, das würde den Tiger auch wieder etwas schwerer machen, denn so wiegt er 173g.

 

Steckschließe und Leiterschnalle nah beieinander

 

Allerdings liegen an den Seiten die Steckschließen und Leiterschnallen teilweise leicht übereinander, was die Bedienung manchmal etwas hakelig macht. Gerade bei sehr strammer Abspannung und kalten Fingern läßt sich so die Steckschließe nicht immer ganz einfach öffnen.

 

Optimaler Gurtverlauf hinter dem Drybag

 

Die übereinander verlaufenden Gurte werden durch eine gekreuzte Schnalle geführt. Diese kann man in alle vier Richtungen verschieben und nach Bedarf und Notwendigkeit platzieren. Ob die Steckschließe des Drybag nun unter oder über dem Gurt (Kreuz) liegt spielt dabei keine Rolle. Ich mache es mal so, mal so ohne das sich der Verschluß irgendwann mal von selbst geöffnet hat.

 

Klettverschluß am Gurtende

 

Nicht nur ein nettes Gimmick sondern auch sehr praktisch sind die Gurtbandabschlüße per Klett. Einfach die Gurte spannen, einrollen und mit den Kletts sichern. So flattert nichts mehr im Wind oder überhaupt nervig herum. Bei den Gurten für das Sattelgestell sind solche Abschlüße leider nicht möglich, da diese durch und um das Sattelgestell, nochmals durch die Ovalringe und am Ende durch die Leiterschnallen geführt werden müssen. Die einseitige Anbringung von Flausch oder Klett wäre hier eine denkbare Lösung. Damit könnte der Gurt immer noch durch den Ovalring am Sattelgestell und abschließend durch die Leiterschnalle paßend geführt werden. Danach einfach den Gurtbandabschluß ankletten, Gurt aufwickeln und fertig! Verständlich? Nur so ein Gedanke und Notiz an mich 💡 

 

Wildcat Gear Tiger am Salsa Vaya Heck

 

Der Vollständigkeit wegen und völlig neutral betrachtet möchte ich trotzdem noch etwas zur Beinfreiheit beim pedalieren – in meinem Fall – erwähnen.

 

Oberschenkelkontakt bei stark durchgedrückten Beinen

 

In Montage an meinem Bike mit gekröpfter Sattelstütze habe ich ab und an beim strammen treten leichten Kontakt mit meinen Oberschenkeln zum schmalen Vorderteil am Tiger. Das passiert aber nur manchmal beim extremen durchdrücken am Berg z.B., aber auf geraden bis gemäßigtem Streckenprofil kommt es eigentlich nicht vor. Das ist u.a. dadurch begründet, weil ich verdammt lange Gräten für meine Größe und in Konsequenz meinen Sattel zusätzlich recht weit hinten positioniert habe. Für einen normal gewachsenen Menschen sollte das also kein Problem darstellen, aber ich wollte es auch nicht unerwähnt lassen  🙂

 

Unterm Strich

Zugegeben, als ich vor einigen Jahren in die Bikepacking-Materie eingestiegen bin habe ich solche modulare Lösungen wie die des Wildcat Gear Tiger Seatpack ein wenig belächelt und war der festen Meinung, daß ein „normaler“ Seat Bag den selben Zweck erfüllt. Das tut er grundsätzlich auch – wenn er denn wasserdicht ist – aber das schnelle Abnehmen und vor allem das komfortable Anbringen des Drybag habe ich völlig unterschätzt und mit dem Tiger zu schätzen gelernt!

Durch die Versteifungen als Einlage hat der Tiger solo am Heck schon eine gute Grundstabilität. Die zusätzliche Polsterung sorgt für einen Lack schonenden Sitz an der Sattelstütze und schmiegt sich so auch ein wenig mehr an diese an. Die durchdachte Gurtführung um das Sattelgestell und die Stütze vervollständigen den satten Halt. Mit dem Alpkit Drybag fest verspannt ergibt sich ein zuverlässig sicher sitzender Seat Bag im Ganzen, ist nicht zu groß und fällt beim fahren schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr auf. Auch auf ruppigeren Untergrund habe ich den Tiger mit Beladung nie als störend empfunden. Natürlich bewegt sich der Seatbag durch die Trägheit der Masse ein wenig, was völlig normal ist, aber das hält sich in Grenzen und bewegt sich vergleichsweise auf einem sehr hohem Niveau.

Die Bedienung geht nach der ersten und etwas aufwändigeren Montage leicht von der Hand wobei die gut bebilderte Montageanleitung sehr hilfreich ist.

Nach mehreren Touren mit dem Tiger konnte ich lediglich ein paar Druckstellen an den „Streßpunkten“, aber keinerlei Verschleiß feststellen. Alle Fäden der Nähte sind noch dort, wo sie hin gehören und nirgends aufgedröselt.

An der Verarbeitung habe ich auch nichts auszusetzen und ich würde sie als sehr gut einordnen. Hier und da ein klitzekleines Fädchen an den Nähten, was ich abschneiden könnte, aber das wars auch schon.

Trotzdem gibt es meiner Meinung nach etwas Tuning-Bedarf oder Verbesserungspotential in drei Punkten:

  1. Das leichte Überschneiden von Steckschließen und Leiterschnallen an den Seiten durch längere Seitenteile ausschließen
  2. Die abstehenden Ecken an Oberteil -und Unterteil durch schmal zulaufende Form oder doppelte Gurtführung optimieren
  3. Flexible Klettverschlüße an den Gurtenden der Sattelverspannung
 

Den Wildcat Gear Tiger hatte ich im Bundle  für £168.74 geordert. Der Einzelpreis des Tiger betrug so damals £69.65/~80€ was ich für Made in UK mit der gebotenen Qualität schon als preiswert bezeichnen würde. Das erwähnte Verbesserungspotential schränkt die Grundfunktion nicht ein und ist ehr mein Wunsch nach einem nahezu perfektem Drybag-Halter fürs Bikepacking-Heck. Finetuning quasi. Somit kann ich den Wildcat Gear Tiger trotzdem guten Gewissens empfehlen.

Von | 2017-11-09T19:19:17+00:00 28 Februar 2017|0 Kommentare

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